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Prognosen zur Zukunft des Films

Zukunft : Prognosen : Übersicht
07-Mar-2005/09-Jan-07


Übersicht

1895 projizierten die Gebrüder Lumière ihre erste Bewegtbildfolge von einem Zelluloidfilm; im Jahr 2005 – also 110 Jahre später – wird dieses alte Prinzip möglicherweise schrittweise beerdigt.

Unmittelbare Zukunftsszenarien

Für die Zukunft des Films sind grundsätzlich vier verschiedene Szenarien vorstellbar:

1. Vollständige Transformation zum digitalen Film.

Filme werden zunehmend digital produziert, digital distribuiert und gelegentlich auch schon digital präsentiert; erste Anbieter wie Cinecomm Digital Camera bieten Komplettlösungen für die gesamte Verarbeitungskette. Auch die Werbung wird zunehmend digitalisiert; Systeme wie das CECIS der UFA sollen mehr Flexibilität und geringere Kosten bieten.

Gegen eine Etablierung des D-Cinema in näherer Zukunft – also bis etwa 2015 – sprechen u.a. die derzeit (2005) noch enormen Investitionskosten für die Neuausstattung der Filmtheater mit 4k-Projektionstechnik, die derzeit eher schwache Finanzausstattung der Kinobetreiber, der geringe Grad an technischer Standardisierung, die extreme Piraterie-Paranoia der Rechteinhaber sowie die noch vollkommen unklaren Geschäftsmodelle zur Refinanzierung. Darüber hinaus gibt es derzeit noch keine ausgeprägte Dominanz der digitalen Kinematographie; viele etablierte Filmemacher sind nur partiell bereit, auf digitale Produktionsverfahren umzusteigen, zumal der digitale Film unbestrittene filmästhetische Auswirkungen hat.

Voraussetzung für eine rasche Penetration von Digitaltechnik in Filmtheatern wäre eine massive Beteiligung der beiden einzigen Profiteure digitaler Distributions- und Projektionssysteme – der Filmvertriebe und der Werbewirtschaft – an den Invesitionskosten der Kinobetreiber, und das zu vertretbaren Konditionen, also ohne die Position der Filmthater in der Verwertungskette noch weiter zu schwächen. Vorstellbar wäre auch ein brutaler roll out durch die Hollywood-Majors, die durch ihre schiere Marktmacht jederzeit eine vollständige Umstellung erzwingen könnten, indem sie einfach Filme nur noch digital anbieten. Ein solches Vorgehen wäre jedoch unpräzediert und auch kartellrechtlich in höchstem Maße bedenklich.

2. Etablierung von »hybriden Kinos« mit digitaler und analoger Projektion.

Denkbar ist auch die Installation sowohl digitaler als auch analoger Technik in den Filmtheatern; eine rasche und vollständige Transformation findet in diesem Szenario nicht statt, und analoge Techniken werden allenfalls mittelfristig durch digitale abgelöst.

Bei diesem nicht unwahrscheinlichen Szenario gibt es keine klaren Gewinner; Filmtheater müssen zwei weitestgehend inkopatible Techniken parallel betriebsfähig halten, der Filmvertrieb müsste weiterhin analoge Kopien anbieten und allenfalls die Werbewirtschaft würde von der Flexibilisierung durch digitale Projektionstechnik auf E-Cinema-Niveau profitieren.

3. Technische und qualitative Verbesserungen des analogen Films.

Nicht auszuschließen ist eine Revitalisierung der analogen Aufnahme- und Projektionstechnik. So wiesen beispielsweise Gibboney Huske und Rick Vallières in einer Credit-Suisse-Studie von Juni 2002 darauf hin, dass die Analogtechnik noch keineswegs ausgereizt sei; beispielsweise biete die von Dean Goodhilll und MaxiVision Technology entwickelte Aufnahme- und Projektionstechnik signifikante qualitative und filmästhetische Verbesserungen bei zugleich kostengünstiger Produktion und vergleichsweise geringen Ausstattungskosten der Kinos.

Investitionen in analoge Neuentwicklungen würden zwar einem Zeittrend zuwiderlaufen, wären jedoch rechnerisch weitaus rationaler als Investitionen in die noch wenig standardisierte und noch weniger ausgereifte Digitaltechnik.

4. Alles bleibt (vorerst) wie es ist.

Das vierte und letzte Szenario ist das Konservieren des status quo seitens aller Marktbeteiligten: Kinobesucher sind möglicherweise nicht bereit, noch höhere Eintrittspreise für eine allenfalls qualitativ gleichwertige Digitalprojektion zu bezahlen oder noch längere Werbeblöcke zu akzeptieren, die Filmtheaterbetreiber könnten die hohen Investitionskosten ablehnen und gegen einen weiteren Kontrollverlust durch Investitionen oder Beteiligungen Dritter durch Boykottmaßnahmen ankämpfen, der Filmvertrieb könnte aus Piraterie-Paranoia von digitaler Filmdistribution Abstand nehmen und die Filmstudios könnten das bisherige, tadellos funktionierende und bewährte Vertriebs- und Verwertungssystem beibehalten.

Unsere Prognose ist eindeutig: In den kommenden Jahren wird sich digitale Projektionstechnik in Filmtheatern nicht großflächig durchsetzen, vorausgesetzt zumindest, dass die Hollywood-Majors diese nicht in einer konzertierten Aktion in den Kinomarkt drücken.

Eine vergleichsweise rasche Penetration ist in bestimmten Nischenbereichen (große Kinoketten, öffentlich geförderte Arthouse-Kinos, Investitionen der Werbewirtschaft, Kinos der »Dritten Welt«) zu erwarten, eingesetzt werden dürfte in diesen Bereichen jedoch keine 4k-Projektionstechnik nach DCI-Spezifikation – also D-Cinema –, sondern eher preiswerte und verfügbare 1k- und 2k-Projektionstechnik – also E-Cinema.

Der Rest der Welt wird sukzessive auf Digitaltechnik migrieren, diese wird parallel zu analoger Projektionstechnik und über einen längeren Zeitraum von weit über fünf Jahren installiert werden; Filmtheater werden voraussichtlich innerhalb dieser näheren Zukunft zunächst Werbung digital projizieren und ihren Workflow dann schrittweise weiterer Digitaltechnik öffnen – vorausgesetzt, die Erfahrungen mit digitaler Vertriebs- und Projektionstechnik sind überwiegend positiv.

Vorhandene Entwicklungspotenziale der Analogtechnik werden dabei aus irrationalem Digital-Hype unausgeschöpft bleiben.

Langfristige Zukunftsperspektiven

Weiterführende Informationen

Siehe auch

Anmerkungen

Forum: Geschichte des Films Allgemein (Anmerkungen in diesem Forum: 1)

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