Die digitale Distribution von Spielfilmen konnte sich bisher
im Kinobereich nicht durchsetzen. Es existieren nur sehr wenige Kinos,
die mit digitalen Distributionssystemen ausgestattet sind; i.d.R.
handelt es sich um Pilotinstallationen oder Hybridsysteme, deren
digitale Komponenten vor allem von der Werbewirtschaft für
digitale Werbung genutzt
werden.
Zahlreiche Hemmnisse stehen bisher einer Verbreitung entgegen:
- Filmtheater müssten hohe Investitionen in möglicherweise noch
nicht marktreife Produkte tätigen (Größenordnung: weltweit 30 Mrd.
Euro; Christmann/Richter 2004: 291), die sich betriebswrtschaftlich
nur über einen längeren Zeitraum amortisieren würden (Größenordnung:
järhliche Einsparungen von 5 bis 6 Mrd. Euro; op. cit).
- Notwendige Technologien sind noch nicht ausgereift oder noch
sehr kostspielig und erst in geringem Grade standardisiert.
Vorteile bietet die digitale Distribution allenfalls für die
Werbewirtschaft und die großen Filmverleihe, nicht jedoch für die
Filmtheaterbetreiber oder deren Besucher. Die digitale Distribution des
Endprodukts Film kann dagegen im Heimkinobereich etwa seit der
Jahrtausendwende mit der Durchsetzung des Datenträgers DVD als etabliert
gelten; alternative Vertriebswege, beispielsweise über das Internet
(Streaming Video) oder das Fernsehen (Video-on-demand), sind bisher
kommerziell noch kaum erschlossen, und auch die Akzeptanz der Kunden ist
noch eher gering. Partiell durchgesetzt ist die digitale Distribution im
Bereich des Fernsehens in Deutschland (DVB), Satelliten und Kabelnetze
arbeiten derzeit jedoch noch weiterhin überwiegend analog.
Jenseits der legalen Vertriebswege kann die digitale Distribution von
digitalisierten Filmen bis zu HDTV-Qualität ü-ber so genannte
Tauschbörsen und vergleichbare Vertriebskanäle ebenfalls als temporär
etabliert angesehen werden.
Im Bereich des Filmtons ist die Digitalisierung vollständig
etabliert, der Ton befindet sich dabei auf dem analogen Filmstreifen
(analoge Lichttonspur bei Dolby-SR, digital bei Dolby Digital und SDDS)
oder wird separat auf einem Offline-Datenträger ausgeliefert (CD- bzw.
DVD-ROM bei dts).
Durch eine flächendeckende Ausstrahlung der Information entfällt der
Kopierprozess und die Anbindung der Kinos durch Standleitungen. Falls
notwendig würde als Rückkanal für Ausstrahlungsinformationen, Anzahl der
Ausstrahlungen lediglich eine Telefonleitung anfallen. Es besteht das
Risiko, dass die Datenübertragung von nicht berechtigten Dritten abgehört
und entschlüsselt wird.