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Lizenzierung

Lizenzierung : Übersicht
13-Dec-2002/09-Jan-07


Übersicht

Als Lizenzierung bezeichnet man die Vermarktung von Verwertungsrechten im Rahmen der Verwertungskette der Filmwirtschaft. Dabei ist zwischen zwei distinkten Komponenten zu unterscheiden:

  • Lizenzvermarktung für die Ausstrahlung im Fernsehen sowie
  • Lizenzierung zur kommerziellen Nutzung populärer Themen oder Figuren für die Vermarktung von Konsumgütern.

Lizenzvermarktung für die Ausstrahlung im Fernsehen

Der Fernsehmarkt gilt weltweit neben der Computer-Software und der Mikroelektronik als einer der am stärksten expandierenden Märkte. Alleine in den USA kann der Konsument derzeit pro Woche aus über 400 verschiedene Spielfilmen auswählen.

In Europa hat sich im Rahmen der Deregulierung des Rundfunks die Anzahl der Sender in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt verfünffacht. Inzwischen existieren europaweit etwa 300 verschiedene Fernsehsender, davon über 30 in Deutschland. Prognosen von Prognos und CIT gehen davon aus, dass die Zahl der Sender in den nächsten Jahren weiter anwachsen wird.

Derzeit (2003) erbrachten alleine die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender eine jährliche Programmleistung von rund 9.395 (ARD) bzw. 8.771 (ZDF) Stunden; hinzu kommen die acht Dritten Programme mit jeweils zwischen 7.000 und 12.000 Stunden. Der Anteil von Spielfilmen liegt zwischen etwa 10 (ZDF) und 17 (ARD) Prozent, hinzu kommen Reihen und Serien sowie Fernsehspiele mit jeweils bis zu weiteren zehn Prozenz Programmanteil (Quellen: ARD- und ZDF-Jahrbücher; Media Perspektiven Basisdaten 2004).

Durch die Digitalisierung und die angenommene wachsenden Bedeutung von Pay-TV-Anbietern wie Premiere soll der Programmbedarf dieser Fernsehsender in wenigen Jahren auf insgesamt über 640.000 Stunden jährlich steigen (nach [1]; der Bezugsrahmen ist vermutlich Europa). Das würde für 80 Spielfilm-Vollprogramme ausreichen, oder für hunderte von Mischprogramm-Annbietern mit etwa 25 Prozent Spielfilmanteil.

Trotz der hohen Nachfrage nach Kinospielfilmen seitens der Fernsehsender ist das Angebot an hochwertigen, international vermarktbaren Programmen begrenzt. Die jährliche Neuproduktion von Spielfilmen in den wichtigsten Produktionsländern – USA, England, Kanada und Australien – liegt derzeit bei etwa 800 bis 850 Filmen. Das weltweite Produktionsaufkommen bei Filmen, die für die Hauptsendezeit geeignet sind, liegt bei insgesamt etwa 1.000 [1]. Ein beträchtlicher Anteil der Neuproduktionen ist dabei aufgrund ihrer zu stark gewaltorientierten oder erotisch geprägten Thematik für die Hauptsendezeit nicht geeignet.

Spielfilme mit einem Produktionsbudget von max. 15 Millionen US-Dollar können einen Großteil ihrer Produktionskosten bereits über die weltweite TV-Vermarktung einspielen. Sollte einem Spielfilm in dieser Budgetklasse ein Kinoerfolg gelingen, übersteigen die Lizenzerträge seine Produktionskosten oftmals um ein Vielfaches.

Alleine die deutschen Sender benötigen durchschnittlich pro Jahr ca. 1.500 neue Filme (also rund 135.000 Programminuten bei einer angenommenen durchschnittlichen Spielfilmlänge von 90 Minuten). Für praktisch alle Sender ist der Erwerb von Filmlizenzen prinzipiell kostengünstiger als ein Programmaufbau mit Eigenproduktionen; hier hilft in vielen Fällen – zumindest in Deutschland – das Filmförderungsgesetz (FFG), das nach § 15 ff. FFG die Filmproduktion fördern soll.

Im Kino erfolgreiche Filme können heute in Einzelfällen Fernseherlöse für die deutsche Erstlizenz i.H.v. einer Million Euro und mehr erzielen. Dabei steigen die Einnahmen im TV-Lizenzhandel nicht proportional mit den Herstellungskosten eines Filmes, sondern mit dem Erfolg an der Kinokasse [1].

Lizenzierung zur kommerziellen Nutzung

Bei der Lizenzierung zur kommerziellen Nutzung von Produkten wie Textilien, Spielzeug oder Büchern geht man davon aus, dass man durch die Popularität eines Trend-Themas einen positiven Imagetransfer anregt, der den Umsatz des bisherigen »No-Name«-Produktes fördern kann; man spricht hier auch von Merchandising.

Gegenüber der eigentlichen Verkaufsförderung grenzt sich das Merchandising dadurch ab, dass hier eine eigene Wertschöpfung erzielt wird, während die Verkaufsförderung sich mit der Unterstützung des Abverkauf von Produkten und Leistungen befasst [3].

Dieses Geschäft wird maßgeblich von Lizenzagenturen und Lizenzgebern bestimmt. Dabei sind die Agenturen selbst Rechteinhaber oder vermarkten für die Lizenzgeber (Rechteerzeuger) wie Film- und Medienkonzerne die Urheberrechte an bestimmten Themen. Die Lizenznehmer, zumeist Hersteller aus der Industrie, kaufen die Rechte für ausgewählte Produktbereiche für einen begrenzten Zeitraum.

Mit der zunehmenden Bedeutung des Lizenzmarktes weitet sich auch das Aufgabenfeld der Agenturen aus. Heute genügt allein das Vermitteln der Lizenz nicht mehr. Vielmehr übernehmen die meisten Agenturen Beratungsfunktionen, unterstützen den Auftraggeber bei der Produktgestaltung und den Vertrieb bei Absatzförderung, Verkaufsförderung und Werbung [2].

Die finanzielle Bedeutung des Merchandising soll in vielen Fällen bereits die der Einspielergebnisse übersteigen; angenommen wird dies beispielsweise für den Fall der Star-Wars-Filmserie (USA 1977-2005), deren Schöpfer George Lucas zugleich als Begründer des modernen Merchandising gilt. Solides quantitatives Datenmaterial zum Verhältnis von Einspielergebnissen und Merchandising-Erlösen ist hierzu jedoch schwer aufzufinden.

Literatur

AG der ARD-Werbegesellschaften: Media Perspektiven Basisdaten 2004. Daten zur Mediensituation in Deutschland 2004. Frankfurt am Main 2004.

Anmerkungen

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