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High Definition Television (HDTV)
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Erstellt/bearbeitet: 25-Aug-2005/09-Jan-07
Systemzeit: Mittwoch, 09.07.2008, 10:46:24.
Home : Film : Technik : Bild : Formate : TV : HDTV
Übersicht
High Definition Television (HDTV, engl. für
hochauflösendes Fernsehen) ist ein Sammelbegriff, der eine Reihe von
Fernsehnormen bezeichnet, die sich gegenüber dem herkömmlichem Fernsehen
(Standard Definition Television, SDTV) durch eine erhöhte
vertikale, horizontale und/oder temporale Auflösung auszeichnen. Unter
Umständen wird auch eine Verbreiterung des Bildseitenverhältnisses, z.
B. von 4:3 auf 16:9 mit HDTV verbunden.
„HDTV“ sollte nicht mit 16:9 oder digitalem (DTV) bzw. digitalem
terrestrischen Fernsehen (DTTV) verwechselt werden, wie es durch die
gemeinsame Einführung in manchen Ländern geschieht. Mit EDTV (Enhanced
Definition oder Digital Television) werden manchmal Geräte
beworben, die SDTV-Signale digital aufbereiten und auch HDTV-Signale
verarbeiten und in ihrer geringeren Auflösung anzeigen können.
Zu verschiedenen Zeiten verstand man aufgrund des aktuellen Stands der
Technik andere Auflösungen als hochauflösend. Aktuell sind
Vertikalauflösungen von 720 (Vollbilder) und 1080 Zeilen (Halbbilder
oder Vollbilder halber Frequenz) gebräuchlich. Die bisherigen
Fernsehstandards PAL und SECAM bieten zum Vergleich 576 Zeilen (50 Hz),
NTSC 480 (60 Hz), bei den gleichen Bildverfahren wie die 1080er
HD-Variante.
Analog
Schwarz-Weiß (1930er–1950er)
Im November 1936 wurde erstmals das schwarz-weiße 405-Zeilen-System von
Marconi/EMI als hochauflösend bezeichnet, um es von den anderen damaligen
Versuchen mit 240 Zeilen von John Logie Baird (ebenfalls Großbritannien) und
180 Zeilen (Deutschland) abzugrenzen. Die Ausstrahlung erfolgte vom
Südost-Turm des Alexandra Palace (Wood Green, London). Eine Tafel erinnert
dort an dieses Ereignis.
Schon bei der Festlegung der normalauflösenden Fernsehnormen der Welt
Ende der 1940er Jahre musste man sich bei der Festlegung der Zeilenanzahl
und Videobreite gegenüber dem Wünschenswerten deutlich einschränken.
Praktisch standen zur Übertragung von Fernsehen 80 bis 90 MHz
Hochfrequenzbandbreite (HF) zur Verfügung. Beherrschbare und bezahlbare
Hochfrequenztechnik endete bei 200 bis 300 MHz. Es dauerte rund 25 Jahre,
bis Aufnahme- und Wiedergabetechnik die Formate mit 405 (Großbritannien) bis
819 Zeilen (Frankreich) ansatzweise ausreizten. Die Bildwiederholrate war
zur Vermeidung von Flimmern bei Kunstlicht an die Netzfrequenz angepasst und
betrug dementsprechend 50 Hz (Europa, Afrika, Asien, Australien) oder 60 Hz
(Amerika, Japan, Korea, Taiwan, Philippinen, Pazifik).
Farbe (1970er–1980er)
Unabhängig von dem Problem der verschiedenen Normen (NTSC, PAL, SECAM)
fanden die ersten Versuche zu HDTV Ende der 70er bis Anfang der 80er Jahre
statt. Treibende Kräfte waren das IEEE und die SMPTE. Aus ihren
Untersuchungen im Zeitraum 1978 bis 1982 ergaben sich folgende Ziele für ein
hochauflösendes Fernsehen: Die Zeilenzahl sollte auf 1125 bis 1500 (Farbe)
bzw. 2125 (Schwarz-Weiß) erhöht werden, um die Zeilenstruktur nicht mehr
wahrnehmbar zu machen und ein schärferes Bild mit mehr Details zeigen zu
können. Das Bildseitenverhältnis sollte von 4:3 auf 5:3 bis 6:3 gestreckt
werden, um sich dem menschlichen Gesichtsfeld und der Kinoprojektion
anzunähern. Zur Reduzierung des Flimmerns größerer heller Flächen und
horizontaler Linien sollte die Halbbildfrequenz mindestens auf 60 Hz erhöht
werden und, sobald technisch möglich, durch mehrfaches Auslesen und Anzeigen
digitaler Bildspeicher weiter verbessert werden. Durch Erhöhung der
Videobandbreite für das Helligkeitssignal auf 20 bis 50 MHz sollten
Cross-Color-Störungen (Übersprechen von Helligkeitsinformation in die
Farbübertragung) ausgeschaltet werden. Die getrennte Übertragung von Farbart
und Helligkeitssignal mit Bandbreiten zwischen 5,5 und 12,5 MHz würde
Cross-Luminance-Störungen (Übersprechen von Farbinformation in die
Helligkeitsübertragung) verhindern. Wie schon die Stereo-Audiosignale sollte
zukünftig auch Video per Frequenz- statt Amplitudenmodulation übertragen
werden, was Rauschen und Geisterbilder sowie andere auftretende Störungen
verringern sollte. Da dies ohne die erst später verfügbar gewordene
Video-Irrelevanzkodierung jedoch utopisch hohe notwendige HF-Bandbreite
bedeuten würde, kämen als Übertragungsverfahren nur Satellit und Glasfaser
in Betracht, wobei 60 Standard- und 30 HDTV-Sender angestrebt wurden. Wegen
der hohen Kosten, die HDTV damals mit sich gebracht hätte, und der
ungewissen technischen Entwicklung im Digitalbereich wurde die Einführung
auf unbestimmte Zeit verschoben.
Teildigital (1980er–1990er)
MAC
Ende der 80er Jahre kam HDTV in Europa wieder in die Diskussion. Bei
diesem Vorstoß konzentrierte man sich im Gegensatz zu den
Machbarkeitsstudien zehn Jahre zuvor mehr auf einen gangbaren Upgrade-Pfad
und entwickelte das MAC-Verfahren (Multiplexed Analog Components). HD-MAC
sollte die zweite Stufe einer Verbesserung sein, deren erste Stufe das für
Satellitenübertragung entwickelte D- bzw. D2-MAC war, das sich allerdings
aus verschiedenen Gründen bei Endanwendern (mit Ausnahme skandinavischen
Bezahlfernsehens) nicht durchsetzen konnte.
HD-MAC ist ein sehr komplexes analog/digitales Hybridsignal, erzeugt mit
einem modifizierten D2-MAC-Encoder. Es überträgt 1250 Zeilen/s und 50
Halbbilder/s im 16:9-Format und konnte mit einem 625-Zeilen-D2-MAC-Empfänger
in Normalauflösung dekodiert werden, wobei im Gegensatz zu früheren
Analogverfahren alle Zeilen für das Bild genutzt werden konnten. Die
olympischen Spiele 1992 in Barcelona wurden teilweise in dieser Norm
übertragen und europaweit mit ca. hundert HD-MAC-Empfangsgeräten (zum Teil
große Rückprojektionsgeräte) an ausgewählten Standorten vorgeführt. Die
Produktion von hochwertigen Filmen in HDTV-Qualität und 16:9 wurde noch
jahrelang durch die EU finanziell gefördert; deren vierfache Auflösung macht
sich bei hochqualitativer PAL-Aussendung auch auf guten PAL-Empfängern noch
bemerkbar.
MUSE
In Japan fanden Voruntersuchungen zu HDTV seit 1964 statt. Seit 1989
werden Programme im MUSE-Format über Satellit ausgestrahlt. Die Ausstrahlung
ist inkompatibel zum normalen Fernsehen, die Sendungen müssen daher zweimal
ausgestrahlt werden, einmal im SDTV-Format mit 480 Zeilen, einmal als HDTV
mit 960 Zeilen.
MUSE überträgt Bilder analog, es ist allerdings eine digitale
Nachbearbeitung notwendig. Bilder werden vertikal wie horizontal 2:1
unterabgetastet, das Abtastraster wird aber von Bild zu Bild verändert.
Stationäre Bildelemente können daher wieder mit voller Auflösung
rekonstruiert werden (1600 × 960), bewegte Elemente nur mit halber Auflösung
(800 × 480).
PALplus
Ein letzter Anlauf einer Analogtechnik zur Qualitätsverbesserung war in
Europa Mitte der 1990er PALplus. Das Prinzip ist einfach und verbessert die
vertikale Auflösung von Spielfilmen mit Seitenverhältnissen von 16:9 und
größer. Die Qualitätsunterschiede sind deutlich sichtbar – etwa vergleichbar
anamorpher zu nicht anamorphen DVDs. Die Farbauflösung wird bei PALplus im
Vergleich zu Standard-PAL durch den Einsatz von Hilfspulsen verdoppelt.
PAL-Effekte treten nicht mehr auf. PAL+ hat sich nicht durchgesetzt, da es
zu wenige Sender (in Deutschland nur einige öffentlich-rechtliche, Pro7 und
FAB) ausstrahlten und die ersten PALplus-Geräte viel zu teuer waren.
Volldigital (seit 1990er)
Heutige Verfahren basieren auf reiner Digitaltechnik zwischen dem
Sendestudio und dem Wohnzimmer. Im Extremfall, d. h. bei vollständig im
Computer entstandenen (CGI) und durchgehend digital übermittelten Filmen,
wird das Signal im Wohnzimmer des Zuschauers zum ersten Mal in ein analoges
gewandelt. Bei digitalen Schnittstellen (DVI, FireWire) und digitalen
Anzeigegeräten (LCD, Plasmabildschirm, Videoprojektor) verbleiben die
Lichtstrahlen ins Auge die einzige analoge Komponente.
Ende der 80er Jahre sind die ersten größeren Anstrengungen für eine
vollständig digitale Übertragung unternommen worden. Aufbauend auf den
Erfahrungen der Joint Photographic Experts Group (JPEG:
Standbildkompression) wurde die Moving Picture Experts Group (MPEG:
Bewegtbild + Audio) gegründet. Ziel war die Schaffung von weltweiten
Standards, die bei niedrigen Datenraten und bezahlbarer Elektronik eine gute
Bildqualität erlauben. Die in den frühen 80ern angedachten Verfahren (ADPCM)
sind dafür vollständig ungeeignet, da sie kaum Redundanzen des Bildes
ausnutzen. Folgende Datenraten in Bit pro Pixel sind heutzutage üblich:
| Verfahren |
Anwendung |
Auflösung |
| RGB 24: |
|
24 bit/px |
| YUV 4-2-0: |
|
12 bit/px |
| ADPCM: |
|
5-6 bit/px |
| MJPEG: |
|
2,4-3 bit/px |
| DV |
2,4 bit/px |
| MPEG-1: |
|
0,4-0,8 bit/px |
| VCD |
0,47 bit/px |
| MPEG-2: |
|
0,3-0,6 bit/px |
| DVD |
0,4-0,8 bit/px |
| MPEG-4 |
(H.263/ASP) |
0,2-0,4 bit/px |
| (H.264/AVC) |
0,1-0,15 bit/px |
Der angegebene Bereich ist etwa das, was für befriedigende bis gute
Wiedergabe notwendig ist. Moderne Lösungen sind mindestens eine
Größenordnung besser als ADPCM. Aufgrund dieser hohen Effizienz können in
einem für einen analogen Kanal benötigten Frequenzbereich per Satellit oder
Kabel sechs und per terrestrischer Antenne drei bis vier digitale Programme
gleichbleibender Qualität übertragen werden – oder ein bis zwei HD-Kanäle.
Technische Parameter
Auflösung
Die beiden üblichen HDTV-Bildgrößen sind 1920 × 1080 und 1280 × 720
Pixel, bei quadratischen Pixeln also ein Seitenverhältnis von 16:9. Da
die verwendete MPEG-Komprimierung das Bild in Blöcke von 16 × 16 Pixeln
aufteilt, werden tatsächlich sogar 1088 Zeilen übertragen.
Auf PAL (und NTSC) basierende Digitalvideos arbeiten praktisch immer
mit breitkant-rechteckigen Bildpunkten (z.B. 720, 702 oder 544 statt 768
Punkte pro Zeile), aber auch HDTV-Bilder müssen in der Praxis häufig
entzerrt werden: die Übertragung eines 16:9-Bildes wird häufig in ein
4:3-Verhältnis gestaucht, so dass bei 1080 Zeilen nur 1440 statt 1920
Punkte und bei 720 Zeilen nur 960 statt 1280 Punkte zur Verfügung
stehen. Das menschliche Auge löst horizontal schlechter auf als
vertikal.
Zur optimalen Ausnutzung von HDTV muss das Anzeigegerät eine
physikalische Auflösung von 1920 × 1080 Pixeln beherrschen – gute
Plasmabildschirme stellen heute 1366 × 768 Pixel (16:9) dar, HD-fähige
LCD-Bildschirme mit 1920 × 1080 Pixel sind erst seit Anfang 2005 im
Handel. CRT-Geräte, mit 1920 × 1080 Pixel sind in Ländern mit
HDTV-Regelbetrieb schon lange erhältlich.
Da alle derzeitig verfügbaren Panels intern die Darstellung mit 60
Bildern/Sekunde auffrischen, ist ggf. für eine saubere Bewegtdarstellung
ohne Doppelkonturen und Ruckeln eine Umrechnung des Bildes auf 60
Vollbilder pro Sekunde notwendig, d. h. für praktisch alle Quellen außer
720p60. Diese Umrechnung erfolgt durch das Generieren von
Zwischenbildern, die durch Erkennen von Bewegungen im Bild berechnet
werden (Deinterlacing bzw. Pull-up für 50-Hz-Signale).
Jede Auflösung, auch 1920 × 1080, kann sowohl mit als auch ohne
Zeilensprung übertragen werden. Die Übertragungsart ist durch die Quelle
festgelegt, d. h. auf Filmmaterial gedrehte Spielfilme (24 Hz) werden
immer als p24 (NTSC-Länder) oder p25 (PAL-/SECAM-Länder) gesendet. Ein
Deinterlacen wäre damit nicht notwendig (siehe progressive with
segmented frames, psF), allerdings ist bei den üblichen
Anzeigetechnologien eine Umrechnung von p24 oder p25 auf eine (bzw. die
eine) Frequenz des Anzeigegerätes notwendig, häufig 60 Hertz.
Frequenz
Die traditionelle Frequenz von 50 bzw. 25 Hz wird für eine
Darstellung des deutlich größeren dargestellten Bildes (1920 × 1080 /
(768 × 576) = 4,6875 bzw. 1280 × 720 /(768 × 576) = 2,08¯3) von einigen
für zu wenig gehalten, weswegen auch in Europa die Nutzung von 60 bzw.
30 Hz und die Übertragung von Kinofilmen mit p24 erwogen wird.
Die PAL- und SECAM-kompatiblen 50 Hertz haben gegenüber den
NTSC-kompatiblen 60 Hertz den offensichtlichen Nachteil eines eher
bemerkbaren Flimmerns, aber den Vorteil einer geringeren Datenrate bzw.
geringerer Komprimierung bei gleicher Datenrate. Kinofilme in p24 müssen
bei ersterem vier Prozent schneller abgespielt werden, bei letzterem
können hingegen trotz korrektem Tempo wegen des nötigen
Telecine-Verfahrens (3:2-Pull-up) ruckelige Bewegungen auftreten.
Datenrate
Für 1080i50 in MPEG-2 werden 27 Mbit/s empfohlen (0,52 bit/Pixel, ->
ca. 5,4 Mbit/s bei 576i50), bei geringeren Qualitätsanforderungen 22
Mbit/s (0,42 bit/Pixel, -> 4,4 Mbit/s). HD1 sendet allerdings nur mit 18
Mbit/s, also 0,35 bit/Pixel was etwa 3,6 Mbit/s für SDTV oder 3,75
Mbit/s bei 1,85:1- bzw. 3 Mbit/s bei 2,35:1-DVD-Filmen entspricht, wobei
DVDs den Vorteil einer dynamisch anpassbaren Bitrate haben.
Einführung
In den 1990ern wurde in den USA ein entscheidender Schritt für die
Einführung von HDTV vollzogen: Per Gesetz wurden alle landesweiten
Sender (ABC, CBS, NBC, Fox) verpflichtet, ab 2006 digital zu senden, so
dass die analoge Ausstrahlung beendet werden kann. Seit dem Jahr 2000
setzen die Sender in den USA vermehrt auf HDTV in der Primetime. Der
Absatz von HD-fähigen Fernsehern, LCD- und Plasma-Bildschirmen, sowie
der dazugehörigen HD-Receivern ist groß und die Nachfrage wächst immer
weiter. Trotzdem wurde die festgelegte Abstellung des analogen
Fernsehens im Jahr 2004 auf 2007 verschoben, da man den Aufwand
unterschätzt hatte. Die verwendete Norm ist ATSC, meist in 1080i60 bzw.
bei Kinofilmen 1080p24, seltener auch 720p60. Der Mehrkanalton liegt im
Dolby-AC3-Format vor.
Japan und Südkorea, die traditionell ebenfalls ein NTSC-Format mit 60
Hz nutzen, sind mit der Einführung von HDTV ebenfalls schon weit
fortgeschritten.
Australien war das erste Land mit HDTV-Regelbetrieb in 50 Hz und mit
MPEG-2 per DVB.
In Europa folgten nach dem Start des neuen, paneuropäischen Senders
Euro1080 (inzwischen „HD1“) ab 2004 einige öffentliche
Testausstrahlungen, in Deutschland insbesondere der ProSiebenSat.1 Media
AG. Neben einigen Live-Großereignissen wie dem Eurovision Song Contest
2003 oder dem Finale des UEFA Cup 2004/05 werden vor allem
Dokumentationen, etwa der BBC, schon länger in hoher Auflösung oder auf
nachträglich abtastbaren Film produziert, um sie international besser
und auch zukünftig noch verkaufen zu können.
In den größten Fernsehmärkten Deutschland, Großbritannien und
Frankreich planen die jeweiligen großen Bezahlfernsehanbieter unabhängig
voneinander den HDTV-Start rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2005 und
bauen auf den entscheidenden Schub durch die beiden Sportgroßereignisse
2006, die Olympischen Winterspiele in Turin und besonders die Fußball-WM
in Deutschland. Frei empfangbare private und öffentlich-rechtliche
Sender halten sich bisher in allen europäischen Ländern mit der
Einführung zurück.
Technik
Der im Vergleich zu Nordamerika und Südostasien verspätete Start in
Europa ermöglicht es den Anbietern, mit moderneren, kostensparenden
Verfahren zu starten (MPEG-4-AVC und DVB-S2). Außerdem steht parallel
die breite Markteinführung vorbespielter HD-Medien (HD-DVD, BD) an.
Formate und Kopierschutz
Bisher hat sich keiner der Sender zu einem bestimmten Format bekannt,
weder in Bezug auf die Auflösung (1080 oder 720 Zeilen) und das
Verfahren (interlaced, progressive oder segmented frames) noch auf die
Frequenz (50 oder 60 Hz). Dem trägt auch das EICTA-Siegel HD ready
Rechnung, indem es von Anzeigegeräten die Unterstützung aller möglichen
zu erwartenden Formate verlangt. Darüberhinaus schreibt dieses Emblem,
welches keine externe Zertifizierung voraussetzt und deswegen häufig
irreführend benutzt wird, sowohl eine analoge als auch eine HDCP-fähige
digitale Schnittstelle vor, die bei entsprechend gesetztem Broadcast
Flag das Signal nur verschlüsselt, also kopiergeschützt, überträgt, was
viele vorhandene, prinzipiell HD-fähige Geräte, z. B. LCD-Fernseher,
sowie Audioanlagen allerdings nicht unterstützen. Kritiker fürchten
außerdem, dass die Rechteinhaber die Sender dazu zwingen werden, die
DRM-Parameter so zu setzen, dass an ungeschützten Ausgängen, also
normalen DVI und allen analogen (z. B. YUV), kein oder ein qualitativ
minderes Signal ausgegeben wird.
Anzeigegeräte
Bildschirme mit integriertem DVB-Empfangsteil sind selten, für HD, ob
in MPEG-2 oder -4, noch gar nicht verfügbar. Auch dedizierte
HDTV-Empfänger sind häufig technisch noch nicht ausgereift; einigen
fehlt die Elektronische Programmzeitschrift (EPG) oder die für
Bezahlfernsehen nötigen Kartenschächte (Common Interface).
Dass aktuelle „HD-fähige“ Geräte mit meist 720 Zeilen Auflösung nur
144 Zeilen oder 25% mehr als herkömmliche PAL-Geräte besitzen, kann als
verwirrend wenig erscheinen. Zu beachten ist erstens das breitere
Seitenverhältnis, allerdings konnten per anamorpher DVD und PAL+ bereits
16:9-Bilder mit voller vertikaler PAL-Auflösung von 576 Zeilen geschaut
werden. Zweitens zeigt PAL nur 25 Voll- oder 50 Halbbilder pro Sekunde
an, 720p50 hingegen 50 Vollbilder, wobei durch digitale Puffer und
Filter in sog. 100-Hertz-Fernsehern bereits Verbesserungen in diese
Richtung erreicht worden waren. Es gibt auch PAL-Geräte, die progressive
Bilder darstellen können.
TFT-Fernseher und fast alle anderen kathodenstrahlröhrenfreien Geräte
profitieren besonders von Bildsignalen, die sie nicht auf ihre native
Auflösung umrechnen müssen, d. h. üblicherweise 720p60. Geräte, die 1080
Zeilen physikalisch ohne Interpolation darstellen können, sind bisher
selten und teuer; dies gilt besonders stark für 50-Hertz-Varianten.
1080i vs. 720p
Je nach Aufnahmeverfahren, Monitorgröße und -technik,
Übertragungsbandbreite, Bildinhalt und -bewegung kann 1080i oder 720p
das bessere Ergebnis liefern. Echte Vollbilddarstellung (i. d. R. 720p)
ist etwa für schnelle Bewegungen (Sportübertragungen, Actionfilme)
besser geeignet, während bei geringen Veränderungen zwischen
aufeinanderfolgenden Bildern die geringere vertikale (1080i) bzw.
temporale (1080psF) Auflösung kaum eine Rolle spielt und die höhere
Horizontalauflösung an Bedeutung gewinnt. Wenn nur ein bestimmtes
Quantum an Bandbreite (angegeben in Mbit/s oder MHz) zur Verfügung
steht, kann sich u. U. die höhere Pixelrate der 1080er Auflösungen (max.
1920 px · 1080 px · 30 Hz = ca. 62,2 Mpx/s ggü. 1280 px · 720 px · 60 Hz
= ca. 55,3 Mpx/s) durch vermehrte Kompressionsartefakte negativ
auswirken.
Menschliche Physiologie
Bei gleichbleibender Projektionsfläche ermöglicht die höhere
Zeilenzahl einen geringeren Betrachtungsabstand von etwa dem zwei- bis
dreifachen der Bildhöhe (SDTV: mindestens vierfach), womit ein eher dem
breitwandigem Kinobild entsprechenden Gesamtbildeindruck entsteht. Das
Auflösungsvermögen des bloßen Auges beträgt unter guten Bedingungen etwa
eine Winkelminute, das entspricht rund 1 mm auf 3,5 Meter. Unter
Berücksichtigung dieser Auflösefähigkeit und des Blickwinkels kann
normales PAL (576i50, 576psF25) bei ungünstigem Verhältnis von
Betrachtungsabstand zu Anzeigefläche als qualitativ gleichwertig mit
HD-Auflösungen empfunden werden, generell ist der Unterschied aber
deutlich sichtbar – wirklich HD-fähige Wiedergabegeräte vorausgesetzt.
Daneben kann eine aufwändige PAL-Produktion eine bessere Bildqualität
aufweisen als ein liebloser HDTV-Beitrag, da die Pixelzahl nur ein
Faktor unter vielen ist.
Spielkonsolen
Die Spielkonsolen der siebten Generation, sowohl Xbox 360 als auch
PlayStation 3 sowie eventuell Nintendo Revolution, werden HD-Ausgabe für
Spiele und Filme unterstützen. Sie nähern sich so wieder den Auflösungen
des PC-Spielebereichs an (dort u. a. üblich: XGA bis UXGA), denn
Computermonitore und -grafikkarten verfügen bereits seit etwa zehn
Jahren über eine höhere Auflösung als SDTV, d. h. spätestens seit SVGA
(siehe auch Bildauflösung).
PCs
Mit einem PC ist der direkte HDTV-Empfang mit Hilfe üblicher
Digital-TV-PCI-Karten und entsprechender Software möglich, allerdings
sind evtl. integrierte MPEG-Dekoder-Chips („full featured“) i. d. R. nur
auf SDTV ausgelegt. Während das Aufzeichnen auch auf etwas schwächeren
Rechnern möglich ist, erfordert das Anschauen einen relativ
leistungsfähigen Computer oder spezielle, bisher kaum erhältliche
Dekoderchips. Das Konvertieren in andere Formate ist ohne teure
Spezialhardware bisher nicht in Echtzeit möglich.
Zukünftig soll der HDCP-Kopierschutz auch auf Empfangs- und Grafikkarten
sowie Computermonitore ausgeweitet werden.
Medien
Profi
Im professionellen Bereich gibt es neben dem Festplattenformat DNxHD
(AVID, Ikegami Editcam HD) die Bandformate DVCPro HD von Panasonic und
HDCAM oder HDCAM SR von Sony mit ½″-Kassetten.
Privatanwender
Bisher gibt es für Privatanwender neben den auslaufenden
D-VHS-Kassetten (alias D-Theater) lediglich proprietäre Kauf-DVD-ROMs
mit Filmen im WMV-HD-Format, die zukünftig von der standardisierten
HD-DVD und/oder BD abgelöst werden sollen.
Für Hobbyfilmer wurde der DV- zum HDV-Standard erweitert; entsprechende
Videokameras sind bereits erhältlich.
Siehe auch
- Digitalkino, z. B. UHDV mit 7680 × 4320 Pixeln
Netmarks
HDTV 1990 bei BTS Darmstadt,
www.otom-hdtv.com/html/darmstadt.htm.
HDTV Television - An Introduction,
www.ee.washington.edu/conselec/CE/kuhn/hdtv/95x5.htm.
Telepolis: Analog, Digital – sch…egal, Hauptsache TV-Gucken wird
illegal!,
www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19622/1.html.
HDTV-Hintergrundwissen,
www.hifi-regler.de/hdtv/hdtv.php.
HDTV-Hintergrundwissen und Lexikon,
www.hdplustv.de/hdtv_rubrik_30562.html.
Open Directory Project: Kategorie HDTV (Television),
dmoz.org/Business/Arts_and_Entertainment/Media_Production/Television/HDTV.
Quelle und Lizenz
Anmerkungen
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