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Filmproduktion

Von Agon S. Buchholz für Kefk Network Film, Dezember 2002 ff.

Produktion : Übersicht
13-Dec-2002/09-Jan-07


Übersicht

Die Filmproduktion ist – neben der Filmauswertung – die zentrale ökonomische Komponente der Filmwirtschaft; wir verstehen in diesem Kontext unter Filmproduktion die Herstellungsschritte, die sich an die Pre-Production (Vorproduktion) anschließen: Dreharbeiten mit Bildakquisition und Spezialeffekten, Schnitt/Montage einschließlich Ton, Tonschnitt und Filmmusik sowie Postproduktion und Visuelle Effekte. An die Produktion schließt sich die Filmauswertung an.

Die Filmproduktion weist im Vergleich zu anderen kreativen und künstlerischen Zweigen der Kultur drei grundsätzliche Unterschiede auf:

  • Die Filmproduktion ist – von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen – immer ein kollektiver Prozess, an dem beinahe zwingend eine größere Anzahl von Personen beteiligt sind. Selbst im Autorenfilm gibt es immer eine mehr oder minder ausgeprägt Arbeitsteilung. Allenfalls in der Oper gibt es eine derartig weit gestreckte Diversifizierung bei der Produktion.
  • Die Filmproduktion verläuft asynchron, das Endprodukt Film wird also nicht notwendigerweise in chronologischer Abfolge der einzelnen Einstellungen (takes) gedreht, und auch die anderen Bearbeitungsschritte können zu großen Teilen vollkommen zeitversetzt erstellt und/oder bearbeitet werden.
  • Die Filmproduktion ist vergleichsweise kostspielig und dementsprechend schwer refinanzierbar: Ein wie auch immer gearteter Investor – das können auch die Filmschaffenden selbst sein – muß signifikante Vorleistungen erbringen, lange bevor ein Produkt fertiggestellt ist und ausgewertet werden, also Rendite bringen kann. Um größere Produktionen überhaupt noch finanzieren zu können, hat die Filmwirtschaft eine ausdifferenzierte Verwertungskette geschaffen.

Die aktuelle Filmproduktion ist durch eine Reihe von Merkmalen geprägt:

  • Die Filmproduktion wurde in den vergangenen Jahren immer teurer; zunächst explodierten die Marketingkosten, dass in den 1980er und 1990er Jahren die Gagen der Star-Schauspieler und schließlich wuchsen die Aufwendungen für Spezialeffekte immer weiter. Die meisten international ausgerichteten Projekte haben heute Produktionsbudgets zwischen rund einer Million US-$ und etwa 180 Millionen US-$ (Jurassic Park: ca. 50 Mio. US-$; Titanic: über 200 Mio. US-$). Ende 2004 wurde erstmals eine TV-Serie – Lost (USA 2004 ff.) – produziert, deren Pilotfilm bereits über 100 Millionen US-$ gekostetet haben soll.
  • Die Filmproduktion verläuft zunehmend parallel; ein Beispiel hierfür ist die Aufteilung der Dreharbeiten in mehrere Sets. Die The Lord of the Rings-Trilogie (USA/ Neuseeland/ Deutschland 2001-2003) wurde beispielsweise mit bis zu sieben parallelen Sets in Neuseeland gedreht (Serkis 2003: 20).
  • Die Filmproduktion verläuft nicht nur asynchron und parallel, sondern zunehmend auch nichtlinear. Die konventionelle Abfolge der Produktion – Dreharbeiten, Postproduktion, Schnitt etc. – ist faktisch aufgelöst. CGI werden bereits während der Vorproduktion und zur Prävisualisierung eingesetzt und visuelle Effekte werden parallel zu den Dreharbeiten angefertigt. George Lucas arbeitete beispielsweise bei der Produktion der zweiten Star-Wars-Trilogie (USA 1999-2005) mit Hilfe von digitaler Bildqkquisition und Satellitenübertragungstechnik auf unterschiedlichen Kontinenten parallel an unterschiedlichen Etappen des konventionellen Produktionsverlaufs.

Wenig hellseherische Begabung muß man für die Prognose mitbringen, wodurch die Zukunft des Films entscheidend geprägt sein wird:

  • Digitale Techniken werden sich zunehmend in allen Bereichen der Filmproduktion durchsetzen und weit reichende Auswirkungen auf die Filmproduktion haben. Die qualitative Kluft zwischen Amateur- und Consumer-Technik auf der einen und professioneller Filmproduktionstechnik wird sich zunehmend verwischen, die beiden Bereiche werden jedoch nicht konvergieren.

Wie immer gilt auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel.

Siehe auch

Literatur

Filmproduktion Bd.1: Der Produzent.

von Diana Iljine und Klaus Keil

Preis bei Amazon.de: EUR 16,95 (Bestellen)
Broschiert - Tr Verlagsunion
Erscheinungsdatum: Oktober 2000
ISBN: 3805834748

Filmproduktion, Filmförderung, Filmfinanzierung.

von Jan Berg und Knut Hickethier (Herausgeber)

Preis bei Amazon.de: EUR 15,90 (Bestellen)
Sondereinband - Edition Sigma
Erscheinungsdatum: Januar 1994
ISBN: 389404912X

Diskussion verschiedener Filmproduzenten rund um das Thema Filmproduktion und Filmförderung in Deutschland, Geschichte der Filmproduktion in Deutschland und in den USA. Als Nachschlagewerk oder Lernbuch für angehende Filmschaffende nur bedingt geeignet.

Filmgeschäftsführung.

von Markus Yagapen

Preis bei Amazon.de: EUR 19,90 (kostenlose Lieferung - Bestellen)
Broschiert - Uvk
Erscheinungsdatum: 2001
ISBN: 3896693956

Filmgeschäftsführer verantworten die auch finanziell korrekte Abwicklung eines Filmprojektes. Dieser Band vermittelt Einsteigern das notwendige Wissen für die Praxis und dient erfahrenen Geschäftsführern als übersichtliches Nachschlagewerk.

Über den Autor: Markus Yagapen (geb. 1964), Produzent und Geschäftsführer der YAGA PICTURES Gbr Köln, ist Experte auf dem Gebiet der Finanz- und Lohn/Gagenbuchhaltung. Neben seiner Tätigkeit als Filmgeschäftsführer doziert er u.a. an der Filmakademie Baden-Württemberg und bei RTL.

Weitere Literaturtipps zur Filmproduktion

Anmerkungen

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