Das Heimkino (Home Cinema) soll die Kinoatmosphäre im
heimischen Wohnzimmmer
nachbilden. Dabei wächst der Anspruch an die Qualität mit der
Entwicklung des Kinos einerseits (Raumtonverfahren) und mit der
Entwicklung der technischen Möglichkeiten der Unterhaltungselektronik
andererseits.
So galt beispielsweise in den 1960er Jahren ein simpler Fernseher als Heim- oder
»Pantoffelkino«; heute verwendete Geräte sind dagegen etwa DVD-Player,
Dolby Digital/DTS-Soundsysteme sowie hochwertige, großformatige
Fernseher oder Videoprojektoren.
In letzter Zeit werden immer mehr Heimkinos mit Heimkino-PCs,
sogenannten HTPCs ausgestattet. Diese vielseitigen Systeme lassen sich
leicht in das bestehende Heimkino integrieren. Diese PCs lassen sich
leicht den geforderten Wünschen anpassen und mit der richtigen
Konfiguration lassen sich Bild- und Tonqualitäten erzielen, die sich mit
denen von hochqualitativem Equipment zu vergleichbarem Preis messen
können. Dieser PC kann entweder mit normalen Betriebssystemen wie
Windows, Linux oder ähnlichen betrieben werden, oder aber mit speziell
entwickelten Software-Paketen wie etwa Windows Media Center Edition,
Media Portal oder VDR.
Die derzeitgen Techniken, Spezifikationen und Endgeräte des
Heimkinobereichs scheinen durchweg auf die Erfordernisse von SDTV bzw. SDV,
also eng begrenzte Auflösungen wie PAL, SECAM oder NTSC ausgerichtet zu
sein; ähnliches scheint auch für die Consumer-Projektionstechnik zu gelten.
Bei näherer Betrachtung ist allerdings festzustellen, dass zunehmend
vergleichsweise preiswerte HDTV- und HDV-Geräte auf den Markt kommen, und
auch die Leistungsfähigkeit der Consumer-Projektionstechnik nimmt stetig zu.
THX-zertifizierte Hardware steht mittlerweile auch im Heimkinobereich zur
Verfügung, und ermöglicht – zumindest bei lärmreistenten Nachbarn –
Soundkulissen, die sich nur wenig von denen eines durchschnittlich
ausgestatteten Kinos unterscheiden; die meisten DVDs werden mit
Dolby-Digital- oder dts-Surround-Sound ausgeliefert, unterscheiden sich also
auch nur noch in Nuancen vom Kinofilmton. Ähnlich dramatisch verbessert sich
nahezu alljährlich die Aufzeichnungsqualität digitaler Consumer- und
Prosumer-Camcorder.
Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die rasante
Leistungssteigerung, die sich aus der Konvergenz von Heimkino- und
Computer-Multimedia ergeben; in einem knappen Jahrzehnt wurden PCs von
Beeper-plärrenden, multimedialen Taugenichtsen zu mächtigen
Universalmaschi-nen. Verpackt in wohnzimmertauglichen und geräuscharmen
Gehäusen ersetzen diese Universalge-räte zunehmend konventionelle
Videorekorder und CD-Player: Aufgenommen wird per TV-Karte auf Festplatte,
statt separaten CD- und DVD-Playern wird ein handelsübliches Kombi-Laufwerk
aus dem Computerladen eingesetzt. Die aktuelle Generation der PC-Hardware
ist zwar nur eingeschränkt HD-tauglich, doch die kommende Generation
HD-fähiger Geräte dürfte bereits in wenigen Monaten zur Standardausstattung
gehören.
Hahn konstatiert daher zutreffend: „Bei den Aufnahmestandards
[treten] hinsichtlich der erzeugbaren Bildqualität starke Konvergenzen
zwischen Kino-Standards auf der einen Seite und Broadcast- bzw. sogar
Consumer-Standards auf der anderen Seite auf, d.h. der absolute
Qualitätsvorsprung des Kinos wird wesentlich geringer“ (Hahn 2005:
92).
Betrachtet man diese Entwicklungen in ihrer Gesamtheit, dann wird
deutlich, dass moderne Heimki-notechnik erstaunlich eng auf Tuchfühlung zum
Kino geht; im Bereich der Tonsysteme gibt es kaum noch signifikante
technische Unterschiede, und die Bildqualität von DVD und HD-DVD bewegt sich
klar auf E-Cinema-Niveau zu, während digitale Projektionstechnik
voraussichtlich eher weitere quali-tative Abstriche gegenüber dem
Kino-Rollfilm bedeutet: 70-mm-Filme gibt es in Deutschland bereits seit
Jahren praktisch nicht mehr, und die 2k-Projektion von D-Cinema nach
DCI-Spezifikation dürfte dann auch noch eine deutliche Verschlechterung
gegenüber 35-mm-Film darstellen.
Allein die Kulturindustrie wird den bevorstehenden großflächigen Siegszug
von HD-Technik im Heimkino noch durch Krankheiten wie „HD ready“, HDMI und
HDCP aufhalten können. Angesichts des technischen Hase-und-Igel-Spiels ist
das vielleicht auch gar nicht ungewollt.
Die Gruppe der Heimkinofans, mit einem hohen Anspruch an das Equipment
und die Medien, ist von großer Bedeutung. Angefangen mit hochwertigem
HiFi-Equipment werden sogar spezielle DVD-Versionen auf dem Markt gebracht,
die das vorhandene Equipment besser ausreizen. Dazu gibt es Neuauflagen von
Filmen und Musik CDs/DVDs mit verbessertem Bild und Ton (z.B. Superbit-DVDs
von Sony, DVD-Audio, Super Audio CD) oder TV-Sendungen in HDTV und Dolby
Digital.