Geschichte des Films
Geschichte : Übersicht
07-Jan-2005/09-Jan-07
Übersicht
Diese Übersicht bietet einen knappen Abriss der Geschichte des Films.
Die Anfänge (ca. 1650 bis 1895)
Technische Voraussetzungen - erste öffentliche Vorführungen
Genau genommen begann die Geschichte des Films schon im 17. Jahrhundert,
als ein Jesuit namens Athanasius Kircher die Laterna Magica erfand.
1832/1833, knapp hundert Jahre später, entwickelten unabhängig
voneinander, aber nahezu gleichzeitig der Österreicher Simon Stampfer
und der Belgier Joseph Plateau das Lebensrad, das beim Betrachter den
Eindruck bewegter Bilder erzeugte.

Abbildung: Vorführung mit einer Laterna Magica.
Der Ingenieur Franz von Uchatius schließlich erfand 1845 eine
Kombination beider Geräte.
Ebenfalls in dieser Zeit wurde von verschiedenen Tüftlern, u.a. Louis
Jacques Mandé Daguerre und William Talbot, die Fotografie entdeckt.
Der Engländer Eadweard Muybridge erfand die Serienfotografie und später
das Zoopraxiskop, mit dem man bereits Fotoplatten in schneller Folge auf
eine Leinwand projizieren konnte. Ähnliche Studien führte der deutsche
Erfinder Ottomar Anschütz mit seinem Schnellseher durch, ebenso der
Franzose Etienne-Jules Marey, der als Erster belichtete Filmstreifen
verwendete.
Thomas Alva Edison entwickelte Aufnahme- und Betrachtungsgeräte für
"lebende Bilder", bei denen Zelluloidfilme an einem Objektiv
vorbeigeführt wurden. Für die Wiedergabe benutzte er ab 1892 das
Kinetoskop, welches jeweils nur von einer Person zur Zeit benutzt werden
konnte.

Abbildung: Anzeige für Edisons Kinetoskop (1913)
Die Brüder Lumière schließlich perfektionierten das Gerät, erfanden eine
Perforation hinzu, wodurch der Film über Greifzähne vor dem Objektiv
entlanggeführt wird. Dies war die Geburt des eigentlichen Kinos, mit
ihrem Kinematographen setzten sie Maßstäbe, die noch heute gültig sind.
Die erste Vorstellung des Filmes L'arroseur arrosé (Der begossene
Begießer) der Brüder Lumière fand am 28. Dezember 1895 in Paris statt,
über einem Monat nachdem die Brüder Skladanowsky am 1. November 1895 die
Welturaufführung von Filmen vor zahlendem Publikum, im Varieté
Wintergarten des Berliner Central - Hotels mit ihrem Bioskop
veranstalteten.
Die Stummfilmzeit (1895 bis 1927)
Das Business entsteht - der Krieg um den Markt
Nach weiteren technischen Entwicklungen, die etwa Spezialeffekte oder
Kamerafahrten ermöglichten, begann das Kino seinen Reiz voll zu
entfalten.
In der Frühzeit des Films genügten ein Mann und eine Kamera, um Filme zu
produzieren. Die allerersten kurzen Stummfilme waren noch weitgehend dem
Klamauk oder rein naturalistischen Darstellungen verhaftet. Sie wurden
zunächst als Teil der Revues in Varieté-Theatern vorgeführt und waren in
erster Linie ein Vergnügen, das der Mittelschicht vorbehalten war. Nach
relativ kurzer Zeit jedoch begannen die einfachen Filmchen das gehobene
Publikum zu langweilen, die Faszination der "bewegten Bilder" an sich
verflog, und die Filmvorführungen wurden in Deutschland größtenteils
wieder aus dem Programm genommen.
In den USA blieb die Attraktion von
Filmen in Varietés noch länger erhalten. Sowohl in Europa, als auch in
Nordamerika waren Filme des weiteren bis zur Einrichtung fester
Vorführungsorte Jahrmarktattraktionen. Die Preise für Aufnahme- und
Vorführgeräte fielen und dies bot vielen Kleinunternehmern die
Möglichkeit, eigene kleine provisorische Lichtspielhäuser, sogenannte
Kintöppe (Deutschland) oder Nickelodeons (USA) zu eröffnen.
Die Filmschaffenden hingegen entdeckten nun nach und nach die
Möglichkeiten des Films. Man begann, das Ergebnis der Filmaufnahmen etwa
durch die Wahl des Bildausschnittes zu beeinflussen, durch Perspektive,
Beleuchtung und viele weitere Kniffe eine Erzählung filmisch und
stilistisch zu interpretieren. Allerdings wurde das Filmemachen dadurch
teuer. Aufwändige technische Ausstattung konnten sich die wenigsten
leisten. So entstanden die ersten Produktionsfirmen, unter deren Fuchtel
der Regisseur letztlich nur noch ein Rädchen im Getriebe war.
Kino wurde zu einem Volksvergnügen für die breiten Massen. In den USA
betrug der Eintrittspreis anfangs noch fünf Cents (einen Nickel, daher
auch der Begriff Nickelodeon) was sich fast jeder leisten konnte. Man
saß gemeinsam im Dunkeln und bekam endlich Einblicke in die Welt der
Reichen und Schönen, von der man bislang ausgeschlossen war. Wenn auch
die meisten die Untertitel nicht lesen konnten, so war immer wenigstens
einer im Saal, der nicht nur des Lesens mächtig, sondern auch gern
bereit war, diese laut dem Rest des Publikums vorzulesen.
Die Filmindustrie in den USA (in Frankreich bis 1914) explodierte
förmlich, denn der Hunger der Kinogänger nach neuen Filmen war schier
unersättlich. Im Jahr 1909 war Film bereits "Big Business", in den USA
expandierte die Branche um 25 Millionen Dollar jährlich. Wegen der
riesigen Nachfrage gründeten die größten Filmverleiher die Motion
Picture Patents Company (MPPC), um ihre Marktanteile zu halten. Sie
gingen davon aus, dass das technische Equipment der Boden ist, auf dem
das Filmgeschäft baut. Zusammen hielten sie 16 Patente auf Aufnahme- und
Vorführgeräte. Gleichzeitig schlossen sie einen Exklusiv-Vertrag mit
Eastman Kodak, damals praktisch dem einzigen Lieferanten von
Filmmaterial. Darüber hinaus machten sie über ein spezielles
Lizenzierungs-System Druck auf die Kinobetreiber, möglichst nur noch
Filme aus ihrer Produktion zu zeigen.
Unabhängige Filmproduktionen wurden von organisierten Banden,
unterstützt von Polizei und Sheriffs, sabotiert; Kinos wurden demoliert,
Schauspieler verprügelt und Geräte beschlagnahmt. Die freien Produzenten
versuchten dennoch, ihre Projekte zu verwirklichen. Die Dreharbeiten
wurden von Bewaffneten geschützt. Teilweise drehten sie mit dem gesamten
Set jeden Tag an einem anderen Ort.
Der größte Teil der amerikanischen Filmindustrie war zu dieser Zeit in
New York ansässig, wo sich die oben beschriebenen Szenen auch
abspielten. In den folgenden Jahren begann die Macht der MPPC zu
bröckeln und auch unabhängige Produzenten konnten erfolgreich arbeiten.
Ab 1910 ließen sich in einem Vorort von Los Angeles (Hollywood)
verschiedene Filmschaffende nieder, unter ihnen William Fox, Samuel
Goldwyn oder Adolph Zukor, und legten den Grundstein für die spätere
Traumfabrik. Grund für die Wahl Kaliforniens war zum einen die große
Entfernung von den brancheninternen Revierkämpfen an der Ostküste, zum
anderen das sonnige Wetter: Aufgrund des relativ licht-unempfindlichen
Filmmaterials und des damaligen Standes in der Lichttechnik, war
Tageslicht die wichtigste Beleuchtungsquelle beim Dreh - die
Studiohallen erinnerten mit ihren Glasdächern an Gewächshäuser.
Die Pioniere des Stummfilms waren u.a. Georges Méliès, Edwin S. Porter,
Charlie Chaplin, David Griffith, Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau,
Sergej Eisenstein und Buster Keaton.
Vor dem 1. Weltkrieg war Frankreich neben den USA besonders bedeutend im
Filmgeschäft, so wurden bis 1914 in Frankreich noch mehr Filme
produziert als in den USA. Der Krieg legte jedoch die europäische
Filmproduktion lahm. In Frankreich erlebte der Film eine Blütezeit mit
impressionistischen Montagen und weiteren künstlerischen Ansätzen. Aus
dieser Zeit ging später die mehr zum Surrealismus tendierende Avantgarde
hervor, mit Künstlern wie Luis Bunuel oder Jean Cocteau.
In Deutschland wurden gegen Ende des 1. Weltkriegs die UFA-Studios
gegründet - ursprünglich als Propagandainstrument geplant, entwickelten
sie sich nach dem Krieg zu einer der weltweit wichtigsten
Produktionsstätten der 20er Jahre.
Sprechende Bilder und das Hollywood-System
...
New Hollywood
New Hollywood ist ein Begriff, der eine Periode der amerikanischen
Filmgeschichte beschreiben soll, die zwischen 1970 und 1990 liegt. New
Hollywood steht für den Versuch unabhängiger Filmproduzenten und
Filmautoren, Filme zu etabieren, die neben dem klassischen Studio-System
Hollywoods bestehen sollten und nicht dem reinen Kommerzprinzip verflichtet
waren, obwohl mit Ihnen natürlich auch Geld verdient werden sollte. Nach den
Filmen Chaplins, John Fords und Alfred Hitcocks einer neuer Anlauf des
amerikanischen Autorenkinos mit Vertretern wie Martin Scorsese, Francis Ford
Coppola und Stephen Spielberg.
Literatur
Geoffrey Nowell-Smith, Geoffrey Nowell- Smith, Geschichte des
internationalen Films, Stuttgart: Metzler 1998,
ISBN 3476015858
Laurence Goldstein & Jay Kaufman: Into Film (1976),
ISBN 0-525-47315-7
Corinna Müller: Vom Stummfilm zum Tonfilm (2003),
ISBN
3770539257
Brownlow, Kevin; Berg, Michael: Pioniere des Films (1997),
ISBN
3-87877-386-2
Heinrich Fraenkel: Unsterblicher Film (1956) (Kindler Verlag)
Brennicke, Ilona; Hembus, Joe: Klassiker des deutschen Stummfilms:
1910-1930 (1983)
ISBN
3-442-10212-X
Klaus Kreimeier: Die UFA-Story (2002)
ISBN 3596155754
Kenneth Anger: Hollywood Babylon.
ISBN
3499606585
Siehe auch
Netmarks
IMDb: The Internet Movie Database,
www.imdb.com.
Dirk Jasper Filmlexikon: Internet Filmlexikon in deutscher Sprache,
www.djfl.de.
film-streifen.de: junges Filmlexikon für Filme ab 1990,
www.film-streifen.de.
Literatur
Allgemeine Einführungen und Übersichten
Hans-Joachim Braun: »Weitere Verdichtung durch
Kommunikationssysteme – Tonfilm« (S. 168 ff.) u. »Faszination und
Schrecken der Maschnine: Technik und Kunst – Moderne Zeiten: bildende Kunst
und Film« (S. 265 ff.), in: Hans-Joachim Braun, Walter Kaiser
(Hrsg.): Propyläen Technikgeschichte: Energiewirtschaft, Automatisierung,
Information seit 1914. Berlin: Propyläen 1991.
Hans H. Hibel, Heinz Hiebler, Karl Kogler, Herwig
Walitsch: Große Medienchronik. München: Fink 1999.
Hans H. Hibel, Heinz Hiebler, Karl Kogler, Herwig
Walitsch: „Optische Medien – Der Film“ (S. 82 ff.), in: id.:
Die Medien. Logik, Leistung, Geschichte (Uni-Taschenbücher; 2029).
München: Fink 1998.
Klaus Kreimeier: »Mediengeschichte des Films«, in: Helmut
Schanze (Hrsg.): Handbuch der Mediengeschichte. Stuttgart:
Kröner 2001.
Wolfgang König: »Kommunikation und Information – Keime der
Dienstleistungsgesellschaft – Bilder für die Massen: Amateurphotographie und
Kino«, in: Wolfgang König, Wolfhard Weber (Hrsg.):
Propyläen Technikgeschichte: Netzwerke, Stahl und Strom. 1840 bis 1914.
Berlin: Propyläen 1990: 527 ff.
Helmut Schanze: »Das Zeitalter der neuen Graphien. Vom
Telegraphen zum Kinematographen (1800-1900)«, in: id. (Hrsg.):
Handbuch der Mediengeschichte. Stuttgart: Kröner 2001.
Quelle und Lizenz
Dieser Artikel stammt aus
Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.
Artikel
|
Drucken |
Bearbeiten |
Diskutieren |
Versionen |
Backlinks.
Stand: 00:26, 8. Jan 2005.
Lizenz:
GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
Anmerkungen
| Blättern: << Anfang | < Zurück | Weiter > | Ende >> |
|