Geschichte und Entwicklung der Digitalisierung von Kino und Film: 1990er Jahre
Von Agon S. Buchholz
für Kefk Network Film, Oktober 2005 ff.
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Erstellt/bearbeitet: 27-Sep-2005/09-Jan-07
Systemzeit: Donnerstag, 16.10.2008, 06:25:37.
Home : Film : D-Cinema : Geschichte : 1990er
Übersicht
Die 1990er Jahre sind durch den Beginn tief greifender
struktureller Veränderungen im Prozess der Filmproduktion gekennzeichnet;
feste Produktionsabläufe, die Jahrzehnte Bestand hatten, werden aufgelöst
und flexibilisiert, neue und preiswertere Techniken der Bildakquisition
erweitern den Kreis der Filmemacher, der egalisierte »desktop film«
gerät in greifbare Reichweite.
Seit den 1980er Jahren ist die
Digitaltechnik im Bereich der Pre- und Postproduktion fest etabliert und
erreicht zunehmend auch den klassischen Kernbereich der Filmproduktion – die
Dreharbeiten. CGI-Verfahren ermöglichen im Bereich der visuellen Effekte
erstaunliche Sehereignisse in einer zuvor nicht gekannten fotorealsitischen
Qualität; die Epoche der liebenswerten Stop-motion-Animation wird endgültig
durch die »digitale Revolution« abgelöst und die ersten vollständig
computergenerierten Animationsfilme werden im Kino gezeigt. Radikale
Umbrüche ereignen sich auch im Bereich des Filmtons, der mit rasanter
Geschwindigkeit und vollständig digitalisiert wird.
Der Kino-Filmvertrieb bleibt jedoch ebenso konventionell wie die
Filmprojektion: Selbst die vollständig computergenerierten Filme werden noch
auf fotochemische Filmrollen ausbelichtet und per Kurier in die Filmtheater
ausgeliefert. Eine radikale Wandlung ereignet sich jedoch beim
Kulturverbraucher, der das erste vollständig digitale Distributionsmedium
für Film – die DVD – mit überwältigender Akzeptanz annimmt.
Filmproduktion
Parallelisierung und Nichtlinearisierung
Die 1990er Jahre sind geprägt durch einschneidende strukturelle
Veränderungen im Bereich der
Filmproduktion: Die Parallelisierung der Produktion, insbesondere
der Dreharbeiten, etabliert sich, und es zeigen sich Ansätze zu der noch
weiter reichenden Nichtlinearisierung des gesamten
Produktionsablaufs. Die Gründe für diese Entwicklungen sind vielschichtig;
eine Rolle spielte sicherlich die zunehmende Verfügbarkeit von digitalen
Produktionstechniken und die Durchsetzung von globalen Datennetzen;
entscheidender ist jedoch wohl der dramatisch zunehmende Zeitdruck.
In den 1990er Jahren explodieren die Filmbudgets typischer
Hollywood-Produktionen, d.h. die finanziellen Vorleistungen erzwingen eine
möglichst zeitnahe Filmauswertung. Um Filme rascher auf den Weg der
Verwertungskette
zu bringen, müssen Produktionsabläufe parallelisiert werden – die
Zinsen für eine 200-Millionen-Dollar-Produktion verbieten geradezu eine
monatelange Phase der Postproduktion. Konkret bedeutet dies für die
Filmproduktion zunächst, dass sich beim Dreh von größeren – also teureren –
Produktionen die Arbeit mit mehreren parallelen Sets durchsetzt.
Digitale Bildakquisition
In Nischenbereichen jenseits des Hollywood-Mainstream werden Verfahren
der digitalen Bildakquisition ab Mitte der 1990er Jahre eingesetzt: Aus dem
Heimvideobereich dringen digitale Camcorder (DVC) ab 1994 in den No-
und Low-Budget-Bereich ein; die Qualität ist zunächst äußerst beschränkt und
allenfalls mit schlechten 16-mm-Filmkopien vergleichbar, dafür ist die
Aufnahme- und Schnittechnik praktisch für jedermann erschwinglich.
Kontinuierliche Verbesserungen der Heimvideo-Technik lassen ein so genanntes
»Prosumer«-Segment für anspruchsvolle Amateure entstehen. Um 1998
weitet sich diese Low-End-Technik auf normale Kinoproduktionen aus;
Vorreiter dieser Entwicklung sind beispielsweise
- Wim Wenders mit
Buena
Vista Social Club (BRD/USA/Großbritannien u.a. 1998),
- Thomas Vinterberg mit
Festen
(Dänemark/Schweden 1998; deutscher Titel: Das Fest) und
- Lars von Trier mit
Itioterne
(Dänemark/Schweden 1998; deutscher Titel: Idioten).
Alle diese Produktionen werden mit
DVCAM
aufgezeichnet, nonlinear geschnitten und – sofern notwendig – digital nachbearbeitet.
»Fernbedienung« der Filmproduktion
Die in den 1990er Jahren zur Verfügung stehenden Datennetze und
-übertragungswege – gemeint ist damit nicht ausschließlich das Internet,
sondern beispielsweise auch die kommerzielle Satellitenkommunikation – lösen
eine Charakteristik auf, welche die Filmproduktion annähernd ein Jahrhundert
lang gekennzeichnet und beschränkt hatte: Bisher mußte der Regisseur in
irgendeiner physischen Form bei den Dreharbeiten und bei der Abnahme der
Nachbearbeitung anwesend sein. Durch digitale Bildakquisition oder
Digitalisierung des Filmnegativs wird es nunmehr möglich, quasi von zu Hause
aus »per Fernbedienung« Regie zu führen.
Steven Spielberg leitete beispielsweise die Postproduktion von
Jurassic Park (USA
1993), die in Kalifornien durchgeführt wurde, während er in Polen die
Dreharbeiten von
Schindler's List (USA 1993; deutscher Titel: Schindlers Liste)
leitete; er nutzte dazu eine dedizierte und gesicherte
Zweiweg-Satellitenverbindung (Screen Digest 2002: 27). Ähnlich
flexibilisiert wird die überwachende Tätigkeit von Filmproduzenten, die ohne
zeitraubende Flug- oder Fahrtzeiten unterschiedliche Sets oder gar mehrere
Filmproduktionen gleichzeitig im Blick behalten können.
Digitaler non-linearer Schnitt und Nachbearbeitung
Gegen Ende
der 1990er Jahre sind leistungsfähige nichtlineare Schnittsysteme für
handelübliche Personal Computer verfügbar (z.B. Adobe Premiere
und später auch Apple iMovie).
Der Screen Digest Report von September 2002 substantiiert die rapide
sinkenden Kosten für einen Visual-Effects-Arbeitsplatz vergleichbarer
Leistungsfähigkeit mit folgenden Angaben von dem BBC-Mitarbeiter Alan
Marques (Screen Digest 2002: 25):
- 1994: SGI Indigo Workstation, Cipico 30 GB RAID, Discreet
Logic Flint: 103.000 britische Pfund;
- 2000: Dual Pentium Workstation, IBM 77 GB EIDE, Discreet
Combustion: 8.000 britische Pfund.
Nach sechs Jahren kostet ein VFX-Arbeitsplatz vergleichbarer oder
besserer Leistungsfähigkeit also nur noch etwa sieben Prozent (!)
Die erste weiteren Kreisen bekannte Umsetzung eines konsequenten »desktop feature film«
ist
The Last
Broadcast (USA 1998) von Stefan Avalos und
Lance Weiler; dieser Pseudo-Dokumentarfilm wurde mit einer digitalen
Amateurvideokamera gefilmt und vollständig am heimischen PC der Filmemacher
produziert; eingesetzt wurde beispielsweise die handelsübliche Software Adobe Premiere (digitale Effeke) und
Adobe Photoshop;
auch der Tonschnitt erfolgte vollständig am PC. Darüber hinaus wurde
die No-Budget-Produktion Produktion im Oktober 1998 als erster abendfüllender Spielfilm
ausschließlich digital via Satellitenübertragung an Kinos in den USA
distribuiert – also etwa ein Jahr vor
Star Wars: Episode I
- The Phantom Menace (Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung,
USA 1999), der ebenfalls beansprucht, der erste digital vertriebene Film
gewesen zu
sein. Last but not least wurde The Last Broadcast auch digital mit einem DLP-Filmprojektor
von Texas Instruments projiziert [2].
Ab 1999 setzt eine zunehmende Flut von digital aufgenommenen oder digital
nachbearbeiteten Filmen ein; eine unvollständige Übersicht bietet das
Verzeichnis digitaler Filme.
Visuelle Effekte, CGI und »Vactors«
Bereits Anfang der 1990er Jahre wagten sich die ersten
Filmproduktionen an den »heiligen Gral« des Films, den möglichst
fotorealistischen virtuellen Darsteller (Virtual Actor oder Vactor);
damit bezeichnet man einen »fotorealistisch
am Computer gezeugten Humanoiden«, also »digitale
Schauspieler, die sich lebensgetreu genug bewegen können, um für
tragende oder gar Hauptrollen in Frage zu kommen« (Freyermuth
2000: 208).
Ein weitgehend synonymer Begriff für einen virtuellen Akteur ist
Synthespian; dieser Begriff
wurde bereits Ende der 1980er Jahre von Jeff Kleiser geprägt und als
Markenzeichen geschützt; die Bezeichnung geht auf den athener
Tragödiendichter und Schauspieler Thespis (* 6. Jahrhundert v.
Chr. in Ikaria, Attika) zurück, der nach der antiken Überlieferung das
Drama, insbesondere die Tragödie, erfunden haben soll (cf. zu Thespis:
Ziegler, Sontheimer, Gärtner (ed.): Artikel »Thespis« in: Der
Kleine Pauly, Bd. 5, München 1979: 755).
Bereits Anfang der 1990er Jahre wurde das Morphing-Verfahren in
The
Terminator 2: Judgment Day
(USA 1991) perfektioniert; erstmals gezeigt
wurden realistische menschliche Bewegungen bei einem
CGI-generierten Charakter. Allerdings wurden nicht alle
visuellen Effekte am Computer generiert, konventionelle Trickeffekte wurden
noch ebenso eingesetzt [22].

Abbildung: In
The
Terminator 2: Judgment Day
(USA 1991) wurde das Morphing-Verfahren perfektioniert und
erstmals realistische menschliche Bewegungen bei einem CGI-generierten
Charakter gezeigt. Die Abbildung zeigt den Terminator-Cyborg T-1000,
gespielt von Robert Patrick, der aus einem flüssigen Metall bestehen soll
und seine Gliedmaßen in Messer und andere Objekte verwandeln kann; dabei
geht die Darstellung von Robert Patrick nahtlos in den CGI-Charakter über
(Quelle: Screenshot).
Der Grad des Realismus und die handlungstragende Bedeutung der
CGI-Elemente wurde in
Steven Spielbergs
Jurassic
Park (USA 1993) weiter gesteigert; mit den
handlungstragenden Urzeit-Tieren wurden erstmals
fotorealistische und vollständig CGI-generierte Charaktäre
eingesetzt; allerdings beschränkte sich auch Jurassic Park
noch auf die Computeranimation fantstischer und fiktiver Lebewesen wie
Dinosaurier, die der Kinozuschauer nicht mit seinen eigenen visuellen
Erfahrungen abgleichen konnte: Niemand weiß, wie ein Tyrannosaurus Rex
wirklich ausgehen hat. Insgesamt kamen 52-CGI-Einstellungen zum Einsatz
(Freyermuth 2000: 207), die wieder einmal von den
Effektspezialisten von Industrial Light and
Magic (ILM) produziert wurden. Der eher technikskeptische
Regisseur Spielberg wollte ursprünglich nicht CGI, sondern Go-Motion
einsetzen, ließ sich jedoch in einer Demonstration der ILM-Animationstechnik
überzeugen [23].

Abbildung: In
Jurassic
Park (USA 1993) werden erstmals fotorealistische
Charaktere gezeigt, die via CGI generiert wurde. Die hier abgebildete Szene
zeigt einen Brachiosaurus, der von John Hammond, Alan Grant, & Ellie Sattler
generiert wurde (Quelle: Screenshot von der Widescreen-DVD).
1995 kam dann der erste vollständig computeranimierte und abendfüllende Spielfilm in die Kinos:
John Lasseters
Toy Story (USA
1995). »Sein
Erfolg versetzte handgezeichneten Trickfiguren den Todesstoß«(Cinema
10/2005: 35). Toy Story versuchte allerdings noch immer nicht, einen
möglichst realistischen synthetischen Menschen zu erschaffen, sondern beschränkte sich auf die
technisch perfekte Animation von zum Leben erwachenden Spielzeugfiguren mit
weitgehender Annäherung an die gewohnte Zeichentrickästhetik. Die Berechnung
jedes einzelnen Bildes (frame) dauerte zwischen vier und 13
Stunden, abhängig von der Komplexität der Einstellung; verwendet wurde eine
Render-Farm, bestehend aus 87 20er-Sparc-Stations mit Dualprozessor, 30
20er-Sparc-Stations mit Quadprozessor sowie einem Sparcserver 1000 [21].
Ebenfalls im Jahr 1995 zeigte sich in
Casper das
wachsende Selbstbewusstsein der CGI: Die titelgebende Figur Casper
war der erste
computergenerierte Hauptcharakter in einem abendfüllenden
Spielfilm, der mit realen
Akteuren interagierte. Die Dinosaurier in Jurassic Park
waren zwar auch schon handlungstragend gewesen und hatten ebenfalls mit den
menschlichen Darstellern interagiert, sie zeigten dabei jedoch nur einen
äußerst begrenzten Vorrat an Mimik und Gestik; das Gespenst Casper
war zwar ebenso fiktiv wie die Jurassic-Park-Urviecher, es zeigte jedoch
eine ebenso menschenähnliche Mimik wie das lebendige Spielzeug in Toy
Story. Die CGI-Spezialisten pirschten sich immer weiter an das Endziel –
den vom menschlichen Schauspieler nicht mehr zu unterscheidenden »Vactor« –
heran, ohne dieses Ziel jedoch bis Ende der 1990er Jahre zu erreichen.
Ein zweites Einsatzgebiet des digitalen Schauspielens (»digital
acting«) neben dem Erzeugen vollständig virtueller »Vactors« ist das
Ersetzen von menschlichen Schauspielern (vgl. Screen Digest 2002: 14). Eine
solche Ersetzung war beispielsweise notwendig
- in The Crow (USA 1994;
deutscher Titel: The Crow - Die Krähe) von Alex Proyas, während
dessen Dreharbeiten der Hauptdarsteller Brandon Lee in einem Unfall verstirbt
(vgl. hierzu [1] und [4]),
- in Wagons East
(USA 1994) von Peter Markle, während dessen Dreharbeiten der Hauptdarsteller
John Candy verstarb, sowie
- in Gladiator (USA
2000) von Ridley Scott, während dessen Dreharbeiten Oliver Reed an einem
Herzinfarkt verstirbt.
Oliver Reed wurde durch ein Double (»stand-in«)
ersetzt, dessen Gesicht maskiert und per CGI durch Reeds ersetzt wurde (vgl.
[2]); auch John
Candy wurde durch ein Stand-in ersetzt (vgl. [3]).
Eine häufig geäußerte Befürchtung seitens der Filmschauspieler bezieht sich
auf diese zunehmende Ersetzbarkeit ihres äußeren Erscheinungsbildes: Denkbar
wäre, dass zukünftig widerspenstige Schauspieler einfach vom Produzenten
durch virtuelle Repräsentationen ersetzt werden könnten.
Nachdem sich die Computeranimation in großen Hollywoodproduktionen
erfolgreich etabliert hatte und auch vom Kinopublikum akzeptiert worden war, kehrte die Digitaltechnik auch in das Fernsehen ein: Ab 1994 lief mit
Spacecenter
Babylon 5 (Babylon 5) die
erste Fernsehserie, in der CGI in großem Umfang eingesetzt
wurde; erstmals wurden hier auch virtuelle Sets eingesetzt.
Die Rolle der CGI beschränkte sich jedoch noch auf Umgebungen und einzelne
Elemente, komplette Sets oder gar Akteure werden für Babylon 5 noch
nicht im Computer erstellt.

Abbildung:
Babylon 5 (Spacecenter Babylon 5,
USA 1994-1998) war die
erste Fernsehserie, in der CGI in großem Umfang eingesetzt
wurde; erstmals wurden hier auch virtuelle Sets eingesetzt
(Quelle: Screenshot).
1997 kam mit
Titanic
(USA 1997) der bisher kommerziell erfolgreichste Film der
Filmgeschichte in die Kinos: Das Budget betrug geschätzt 200 Millionen US-$,
der Film spielte ein Vielfaches davon ein, geschätzt wird ein
Einspielergebnis von rund 1,8 Milliarden US-$ (Stand: Mitte 2005).
Technikfetischist James Cameron setzte natürlich auch in Titanic
CGI-Effekte ein, etwa 500 computergenerierte und -bearbeitete Einstellungen
sollen es gewesen sein (Freyermuth
2000: 207). Der enorme Erfolg von Titanic zeigte zum
einen, dass sich CGI gegen Ende der 1990er Jahre nicht mehr nur nur für
Fantasy- und Science-fiction-Produktionen eignete, sondern seinen Ursprüngen
im fantastischen Film mittlerweile entwachsen war; zum anderen indizierte
der Erfolg von Titanic, dass sich das Kinopublikum nicht an
computergenerierten Effekten störte und vielleicht auch manchen Besucher aus
Neugierde auf eben diese digitalen Effekte ins Kino lockte.
Den Abschluß der 1990er Jahre und zugleich einen weiteren Meilenstein in
der Entwicklung des digitalen Films bildet schließlich der Beginn der neuen
Krieg-der-Sterne-Trilogie: In
Star
Wars: Episode I - The Phantom Menace (Star Wars:
Episode I - Die dunkle Bedrohung, USA 1999) waren »95
Prozent aller Bilder digital generiert oder nachbearbeitet
worden, insgesamt über 2000 Einstellungen« (Freyermuth
2000: 207), Digitaltechnik durchzieht – oder, wenn man so will, durchsetzt – den gesamten Film; selbst Natalie Portmans
Stimme wurde digital nachbearbeitet, um die Unterscheidung zwischen Padme
and Queen Amidala zu erleichtern [25].
Die Fortsetzung von George Lucas' Filmepos
wurde vollständig im
HDTV-/HDV-Standard
24p
produziert; dabei handelt es sich um einen Aufnahmemodus, bei dem 24 Bilder
pro Sekunde im Vollbildverfahren (p für »progressive«)
aufgezeichnet werden; dieser Modus wird bei HD im Filmmodus verwendet,
i.d.R. als 1080/24p, also mit einer Auflösung von 1080 Zeilen (1.920x1.080
Pixel). Der erste Anbieter geeigneter Kameras war Sony Corp., die in
Kooperation mit Panavision die Cine Alta-Modellreihe
entwickelte (Screen Digest 2002: 17). Lucas verwendete in The Phantom
Menace modifizierte Prototypen; die Modellreihe kam erst nach Abschluß
der Dreharbeiten im Jahr 2000 auf den Markt. George Lucas war von den
Cine Alta-Kameras dermaßen überzeuigt, dass er der Fachtagung
National Association of Broadcasters Convention (NAB) im Jahr 2001
äußerte:
»I can safely say that I'll never ever shoot another film on
film« (George Lucas, zit. in: Giardina 2001; Screen Digest 2002:
17; Hahn 2005: 7).
Die digitale Effektmaschinerie verbesserte jedoch nicht nur Details und
ermöglichte spektakuläre visuelle Effekte, sondern beherrschte auch die
Filmdramaturgie, wie Filmkritiker und auch viele Fans damals mißmutig
anmerkten, die den Film als tote Aneinanderreihung von Effekten (»eye
candy«) empfanden:
»This movie proves that it wasn't just special FX that made
'Star Wars' fun to watch. It was as if George Lucas was so thrilled with
what he could do with CGI effects, he forgot what made the original
trilogy so great, which is writing and characters«
(Nutzerkommentar von 'JohnIL' in der IMDb vom 7. Oktober 2001, [24]).
Mit den zunehmend allmächtigen CGI-Effekten begann sich ein Problem zu zeigen, das
bereits Francis Ford Coppola bei seinem
Electronic
Cinema in den 1970/80er Jahren nicht hatte lösen können: Die Technik
begann sich zu verselbständigen. Coppolas Musical-Produktion
One from the heart
(Einer mit Herz, USA 1982), die mit der damals modernsten
Produktionstechnik enstanden war, wurde von Kritikern wie Publikum
gleichermaßen abgelehnt; die Branchenbibel Variety titelte bissig: »Dazzling
body, empty heart«, die Filmkritikerin Pauline Kael urteilte
vernichtend: »Dieser Film fühlt sich an, wie aus einem Trailer heraus
inszeniert: Kalt und mechanisch« (zit. in: Hochhäusler, in Slansky
2004: 52).
Der Regisseur Christoph Hochhäusler bringt das Problem auf den Punkt: »Technik
produziert eine eigene Dynamik: Was möglich ist, will wirklich werden«
(Hochhäusler, in Slansky 2004: 57). Genau das war die Herausforderungen für
alle CGI-geprägten Filme nach Phantom Menace.
Filmton
Digitaler Mehrkanal-Filmton
Die 1990er Jahre sind das Jahrzehnt, in dem sich der digitale Filmton
weitläufig etablierte.
Ein frühes digitales Tonsystem war Cinema Digital Sound (CDS), das
1990 von Eastman Kodak in Zusammenarbeit mit Optical Radiation
entwickelt worden war. Das Tonsystem verfügte über 6 verschiedene Kanäle und
wurde digital auf dem Film an Stelle der analogen Tonspur aufgezeichnet. Nach Angaben der Filmzeitschrift Cinema soll »der
erste Film mit digitalem Sound« Warren Beattys Comicverfilmung
Dick Tracy aus dem
Jahr 1990 gewesen sein (Cinema 10/2005: 35), andere Quellen nennen
Days of Thunder
aus demselben Jahr (1990) als ersten CDS-Film. Welcher der beiden Filme nun
der »erste« gewesen sein mag: Rund 18 Monate vor Dolby Digital existierte
ein digitales Sechskanal-Tonsystem, das immerhin in insgesamt zehn
Produktionen eingesetzt wurde:
- Days of Thunder (1990),
- Dick Tracy (1990),
- The Doors (1991),
- Edward Scissorhands (1990),
- Final Approach (1991),
- Flatliners (1990),
- For the Boys (1991),
- Hudson Hawk (1991),
- Terminator 2: Judgment Day (1991),
- Universal Soldier (1992).
1992 führte Dolby das optische Tonsystem Dolby Digital
(DD, auch: Dolby SR Digital oder Dolby SR-D) ein,
das nach dem 5.1-Prinzip arbeitete: Links, Center, Rechts, Surround links,
Sourround rechts und ein Tieftonkanal für »low-frequency effcts«
(LFE).
Die Tonsignale von Dolby Digital sind im psychoakustischen
AC-3-Verfahren (Adaptive Transform Coder 3) mit einer Datenrate von
320 kbps komprimiert, das in vom Advanced Television Systems Committee
in ATSC A/52 Rev. A standardisiert wurde.

Abbildung: Kanalkonfiguration bei Dolby Digital. Der komprimierte
Digitalton wird zwischen den Perforationslöchern eines 35-mm-Filmträgers
zusätzlich zum analogen Lichtton gespeichert; eine spezielle CCD-Kamera
liest die Tondaten aus. Im Kino bedeutet 5.1 nicht dasselbe wie im Heimkino:
Es gibt nicht nur einen Lautsprecher pro Kanal, sondern – je nach
Saalgröße – eine größere Anzahl (Quelle: Dolby Laboratories, Inc.)
Der offiziell erste
Kinofilm, der mit Dolby-Digital-Ton in die Kinos kam, war
Batman returns (Batmans
Rückkehr, USA 1992).
Bereits im Folgejahr (1993) kamen zwei konkurrierende Tonsysteme auf den
Markt: Digital Theatre Sound (dts) von der 1990 durch Terry Beard und
Steven Speilberg
begründeten und maßgeblich von Universal City Studios, Inc.,
finanzierten Digital Theatre Systems, Inc. (DTS), und Sony Dynamic
Digital Sound (SDDS).
Das dts-Tonsystem basiert auf einer psychoakustischen Kompression des
Tonsignals nach dem APT-X100-Verfahren, verwendet mit ca. 1400 kBit/s
erheblich höhere Datenraten als Dolby Digital und wird aber als
höherwertige Alternative zu Dolby Digital vermarktet. Im Gegensatz zu
DD befindet sich das dts-Tonsignal nicht auf dem 35-mm-Filmträger, sondern
auf einer separaten CD-ROM, die mit dem Film durch einen Timecode
synchronisiert wird, der sich zwischen der Lichttonspur und dem Filmbild
befindet.
Ein dts-Dekodiersystem besteht prinzipiell aus einem 386er-PC mit
bis zu drei SCSI-CD-Laufwerken sowie zwei speziellen Decoderkarten (DTS-6
Digital Playback System, ab 1993); pro CD-ROM können rund 100 Minuten
Filmton gespeichert werden, bei drei Laufwerken ist die maximale Filmlänge
daher auf etwa 300 Minuten begrenzt. dts kennt seit 1996 auch
einen Effektkanal, über den Geräte wie Stroboskope oder Nebelmaschinen
angesteuert werden können.
Der offiziell erste Film mit dts-Ton war Steven Spielbergs
Dinosaurier-Epos
Jurassic Park (USA 1993); bis 2001 waren weltweit rund 20.000
Filmtheater mit dts-Tonsystemen ausgestattet worden. Der Effektkanal
wurde erstmals im Trailer zu
The Lost World:
Jurassic Park (USA 1997) eingesetzt:
»The teaser trailer, which debuted on December 13 at forty
locations in the United States and two in Toronto, Canada, is driven by
a modified DTS that activated six stategically placed strobe lights
employed to comlement the images that appear on the screen. Using DTS
technology, the timing for the strobe lights is encoded into the
trailer's print, which is synched to the highly reliable DTS CD-ROM
system. Audiences viewing the teaser trailer feel as if they are caught
in a rainstorm complete with life-like sound and lightning provided by
the strobe lights« (Pressemitteilung von DTS, zit. in [1]).
Das dritte konkurrierende Tonsystem, Sony Dynamic Digital Sound
(SDDS) unterstützt Installationen mit sechs bis acht separaten Tonkanälen;
in der Vollausstattung verfügt ein SDDS-Wiedergabesystem über fünf
Front-Kanäle, zwei seitliche Surround-Kanäle und einen LFE-Kanal für
tieffrequente Soundeffekte unter 120 Hz; bei der abgespeckten Variante wird
die Anzahl der Frontkanälen von fünf auf drei reduziert. Zur Komprimierung
der Tondaten wird das proprietäre ATRAC-Verfahren (Adaptive Transform
Acoustic Coding) verwendet. Die Tondaten werden bei SDDS in zwei
optischen Spuren auf dem 35-mm-Filmträger gespeichert und mit zwei
CCD-Kameras ausgelesen.
Der offiziell erste Film mit SDDS-Ton war der Action-Film Last
Last Action Hero
(Der Letzte Action Held, USA 1993) mit Arnold Schwarzenegger.
1998 stellten Dolby Laboratories und Lucasfilm THX die
gemeinsam entwickelte DD-Erweiterung Dolby Digital Surround EX vor;
gegenüber der 5.1-Konfiguration von Dolby Digital kommt zusätzlich ein
dritte Surroundkanal hinzu, was eine präzisere Positionierung von
Surroundeffekten wie dem Vorne-Hinten-Panning ermöglichen soll. DD
Surround EX setzt auf Seite des Kinobetreibers einen Dolby Digital
Surround EX-Dekoder voraus, sonst ist das System vollständig kompatibel
zu 5.1-DD.

Abbildung: Kanalkonfiguration bei Dolby Digital
Surround EX. Zu den beiden Surround-Kanälen Surround links und
Surround rechts kommt der dritte Surround-Kanal Surround hinten
hinzu; nach Hersteller-Angaben soll das die Positionierung von
Surroundeffekten verbessern (Quelle: Dolby Laboratories, Inc.)
Während die Dolby Labs mit ihren digitalen Mehrkanal-Tonsystemen die sog.
A-Chain, also die Abtastung, Dekodierung und Verarbeitung des Tons
vom Film, digitalisierten, kümmerte sich THX um die sog. B-Chain,
also die Verstärker und Lautsprecher im Kino, die das Tonsignal von der
A-Chain übernehmen. THX ist also kein konkurrierendes Tonsystem, sondern
eine Zertifizierung für Sound-Komponenten, die auch ziemlich genau ein
Jahrzehnt älter ist als Doby Digital.
Der offiziell erste
Kinofilm, der mit Dolby-Digital-Surround-EX-Ton in die Kinos kam, war
Star Wars: Episode I
- The Phantom Menace (Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung,
USA 1999) [10].
Neben
der digitalen Tonaufzeichnung und der digitalen Wiedergabe setzte sich in
den 1990er Jahren auch der digitale Tonschnitt durch; mit
The English Patient
wurde 1990 erstmals ein Film mit digital geschnittenem Soundtrack mit einem
»Oscar« ausgezeichnet: Walter Murch erhielt jeweils einen Academy Award
für den Film- und Tonschnitt. Nur zwei Jahre später (1998) kam mit Stephen
Hopkins
Lost in Space dann
der erste große Spielfilm mit einem vollständig digital produzierten
Soundtrack in die Kinos ([3],
[4]).
Marketing und Promotion
In den 1990er Jahren verbreiten sich Personal Computer in einem
Ausmaß, dass nicht zu Unrecht von einer »PC-Revolution« gesprochen
werden kann: PCs setzten sich in weiten Teilen der Bevölkerung durch, von
Studenten über Journalisten bis hin zu praktisch allen Büro-Tätigkeiten in
Unternehmen, wo der Bildschirm-Arbeitsplatz die Schreibmaschine nahezu
vollständig ablöst. Durch die großflächige Verbreitung von PCs kommt Anfang
der 1990er Jahre die Verbreitung elektronischer Pressematerialen auf.
Der
erste Film, zu dem in Deutschland ein so genanntes »Interactive Press Kit«
(IPK) auf Diskette an die Journalisten verteilt wird, ist die
Hollywood-Produktion
Sneakers (USA 1992; deutscher Titel: Sneakers - Die Lautlosen)
von Phil Alden Robinson; der UIP/Universal-Film zeigt namhafte Stars wie
Robert Redford, Sidney Poitier, Ben Kingsley, River Phoenix und Dan Aykroyd
und verfügt über ein hohes Werbe- wie Produktionsbudget, zudem passt das
Sujet: Sneakers thematisiert Computer, Hacker und
Computerkriminalität. Das IPK ist für das Betriebssystem MS-DOS konzipiert
und bietet eine – im Rahmen dessen, was auf einer 1,44-MB-Diskette
machbar ist – eine multimediale Präsentation mit einfacher Grafik,
jedoch ohne Töne oder Musik. Der Journalist kann kleine Rätsel lösen,
ansonsten gibt es kaum Interaktionsmöglichkeiten (vgl. Buchholz/Füllemann
1995: 30 ff.).
Der erste deutsche Fernsehsender, der ein interaktives »Press Kit«
(IPK) auf CD-ROM für Journalisten anbietet, ist SAT.1: Für die Fernsehserie
Kommissar Rex
(BRD 1994) wird 1994 an aufgeschlossene Journalisten eine
Multimediaproduktion mit Text, Ton, Musik und sogar Digitalvideos verteilt;
die CD kann an jedem multimedia-fähigen PC – das bedeutet damals:
entsprechend MPC Level 1 oder Level 2 – ohne spezielle
Erweiterungen eingesetzt werden und enthält nach eigenen Angaben angeblich
»350.000 Seiten Speichertext«. Tatsächlich ist das inhaltliche Angebot
begrenzter, es umfasst einige Hintergrundinformationen zur Serie und zum
Sender, eine Handvoll Filmbeispiele von jeweils ca. 20 Sekunden Länge sowie
ein Gewinnspiel. Eine Presseinformation von SAT.1 verspricht: »Das IPK
ermöglicht zum ersten Mal auch dem zeitlich überlasteten Redakteur
Rezensionsmöglichkeiten. Beim IPK bestimmt der Journalist selbst, wann, wie
und welche Informationen er abrufen möchte!«. Tatsächlich ist jedoch
genau das Gegenteil der Fall: Allein der Zeitaufwand zur Sichtung der
unübersichtlichen CD-ROM ist immens, da die Multimedia-Produktion durchweg
darauf angelegt ist, den Benutzer zu unterhaltsamen und möglichst langem
Stöbern zu bewegen; während der Journalist ein Presseheft rasch
durchblättern und gezielt auf Informationen über ein Inhaltsverzeichnis
zugreifen kann, fehlt dem Multimedia-IPK sogar ein Stichwortverzeichnis für
gezieltes Information Retrieval (vgl. Buchholz/Füllemann 1995: 33).
Digitale Offline-Materialien werden im Bereich der Filmpromotion nicht
mehr weiterentwickelt, da sich ab Mitte der 1990er Jahre mit rasanter
Geschwindigkeit das Internet als Kommunikations- und
Distributionsmedium etabliert; Auslöser für den Durchbruch des zu diesem
Zeitpunkt bereits mehr als zwanzigjährigen Datennetzes ist die Entwicklung
einer grafischen Benutzeroberfläche für das »Netz der Netze«: Tim
Berners-Lee entwickelt um 1992 am europäischen Kernforschungszentrum CERN
das World Wide Web (WWW), das die Nutzung von Internet-Diensten enorm
vereinfacht.
Während deutschsprachige PR-Angebote 1995 noch eher exotisch sind,
setzten sich mit der Kommerzialisierung des Internet elektronische Presse-
und Promotion-Materialien gegen Ende der 1990er Jahre massiv durch. Als eine
Art Initialzündung gilt die Low-Budget-Produktion
The Blair
Witch Project (USA 1999), ein Pseudo-Dokumentarfilm von Daniel
Myrick und Eduardo Sanchez, zu dem schon in der Pre-Production-Phase (!)
eine clever aufgebaute PR-Kampagne im Web inszeniert wurde, die den
Billigfilm zu einem Überraschungshit werden ließ (vgl. Screen Digest 2002:
14). Auch The Matrix
(USA 1999) wurde mit einem ähnlichen Instrumentarium unter
www.whatisthematrix.com
mit großem Erfolg zu einem »Geek Event« stilisiert.
Etwa seit der Jahrtausendwende wird praktisch jeder Spiel- und
Dokumentarfilm von einer mehr oder minder aufwändig gestalteten Website
begleitet
Verwertungskette
Digitale Projektion
Ebenfalls 1998 wurde
die No-Budget-Produktion
The Last Broadcast
von Stefan Avalos und Lance Weiler –
»the first desktop feature film« – präsentiert. Der Film
worde sowohl
digital produziert [8] als auch
digital via Satellitenübertragung an Kinos in den Vereinigten Staaten
distribuiert und digital mit einem DLP-Filmprojektor
von Texas Instruments projiziert [2].
Bei dem 84-minütigen Film handelt es sich um eine Pseudo-Dokumentation
ähnlich dem ein Jahr später entstandenen
The Blair Witch
Project (USA 1999), die im 4:3-Vollbildformat (1.33:1) gedreht wurde, um
den gewollt dokumentarischen Charakter zu verdeutlichen.
Avalos und Weiler verfolgten bewusst das Ziel, den Film vollständig
digital zu produzieren und ein angebliches Budget von US-$ 900 einzuhalten.
Die digitalen Effekte sollen mit dem Adobe-Programm Premiere erstellt
worden sein; durch Bildbearbeitung mit Adobes Photoshop soll der »typischen
Doku-Look« umgesetzt worden sein [7];
auch der Tonschnitt erfolgte am PC, zumindest wenn man den Materialien der
DVD-Veröffentlichung Glauben schenkt.
Die nächste digitale Projektion folgte nur ein Jahr später:
Star Wars: Episode I
- The Phantom Menace (Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung,
USA 1999) wurde nicht nur mit dem neuen Tonsystem Dolby Digital Surround
EX vorgeführt, sondern in vier Filmtheatern auch digital projiziert.
Auch hier kamen wieder Projektoren von Texas Instruments [6]
sowie von CineComm [5] zum
Einsatz.
Kulturverbraucher
Aus der Perspektive der Filmkonsumenten nimmt der
Heimkino-Bereich eine
Vorreiterrolle ein; noch lange bevor über eine digitale Projektion im
Kino nachgedacht wurde, hatte sich ein vollständig digitales Medium über
die Unterhaltungselektronik durchgesetzt: Ab
Ende der 1990er Jahre etablierte sich bei den Kulturverbrauchern die
1997 eingeführte
Digital Versatile
Disc (DVD); hier wurde erstmals im Heimkino die Reproduktion von
vollem 5.1-Mehrkanalton im Dolby-Digital- oder dts-Verfahren möglich.
DD wird nicht nur auf DVDs (5.1-Ton: 384 oder 448 kbps, Stereo-Ton: 192
oder 224 kbps), sondern seit 1999 auch im deutschen Fernsehen (Dolby Digital 2.0 oder Dolby Digital 5.1)
eingesetzt.
Mit der DVD-Veröffentlichung des Spielfilms
Twister erschien
1997 die erste THX-zertifizierte DVD; ein Jahr später zertifizierte THX
dann auch die ersten DVD-Player.
Die Filmwirtschaft hatte in den 1980er
Jahren – nach anfänglichen Widerständen – insgesamt positive Erfahrungen mit dem Offline-Medium
der Videokassette gesammelt, daher fiel es der Industrie leichter, den
neuen digitalen Datenträger zu nutzen. Auch diesmal sammelte die
Industrie wieder durchweg positive Erfahrungen: Die Umsätze boomen. Die
einzige Schlappe, die die Filmwirtschaft einstecken musste, ist das
CSS-Desaster: Mit dem um 1996 eingeführten Content-Scrambling System
(CSS) wurde versucht, ein standardisierten Kopierschutz implementieren.
Das Schutzsystem erwies sich jedoch als wirkungslos, da es bereits im
Oktober 1999 von dem Norweger Jon Lech Johansen per Reverse Engineering
entschlüsselt worden war. Der geknackte Kopierschutz schadete jedoch der
Verbreitung der DVD nicht, ganz im Gegenteil: Große Videotheken stellten
den Verleih von VHS-Kassetten ab 2002 ein, und bereits 2003 wurden mehr
DVDs als VHS-Kassetten ausgeliehen; seitdem kann die Videokassette als
Distributionsmedium für Spielfilme als abgelöst betrachtet werden; 2004
wurden mit DVDs nach Angaben der Digital Entertainment Group
(DEG) 21,2 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet, davon 15,5 Mrd. mit
DVD-Verkäufen, der Rest aus Verleiherlösen.
Überfordert ist die Filmindustrie jedoch mit der Herausforderung durch
die neue Online- Distributionsmöglichkeiten des Internet: Ähnlich
wie Anfang der 1980er Jahre wird eine radikale Blockadestrategie
gefahren und die wirtschaftlichen Potenziale des ungewohnten
Vertriebswegs systematisch ignoriert. Wie bereits im Prozess Sony Corp. of America v. Universal City Studios, Inc.
aus dem Jahr 1984 versuchen die US-Majors stattdessen auf dem Rechtsweg,
ihr Scheinproblem aus der Welt zu klagen; in gigantischen Klagewellen
werden tausende von Privatanwendern aus Peer-to-Peer-Tauschbörsen
verklagt, durch massivste Lobbyarbeit wird das
Immaterialgüterrecht weltweit zu Ungunsten der Privatnutzer
umgekrempelt.
Mit erstaunlicher Hartnäckigkeit und noch größerer Borniertheit wird
seitens der US-Majors und ihres Dachverbandes, der Motion Picture
Association of America (MPAA), eine unkonstruktive Strategie
gefahren, die kreative Filmemacher geradezu dazu einlädt, die
Möglichkeiten des direkten Kontakts zum Endverbraucher zu nutzen, die
das Internet ermöglicht. Es steht daher zu erwarten, dass
konstruktive Filmproduzenten mittelfristig die gesamte
ökonomische
Verwertungskette der Filmwirtschaft (»Movie Industry Windowing«)
aushebeln und ihre Produkte unter Umgehung sämtlicher etablierter
Vertriebswege in Umlauf bringen werden – genau darin besteht eines
der größten Potenziale des digitalen Films.
Literatur
Das digitale Kino, m. DVD-Video
von Marille Hahne (Hrsg.)
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Erscheinungsdatum: Januar 2005
ISBN: 3894723971
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Mit High Definition ins digitale Kino
von Philipp Hahn
Broschiert
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Erscheinungsdatum: September 2005
ISBN: 3894724013
Preis bei Amazon.de: EUR 12,90
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Digitale Filmherstellung. Die Veränderungen in Kunst und Handwerk des
Filmemachens.
von
Thomas H. Ohanian und Michael E. Phillips
Taschenbuch - 300 Seiten Fachbuchverlag Andreas A. Reil
Erscheinungsdatum: 2001 ISBN: 3932972961
Preis bei Amazon.de: EUR 69,-
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Digitaler Film – digitales Kino.
von
Peter C. Slansky (Hrsg.)
UVK Verlagsgesellschaft mbH - Konstanz 2004 400 Seiten ISBN:
3-89669-431-6
Preis bei Amazon.de: EUR 34,-
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Quellen
Gundolf S. Freyermuth: »Stars von der Stange. 'Natürliche'
Schauspieler - eine aussterbende Spezies?« (Report/Computeranimation),
in: c't 7/1997, S. 94 (ae).
Gundolf S. Freyermuth: »Synthetische Realitäten. Träume
werden wahr im Digitalen Kino« (Essay/Digitales Kino), in: c't
16/2000, S. 206 (bb).
Tom Sperlich: »Digitale Kreaturen. Charakteranimation auf dem
Weg zum 'virtuellen Menschen'« (Report: Computeranimation), in: c't
3/1995, S. 92 (ae).
Bernd Willim: »Homo digitalis. Virtuelle Menschen sollen den
Cyberspace erobern« (Report/Computeranimation), in c't 12/1996,
S. 114 (ae).
Bernd Willim: »Charaktere beleben. Körperanimation per Motion
Capture« (Report/Computeranimation), in: c't 11/1996, S. 138 (ae).
Bernd Willim: Leitfaden der Computer Grafik. Visuelle
Informationsdarstellung mit dem Computer. Grundlagen, Verfahren,
Einsatzbereiche. Berlin: Drei-R-Verlag 1989.
Siehe auch
Netmarks
Avica Technology: Avica Europe launches first country-wide
Digital Cinema Network. Ireland to be world's first Digital Cinema nation
(Pressemitteilung), 17. März 2005,
www.avicatech.com/press/3-17-2005.html,
www.avicatech.com/press/AvicaEur.pdf (PDF-Datei),
www.avicatech.com/press/BBC-Irishcinema.pdf (PDF-Datei))
David DelGrosso: DTS Technology, October 1996,
www.oz.net/blam/LaserDisc/dts_technology.htm.
Dolby Laboratories, Inc.: Dolby Sound im Kino,
www.dolby.de/consumer/motion_picture/dolby_in_pictures_tb01.html.
DTS: Brief History & Technology Overview,
www.dts.com/company/history/brief_history_and_technology_overview.pdf
(PDF-Datei).
Heise Online: Irische Kinos bald nur noch digital (News),
25.03.2005 12:42,
www.heise.de/newsticker/meldung/57923.
THX: THX Certified Cinema Overview,
www.thx.com/mod/services/cinemaServices.html.
THX: THX Milestones,
www.thx.com/mod/company/milestones.html.
Quelle und Lizenz
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Bildquellennachweise: |
• Promotionmaterial © Amazon.de. |
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• IBM PC 5150 - Der erste IBM-PC, dass Modell IBM 5150 mit zwei
Diskettenlaufwerken (weil ohne Festplatte) und einfacher
IBM-Tastatur. Die zehn Funktionstasten befinden sich links
(statt wie später am oberen Rand); auf dem PC läuft MS-DOS.
Quelle:
commons.wikimedia.org via
upload.wikimedia.org; Fotografie von User:Boffy b; Lizenz:
Dual lizenziert unter GNU Free Documentation License, Version
1.2, und Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5. |
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• Kanalkonfiguration bei Dolby Digital; Quelle:
www.dolby.de; Lizenz: Copyright Dolby Laboratories, Inc.
Dolby und das Doppel-D-Symbol sind eingetragene Warenzeichen von
Dolby Laboratories. |
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• Kanalkonfiguration bei Dolby Digital Surround EX; Quelle:
www.dolby.de; Lizenz: Copyright Dolby Laboratories, Inc.
Dolby und das Doppel-D-Symbol sind eingetragene Warenzeichen von
Dolby Laboratories. |
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• CinemaNet Europe, Content Management des digitalen Films;
Quelle:
www.delicatessen.org; Lizenz: Copyright © DCS Digital Cinema
Solutions GmbH 2004 und © 2005 Salzgeber & Co. Medien GmbH. |
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• CinemaNet Europe, Organisation im Kino; Quelle:
www.delicatessen.org; Lizenz: Copyright © DCS Digital Cinema
Solutions GmbH 2004 und © 2005 Salzgeber & Co. Medien GmbH. |
Anmerkungen
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