Ortsteil Berlin-Moabit
Von Agon S. Buchholz
für Kefk Network Berlin und
Wikipedia, November 2003.
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Erstellt/bearbeitet: 01-Sep-2005/03-Feb-06
Systemzeit: Sonntag, 07.09.2008, 14:01:42.
Home : Berlin : Gliederung : 2001 : Ortsteile : Moabit
Übersicht
Moabit ist ein Ortsteil im
Bezirk Mitte von Berlin. Bis
zur Verwaltungsreform 2001 war Moabit ein Ortsteil des ehemaligen
Stadtbezirks
Tiergarten.
Über Berlin hinaus ist Moabit durch die Untersuchungshaftanstalt und
das Kriminalgericht bekannt, weswegen Moabit oft als Synonym für das
Gefängnis verwendet wird: „Er sitzt in Moabit“ meint „Er ist
Insasse der Untersuchungshaftanstalt Moabit“.
Lage Moabits in Berlin:

Geografische Lage:
52°32'00
n.B. 13°20'00 ö.L. (Karten und Luftbilder aufrufbar).
Geografie
Der Stadtteil wird von den Wasserstraßen Spree, Berlin-Spandauer
Schifffahrtskanal, Westhafenkanal und Charlottenburger Verbindungskanal
umschlossen. Die Insel Moabit wird durch 23 Straßen-, Bahn- und
Fußgängerbrücken mit der umgebenden Stadtlandschaft verbunden. Die
trennende Wirkung der Wasserläufe wird im Norden und Osten durch
ausgedehnte Bahnanlagen und den Westhafen noch verstärkt.
Name
Die Herkunft des Namens Moabit ist umstritten. Sehr wahrscheinlich
lässt sich die Bezeichnung auf die ersten Bewohner dieses Gebietes, die
Hugenotten, zurückführen. Die französischen Glaubensflüchtlinge nannten
ihren neuen Wohnsitz in Anlehnung an das Alte Testament terre de Moab,
denn sie fanden hier ebenso Zuflucht, wie die Israeliten nach dem Auszug
aus Ägypten im Land der Moabiter, bevor ihnen der Einzug ins Land Kanaan
gestattet wurde.
Möglich, wenn auch weniger wahrscheinlich, ist eine Herkunft von
terre maudit (verfluchtes Land) oder dem slawischen Wort moch (Moor)
bzw. ein verkürzte Aussprache des Wortes Moorjebiet.
Geschichte und Entwicklung
Beginn der Besiedelung
Das Gebiet des heutigen Moabit war ab dem 13. Jahrhundert als Große
Stadtheide unter Berliner Verwaltung und diente als Viehweide. Im 15.
Jahrhundert wurden die Ländereien westlich Berlins Eigentum der
brandenburgischen Kurfürsten, die die wildreichen Wälder südlich der
Spree zu ihrem Jagdgebiet, dem Tiergarten, machen. Dem Wachstum der
Residenzstadt unter dem Großen Kurfürst Friedrich Wilhelm fallen Teile
des Tiergartens zum Opfer, was durch die Erweiterung um den Hinteren
Tiergarten nördlich der Spree kompensiert wird. Das gesamte Jagdrevier
wird bis 1859 mit einem Wildgatter versehen.
Die Besiedelung des heutigen Moabit beginnt 1685 mit dem Bau des
Staakensetzerhaus an der Westgrenze des Wildparks. 1698 überlässt
Kurfürst Friedrich III. den auf dem Areal des heutigen Humboldthafens
liegenden Weinberg dem Hugenotten Menardié, der hier ein Gasthaus
betreibt. Im Jahr 1717 siedelt König Friedrich Wilhelm I. zwischen der
heutigen Straße Alt-Moabit und der Spree Hugenotten an. Die
Glaubensflüchtlinge sollen hier Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht
anpflanzen, was jedoch an der unzulänglichen Qualität der Böden
scheitert. So werden die Grundstücke schon zehn Jahre später für andere,
meist gärtnerische Zwecke verwendet und es entstehen hier die ersten
Sommersitze Berliner Bürger.
In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts beginnt auch die
militärische Nutzung großer Teile des Gebiets von Moabit. Die
königlichen Pulverfabriken westlich des Moabiter Weinbergs machen 1717
den Anfang und bis 1734 dehnen sich die militärischen Anlagen bis dicht
an die Hugenotten-Kolonie aus. Die Bezeichnung Pulverwiesen für die
Spreewiesen südlich der Militäranlagen hält sich bis zum Ende des 19.
Jahrhunderts.
Im westlichen Teil des heutigen Moabit, der damals noch zu
Charlottenburg gehört, eröffnet 1735 ein Franzose eine Schenke. Der
wegen seiner geringen Größe petit Martin oder berlinisch Martinicken
genannte Wirt gibt dem damals unbebauten Feld den Namen
Martinickenfelde. Es ist das Gebiet des späteren Fabrikenviertels von
Moabit.
Zwei Westfalen erhalten um 1769 Ländereien von Friedrich II. im
Gebiet des heutigen Westfälischen Viertels von Moabit. Ihnen wird
auferlegt, die Brandenburger darin zu unterrichten, lebende Hecken nach
westfälischer Art zur Einfriedung ihrer Höfe anzulegen. Die Westfalen
errichten auf ihren Anwesen Gaststätten, die sich steigender Beliebtheit
bei der Stadtbevölkerung des ausgehenden 18. Jahrhunderts erfreuen.
Moabit ist damit zu dieser Zeit ein Naherholungsgebiet mit ländlichem
Charakter.
Industrialisierung
Moabit wurde besonders im ausgehenden 19. Jahrhundert immer stärker
bevölkert. Die besiedelte Fläche nahm zu und viele Großindustrien wurden
durch den Neubau von Mietskasernen nach Wedding verdrängt. Die
Großindustriellen rechneten sich aus, dass mit Miete mehr Geld zu
verdienen sei als mit der Produktion von Gütern. Außerdem sind
Mietwohnungen weniger von der Wirtschaftlichen Lage abhänging, sondern
bringen immer einen regelmäßigen Ertrag. So wurde aus dem ehemligen
Produktionsgebiet ein reines Arbeiter-Wohnviertel.
Arbeiterbewegung
Große Teile von Moabit sind traditionelle Arbeiterwohnviertel; Teile
davon hatten politisch aktive Bewohner, so beispielsweise der rote
Beusselkiez oder der benachbarte Rostocker Kiez, und galten nach der
Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 als
kommunistische Widerstandszellen.
Bevölkerungsentwicklung
Moabit war lange Zeit so gut wie unbewohnt, die Einwohnerzahl wuchs
nach der Eingemeindung (1861) jedoch rasch:
- 1716: Entstehung der Kolonie Moabit (»Alt-Moabit«)
- 1801: 120 Einwohner
- 1805: 201 Einwohner
- 1818: Entstehung von Neu-Moabit, Zusammenwachsen mit Alt-Moabit
zu einer Industrievorortgemeinde
- 1835: 709 Einwohner
- 1861: etwa 6.534 Einwohner, Eingemeindung nach Berlin
- 1871: 14.818 Einwohner
- 1880: 29.693 Einwohner
- 1910: 190.000 Einwohner
- 2004: 74.631 Einwohner
- 2005: 75.543 Einwohner
Verkehr
Moabit wird von S-Bahn und U-Bahn durchquert. Im Norden verläuft die
S-Ringbahn und hält an den Stationen Beusselstrasse und Westhafen. Im
Süden schneidet die Stadtbahn mit der Haltestelle Hauptbahnhof/Lehrter
Bahnhof in Insel. Die U-Bahnlinie 9 durchquert Moabit mittig in
Nord-Süd-Richtung mit den Bahnhöfen Westhafen, Birkenstrasse und
Turmstrasse. Zusätzlich verläuft der nördliche Abschnitt des Berliner
Regional- und Fernbahnnetzes parallel zur S-Bahn mit Abzweigung zum
Lehrter Bahnhof/Hauptbahnhof.
Die Buslinien 101, 123, 126, 187, 245, 342, 343, M27, TXL durchqueren
ebenfalls Moabit.
Bauwerke
Moabit beherbergt einige architektonisch und industriegeschichtlich
bedeutende Bauten:
- St. Johannis, erbaut 1835 von Karl Friedrich Schinkel, erweitert
1857 von Friedrich August Stüler
- Hamburger Bahnhof, erbaut 1846–1847
- Untersuchungshaftanstalt Moabit und Kriminalgericht Moabit,
1877–1882, Erweiterung des Kriminalgerichts um den heute noch
erhaltenen Neubau 1902-1906 nach Plänen von Karl Vohl im Stil des
Wilhelminischen Barock
- Moabiter Markthalle, fertiggestellt 1891
- Kraftwerk Moabit, erbaut 1899–1901 als zweites Berliner
Drehstromkraftwerk nach Plänen von Franz Schwechten
- Westhafen, erbaut 1914-1927 in mehreren Etappen nach Plänen des
Stadtbaurats Friedrich Krause mit von Richard Wolffenstein
gestalteten Hafengebäuden; größter Hafen Berlins
- AEG-Turbinenfabrik, bedeutendes Beispiel der
Industriearchitektur in Deutschland, erbaut 1909 von Peter Behrens
- Berlin Hauptbahnhof, Baubeginn 1995, noch im Bau
- Bundesministerium des Inneren
Berühmte Moabiter
- Brüder Sass - Panzerknacker
- Barbara Schöneberger - Moderatorin
- Kurt Tucholsky - Schriftsteller
Siehe auch
Weitere Ortsteile Berlins im Bezirk Mitte:
- Mitte
- Hansaviertel
- Tiergarten
- Wedding
- Gesundbrunnen
Literatur
Olaf Saeger: Moabiter Details - Schatten im Paradies, Berlin 1995, ISBN
3925191593
Jürgen Karwelat: Insel Moabit. Eine Dreiviertel-Rundfahrt mit dem Schiff,
ISBN 3925702067
Helmut Engel: Das Poststadion in Moabit: Baudenkmal, Sportstätte,
Kieztreff
Netmarks
Eintrag zu Moabit im Berliner Bezirkslexikon der Edition Luisenstadt,
www.luise-berlin.de/Lexikon/Mitte/m/Moabit.htm.
Moabit online,
www.moabitonline.de.
Moabiter Ratschlag,
www.moabiter-ratschlag.de.
Online-Magazin des Quartiersmanagement Moabit-West, also rund um die
Beusselstraße,
www.moabitwest.de.
Kulturfabrik Moabit,
www.kulturfabrik-moabit.de.
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart,
www.hamburgerbahnhof.de.
Über die Inschriften am U-Bahnhof Westhafen,
www.inscrire.com/index.php?navi=content&npoint=12,0,0,0.
HT 21 Hansa Theater,
www.hansatheater-berlin.de.
Sonja Honold: Der Stadtbezirk Tiergarten-Moabit - Seminararbeit aus der
Lehrveranstaltung Grundlagen Baugeschichte 1 am Fachbereich Kunst
- Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege der Technischen
Fachhochschule Berlin aus dem Jahr 2000,
www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/arc/7481.html.
Quelle und Lizenz
Anmerkungen
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