- M1
- Alte Pfarrkirche
- Ältestes Bauwerk am Ort
- M2
- Rathaus
- Trauzimmer vom Fischerkietz
- M3
- Bürgerpark
- Am Strande der Panke
- M4
- Denkmal
- Denkmal für Julius Fucik
- M5
- Wohnanlage Paul-Francke-Straße
- Ideal zum Wohnen
- M6
- Majakowskiring
- Ringstraße atmet Geschichte
- M7
- Schloßpark
- Entworfen von Lenné
- M8
- Freibad Pankow
- Ein Bad für Tausende
Diese Route führt quer durch Pankow. Sie beginnt am alten Dorfanger,
der einst weit vor den Toren Berlins gelegenen Gemeinde, der heutigen
Johannes-R.-Becher-Straße, führt am roten Backsteinbau des alles
überragenden Rathauses vorbei und lädt dann im weitläufigen Bürgerpark
zum Verweilen ein.
In der Grabbeallee lohnt es, ein wenig mehr über die Baugeschichte
dieser Straße zu erfahren. Im Schloßpark Niederschönhausen kann man
entlang der Panke zum Freibad bummeln und von dort durch die schattigen
Seitenstraßen in Richtung Pankow Kirche. Das ursprüngliche Angerdorf
Pankow wurde um 1230 gegründet, ist also etwa so alt wie BerlinCölln.
Von der Doppelstadt 1370 erworben, ging es ihr später wieder verloren
und wurde 1691 kurfürstlicher Besitz. Zum Ausgangspunkt der Route
gelangt man mit der S-Bahn bis Bahnhof Pankow und weiter (eine Station)
mit Bus oder Straßenbahn (jede der hier vorbeifahrenden) bis Haltestelle
Pankow Kirche. Geradewegs aus dem Stadtzentrum mit der Linie A der
U-Bahn kommend, kann man ab Vinetastraße (Endstation der U-Bahn) die
Straßenbahnlinien 22, 46 und 49 benutzen.
Empfehlenswert ist es, zur Fahrt nach Pankow die genannten
Straßenbahnlinien zumindest ab UBahnhof Dimitroffstraße zu benutzen,
weil man so, bequem sitzend, bereits während der Anfahrt die
kilometerlange Geschäftsstraße zwischen Kastanienallee und Pankow Kirche
kennenlernen kann. Vielleicht reizt dieses oder jenes Teilstück der
Strecke zum Aussteigen auf dem Rückweg. Ein Gebäude zumindest sollte man
nicht übersehen, das Filmtheater Tivoli in der Berliner Straße27 (linke
Fahrbahnseite). Die wenigsten Besucher dieses Kinos wissen heute, daß
einst hier die Gaststätte Feldschlößchen stand, in der die Bilder laufen
lernten. Dort zeigte Max Skladanowsky im Jahre 1895 erstmals vor einem
kleinen Kreis geladener Gäste in einer Probevorführung seine le banden
Bilder.
Wenige Fahrtminuten vom Tivoli entfernt, an der Ecke Berliner Straße
/ Johannes-R.-BecherStraße, interessieren den Besucher dann wohl die
"lebenden Bilder" Pankows. Reizvoller erster Eindruck hier, ein Filigran
gestalteter Tröpfelbrunnen, Kinder an einem Klettergerüst darstellend.
Die Johannes-R.-Becher-Straße ist vielmehr ein langgestreckter Platz,
denn eine Straße. Sie entspricht in ihren heutigen Ausmaßen noch
ziemlich genau dem einstigen Dorfanger aus dem 18.Jahrhundert. Die ~
Alte Pfarrkirche ist das älteste Bauwerk am Ort. Sie wurde in
Feldsteinmauerwerk im 15. Jahrhundert gebaut. Nach einer Restaurierung
1832, an der auch Karl Friedrich Schinkel teil hatte, erhielt die Kirche
1858/59 die heute das Bild bestimmenden schlanken Türme durch Friedrich
August Stüler, sowie eine Geogotische Erweiterung des Langhauses.1906/08
erfolgte ein weiterer Anbau. Gleich hinter der Kirche auf einem breiten
Streifen zwischen zwei Fahrbahnen, kann man mehrmals in der Woche
zünftiges Markttreiben erleben. Doch auch an anderen Wochentagen
herrscht in dieser Gegend reger Einkaufstrubel, besonders in den
zahlreichen Geschäften auf der Nordseite der Straße. Über 60 Bauten
stehen in Pankow unter Denkmalschutz, dazu zählt auch der rote
Klinkerbau des~Rathauses mit neubarocken M 2 Anklängen. Sein 50 Meter
hoher Turm überragt alle Bauten ringsum.1901 bis 1902 wurde der Bau nach
Entwürfen von Wilhelm Johow errichtet; im Inneren bieten sich einige
Jugendstildekorationen. Besonders beliebt scheint dieses Haus bei
Brautpaaren zu sein. Sicherlich trägt das 1979 eröffnete Trauzimmer aus
dem Standesamt vom Fischerkietz, dort 1901/05 von Ludwig Hoffmann
eingerichtet, original hierher verpflanzt, zur Popularität dieses Ortes
bei. Wen der Ratskeller nicht zur ersten Rast verführt, der schreitet
weiter durch die Wilhelm-Kuhr-Straße zum ~ Bürgerpark, den M 3 man hier
durch ein dreigeteiltes, nach italienischem Triumphbogen-Vorbild
errichtetes Tor betritt. Der Park mit seinen gepflegten Anlagen, ab 1854
für einen Industriellen angelegt, kann als der südliche Ausläufer der
sich nach Nordwesten erstreckenden Schönholzer Heide angesehen werden.
Seltene Bäume, großzügig angeordnete Blumenrabatten, Liegewiesen,
Spielplätze, eine Parkbücherei und ein Parkcafé locken zahlreiche
Besucher in den zu jeder Jahreszeit reizvollen Park.
Anschauenswert auch ein zwischen Miniaturfelsen eingebettetes
Tiergehege. Wenn man von den kleinen Hügeln über den Parkzaun auf die
Wilhelm-Kuhr-Straße schaut, dann sollte man sich eines Pankower
Erfinders erinnern. Im Haus Nr.3 erfand und produzierte 1903 der
Glasmacher Reinhold Burger die Thermosflasche, im Patentamt unter der
Bezeichnung "Warm- und Kalthalteflasche" registriert. Übrigens war
Burger ein renommierter Erfinder, und seine Thermosflasche war, ob ihres
von jedermann anerkannten Gebrauchswertes, nur die populärste Erfindung.
Seine Nachfahren haben die Firma bis in die Gegenwart erhalten und
produzieren heute wissenschaftliche Geräte. Die Straße allerdings trägt
den Namen des Pankower Bürgermeisters, der Anfang dieses Jahrhunderts
verhinderte, daß das Gelände des Bürgerparks einer Bodenspekulation zum
Opfer fiel.
So wurde durch Ankauf des riesigen Terrains durch die Stadt dieser
Park der Bevölkerung erhalten. Die Panke, ein kleines Flüßchen, gab dem
Stadtbezirk seinen Namen. Die schönste Uferpromenade des hier schnell
fließenden Gewässers kann man im Bürgerpark entlang schlendern. Der Weg
führt über eine malerisch in die Landschah gefügte Holzbrücke zum
nordöstlichen Ausgang des Parks.
Dort steht zwischen aufstrebenden Kiefern ein aus weißen Steinsäulen
gestaltetes Denkmal zu Ehren des von den Faschisten ermordeten
tschechischen Schriftstellers Julius Fucik. Der letzte Satz aus seiner
"Reportage unter dem Strang geschrieben" mahnt in großen Lettern in den
Stein gehauen: "Menschen, ich hatte Euch lieb, Seid wachsam! " Das
Mahnmal, geschaffen vom tschechischen Bildhauer Zdenek Némecik, ist ein
Geschenk der CSSR-Jugend an die Gastgeberstadt Berlin aus Anlaß der X.
Weltfestspiele der Jugend und Studenten im Jahre 1973.
Der Weg führt an dieser Stelle aus dem Bürgerpark hinaus, überquert
die Heinrich-Mann-Straße und biegt in die Grabbeallee ein. Auf deren
rechter Seite, kurz vor der Einmündung des Majakowskiringes erstreckt
sich die ~ Wohnanlage PaulFrancke-Straße. Diese wurde kurz vor dem
ersten Weltkrieg nach Plänen des Architekten Paul Mebes errichtet. Er
schuf damit ein bemerkenswertes Beispiel für den Wohnungsbau in einer
Stadt der Massenquartiere. Gegen den Mietskasernenbau gingen seit Ende
des 19. Jahrhunderts insbesondere namhafte Architekten, aber auch
bekannte Vertreter der Arbeiterbewegung wie Karl Liebknecht, Clara
Zetkin und Paul Singer an. Bereits Anfang der neunziger Jahre hatte der
Architekt Alfred Messel einen Idealplan für eine Blockbebauung ohne
Hinterhöfe ausgearbeitet, aber erst zehn bis fünfzehn Jahre später
konnten die Ideen, vorerst noch in bescheidenem Umfang, in einigen
Gegenden der Stadt verwirklicht werden. So auch hier in der
Paul-Francke-Straße. Deshalb ist diese in sich geschlossene Wohnsiedlung
aus dreistöckigen Häusern ohne Hinterhöfe bauhistorisch interessant.
Besonders beachtenswert ist die guterhaltene Materialstilarchitektur
unter Verwendung Rathenower Handstrichziegel. Zierplastiken vom
Bildhauer Walter Schmarje bereichern die Fassaden auf ihre Weise. Der
durchgrünte Komplex wird durch Kinderspielplätze ergänzt. Heute ein
selbstverständliches Bild in zahlreichen Wohngegenden, zur Zeit des Baus
dieser Häuser jedoch revolutionierende Gestaltung eines Wohnensembles.
Wenige Schritte weiter führt der Weg rechts in den Majakowskiring in
Richtung Schloßpark. Hier finden wir das Haus Nr.29, in dem der erste
Präsident der DDR, Wilhelm Pieck, von 1945 bis zu seinem Tode 1960
wohnte. Eine Bronzetafel erinnert an den bewährten Arbeiterführer und
Staatsmann. Ebenso weist eine Tafel auf der parallel verlaufenden Straße
des Ringes, am Haus Nr.46, auf den ehemaligen Wohnsitz des ersten
Ministerpräsidenten unseres Landes, Otto Grotewohl. Er lebte von 1950
bis 1964 dort. Beide Häuser werden heute für gesellschaftliche Zwecke
genutzt. Am Majakowskiring Nr.34 befindet sich eine kleine Villa, in der
Johannes R. Becher seit seiner Rückkehr aus der Moskauer Emigration
wohnte. Der führende Repräsentant der sozialistischen deutschen
Nationalliteratur war von 1945 bis zu seinem Tode 1958 Präsident des
Kulturbundes und ab 1954 der erste Minister für Kultur der DDR. Nach
seinem Ableben verblieb in diesem Haus das Johannes-R.-Becher-Archiv der
Akademie der Künste. Seit dem 90. Geburtstag des Dichters, 1981, sind
mehrere Räume des Hauses als Gedenkstätte eingerichtet und der
Öffentlichkeit zugänglich.
Der Majakowskiring mündet mit seinem östlichen Zugang in die
Ossietzkystraße. Diese überquerend, betritt man den ~ Schloßpark. Ein
der Öffentlichkeit nicht zugänglicher Teil des Parkes umgibt das Schloß
Niederschönhausen. Es wurde nach 1669 durch Johann Arnold Nering und
dann 1704 nach Plänen Eosander v. Göthes unter Verwendung des ehemaligen
Dohnaschen Gutshauses erbaut. Hier lebte von 1740 bis 1794 Königin
Elisabeth Christine, die von Friedrich II. verstoßene Gemahlin. Die
jetzige Gestalt des Schlosses entspricht der 1763/64 durch Johann
Boumann beim Wiederaufbau nach dem Siebenjährigen Kriege ausgeführten
Fassung. Von 1949 bis 1960 war das Schloß Sitz des Präsidenten und
danach vorübergehend Sitz des Staatsrates der DDR. Jetzt ist es
Gästehaus der Regierung und häufig Residenz führender ausländischer
Staatsmänner, die die Hauptstadt besuchen. Der Wanderweg führt
geradewegs durch den schattigen (im englischen Stil nach Entwürfen von
Peter Joseph Lenné gestalteten) Park mit seinen alten Bäumen, überquert
die sich hier hindurchschlängelnde flache Panke und kommt zum ~ Freibad
Pankow.
Ende der fünfziger Jahre wurde es im Nationalen Aufbauwerk
geschaffen. Die Berliner Bevölkerung leistete dazu
HunderttausendefreiwilligerArbeitsstunden unentgeltlich. Schwimmer-,
Nichtschwimmer- und Sprunghecken sind zu einem fast viereinhalbtausend
Quadratmeter großen See vereinigt. Ein Sprungturm mit zehn Metern Höhe
überragt die 13 Hektar große Anlage. Speziell für die sportliche
Betätigung in den Wintermonaten wurde eine Volksschwimmballe am
Haupteingang Wolfshagener Straße errichtet.
Der weitere Weg ab Parkeingang des etwa 10000 Erholungssuchende
fassenden Bades führt über die Straße Am Schloßpark bis zur links
abbiegenden Kavalierstraße und durch dienewiederzur
Johannes-R.-Becher-Straße. Diese überquereng, trifft man auf das Haus
Nr.45, das sogenannte Kavaliershaus, eines der Baudenkmale, die am
ehemaligen Dorfanger erhalten blieben. Es wurde im 18.Jahrhundert als
kleines, eingeschossiges Landhaus erbaut. Barocke Gartenplastiken im
Vorgarten stellen die vier Temperamente dar. Es sind Kopien der im
Bode-Museum befindlichen Originale.
Bis zur Berliner Straße braucht man nur wenige Schritte. Durch diese
Geschäftsstraße geht es geradewegs zum S-Bahnhof Pankow, dem Ende dieser
Route. Bevor der Bahnhof erreicht ist, passiert
manaufderrechtenSeitedas1912erbautePankower Postamt. Schräg gegenüber
erstreckt sich der Komplex einer Zigarettenfabrik. Das Hauptgebäude
wurde 1906 mit Jugendstilanklängen erbaut, ein Erweiterungstrakt stammt
von Fritz Höger (1930/31). In der danebenliegenden ehemaligen Villa des
Zigarettenfabrikanten Garbaty residierte über Jahrzehnte der bulgarische
Botschafter, bis er sein neues Domizil in der Leipziger Straße bezog.
[Ende der Tour M]