Grenzübergänge, System der Grenzanlagen und Fluchtunternehmungen
Die befestigten Grenzanlagen zwischen der DDR und West-Berlin an den
Außengrenzen der Bezirke Reinickendorf, Spandau, Zehlendorf, Steglitz,
Tempelhof und Neukölln erstreckten sich insgesamt über 114,6 Kilometer.
Am 13. August 1961 wurden von 81 Übergängen an den Sektorengrenzen
zwischen West- und Ost-Berlin 69 Übergänge sofort gesperrt und noch im
selben Monat weitere fünf.
Zwischen West- und Ost-Berlin gab es nun nur noch folgende sieben
Übergänge:
- Friedrichstraße ("Checkpoint Charlie") zwischen Kreuzberg (Westen)
und Mitte (Osten). Dieser Übergang war ausschließlich den alliierten
Streitkräften, Angehörigen des diplomatischen Korps und Ausländern
vorbehalten.
- Bornholmer Straße zwischen Wedding (Westen) und Prenzlauer Berg
(Osten);
- Heinrich-Heine-Straße zwischen Kreuzberg (Westen) und Mitte
(Osten).
- Chausseestraße zwischen Wedding (Westen) und Mitte (Osten);
- Invalidenstraße zwischen Tiergarten (Westen) und Mitte (Osten);
- Oberbaumbrücke zwischen Kreuzberg (Westen) und
Friedrichshain (Osten);
- Sonnenallee zwischen Neukölln (Westen) und Treptow (Osten)
Diese Übergänge waren für West-Berliner bestimmt. Der Übergang
Bahnhof Friedrichstraße war nur den Benutzern der S- und ab 1964 auch
der U-Bahn zugänglich.
Im Sommer 1989 belief sich das DDR-Grenzsicherungssystem "Rings um
Berlin (West)" auf 155 Kilometer, davon waren 106 Kilometer
Betonplattenwand mit aufmontiertem Rohr und 66,5 Kilometer
Metallgitterzäune. Ferner umfaßten die Grenzanlagen 302
Beobachtungstürme, 20 Bunker und 259 Hundelaufanlagen.
Der Schießbefehl erlaubte es den Grenzsoldaten, zur Unterbindung von
Fluchtversuchen von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Vom 13. August
1961 bis zum 9. November 1989 gab es an der innerdeutschen Grenze
insgesamt 265 und davon an der Berliner weit über 100 Todesopfer in
Zusammenhang mit Fluchtversuchen (lt. Senatsverwaltung für Justiz). Die
Zahl der geglückten Fluchtversuche betrug 5075, davon waren 574 Personen
Angehörige bewaffneter Verbände.
Bereits am 19.August 1961 starb Rudolf Urban (47 Jahre alt) bei dem
Versuch, sich aus seinem auf Ost-Berliner Gebiet stehenden Wohnhaus in
der Bernauer Straße zur Westseite hin abzuseilen.
Am 17. August 1962 starb Peter Fechter mit 18 Jahren direkt hinter
der Mauer in der Kreuzberger Zimmerstraße unweit des Checkpoint Charlie
einen qualvollen Tod. Er hatte zusammen mit einem Kollegen einen
Fluchtversuch unternommen. Während jenem die Flucht gelang, verblutete
Peter Fechter, von mehreren Schüssen in Bauch und Lunge
getroffen. Er hatte 50 Minuten auf dem von West-Berliner Seite nicht
zugänglichen Grenzstreifen gelegen, ohne Hilfe von den östlichen
Grenztruppen zu erhalten.
Die letzten beiden Opfer an der Berliner Mauer waren der 20jährige
Chris Gueffroy, der am 6. Februar 1989 bei einem Fluchtversuch in
Treptow erschossen wurde, und Winfried Freudenberg, der am 8.Mai 1989
mit seinem selbstgebastelten Ballon über Zehlendorf abstürzte.
Quellen: Ingolf Wernicke: Die Berliner Mauer 1961-1989.
In:
Die Berliner Mauer. Berlin:
Jaron
Verlag 1999.