Das Jahr 1989 war von einer Massenflucht aus der DDR
geprägt, die zu einer ernsthaften Krise innerhalb der SED führte.
Nachdem am 8. August etwa 100 Menschen in die Ständige Vertretung der
Bundesrepublik Deutschland in Ost-Berlin geflohen waren, um ihre
Ausreise zu erzwingen, überschritten am 19. August 1989 rund 900 Bürger
der DDR und viele Ost-Berliner bei Sopron in Ungarn mit Duldung der
Behörden die Grenze nach Österreich. Tausende von DDR-Bürgern baten bei
den bundesdeutschen Botschaften in Warschau und Prag um Aufnahme und
erzwangen ihre Ausreise auf diplomatischem Wege mit der Unterstützung
von Polen und der Tschechoslowakei.
Am 18. Oktober 1989 trat der Staats- und Parteichef der SED, Erich
Honecker, zurück. Am 4. November 1989 demonstrierten eine halbe Million
Menschen während der größten Massenkundgebung in der Geschichte der DDR
auf dem Alexanderplatz für Demokratie und das Ende der SED-Herrschaft.
Am Abend des 9. November 1989 gab der Chef der Bezirksleitung Berlin der
SED und Mitglied des Politbüros, Günter Schabowski, bekannt, daß ab
sofort Bürger der DDR ohne größere Formalitäten ausreisen könnten. Am
späten Abend, gegen 23 Uhr 15, gab aufgrund des großen Ansturms am
Grenzübergang Bornholmer Straße ein Hauptmann der Grenztruppen den
Befehl zur
Öffnung der Grenze. Weitere Kontrollstellen wurden in derselben Nacht
ebenfalls geöffnet. Die Menschen in der DDR und Ost-Berlin erhielten zum
ersten Mal nach 28 Jahren wieder freien Zugang nach West-Berlin. Die
Mauer war damit faktisch gefallen.
Am 3. Oktober 1990 erfolgte der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik
Deutschland und damit die Wiedervereinigung beider Staaten.
Quellen: Ingolf Wernicke: Die Berliner Mauer 1961-1989.
In:
Die Berliner Mauer. Berlin:
Jaron
Verlag 1999.