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Geschichte Berlins

Berlin : Geschichte : 1933 bis 1945
25-Apr-1989/06-Jan-06


 

Zwischen Reichstagsbrand und Befreiung

1933 bis 1945

Als die Nazis 1933 an die Macht gelangten, war Berlin noch eine intakte Stadt. Nach zwölf Jahren des Ungeistes, des Terrors und des Krieges war es nur noch ein Trümmerhaufen.

Mit Brand und Flammen begannen die Faschisten ihr unheilvolles Wirken. Einen Monat nach ihrem Machtantritt brannte in Berlin der Reichstag, ein von den Nazis entfachtes Signal zur systematischen physischen Vernichtung ihrer Gegner, ein Fanal für die Welt. Was folgte, war die unbarmherzige Verfolgung aller, die sich für die progressive Entwicklung Berlins eingesetzt hatten, die Zerstörung der Errungenschaben, mit denen Berlin zu einer in der Welt geachteten Kulturmetropole geworden war. MörderischerTerror richtete sich gegen Kommunisten und Sozialdemokraten, Gewerkschaber und jeden, der seine antifaschistische Haltung zu erkennen gab. Rassenwahn und Antihumanismus vergifteten die Atmosphäre.

Das kulturelle Leben Berlins verlor durch die faschistische "Ausrichtung" seine geistige Ausstrahlung. Künstlern wie Max Reinhardt und Erwin Piscator, Albert Bassermann und Elisabeth Bergner, Bruno Walter, Otto Klemperer und vielen anderen blieb nur der Weg ins Exil; der Schauspieler Hans Otto wurde von der SA zu Tode gefoltert, Joachim Gottschalk zum Selbstmord getrieben. Albert Einstein und weitere 150 Professoren und Dozenten wurden von der Berliner Universität verbannt; in die Emigration gingen Schriftsteller wie Bert Brecht, Thomas Mann, Alfred Döblin und Anna Seghers. Ihre Werke wurden von fanatisierten Nazistudenten auf Scheiterhaufen verbrannt. Demokratische Parteien und Organisationen traf das Verbot, in Berlin wurde die Stadtverordnetenversammiung aufgelöst und ein "Staatskommissar" residierte im Roten Rathaus.

Berlin, dessen Bewohner mehr als einmal den Faschisten eine Abfuhr erteilt hatten, war den Nazis nie recht geheuer. Ihre Massenaufmärsche ließen sie in Nürnberg, der "Stadt der Reichsparteitage", stattfinden; ihre Prunkbauten errichteten sie in München, der "Stadt der Bewegung". Pläne, auch Berlin durch eine "Neugestaltung" zu verändern, die Stadt zur "WelthauptstadtGermania" zu machen, blieben in den Anfängen stecken. DerWohnungsbau wurde radikal gedrosselt, er kam ab 1939 vollends zum Erliegen. Vorrang hatten Repräsentationsbauten wie die Neue Reichskanzlei und das ReichsluRfahrtministerium militärische Schaltzentralen des Oberkommandos der Wehrmacht, Kasernen und kriegswichtige Betriebe. Das faschistische Deutschland meldete seinen Anspruch auf die Weltherrscham an. Bei den Olympischen Spielen in Berlin gaukelte man der Öffentlichkeit noch Friedensbereitscham vor, der Krieg jedoch stand schon auf der Tagesordnung. Dem wurde schließlich alles geopfert - das Glück der Menschen, ihr Hab und Gut und letztlich ihr Leben. Es gab kein Jahr der braunen Herrschah, in dem nicht wahre Patrioten mit mutigen Taten bewiesen hätten, daß der Kampf gegen die Diktatur ungebrochen war. Berlin wurde zu einem Zentrum des antifaschistischen deutschen Wider standest Hier organisierten sich illegale Gruppen der KPD unter Robert Uhrig, Anton Saefkow, Herbert Baum, Heinz Kapelle; hier setzten aufrechte Solzial demobraten und christliche Antifaschisten ihr Leben ein, fanden sich Hitlergegner aus bürgerlichen Kreisen und selbst aus dem Offizierskorps. Ihr heldenhaher Einsatz wird unvergessen bleiben.

Der Krieg, der von Berlin ausging, erreichte auch diese Stadt. Im Januar 1943 begann die Zeit der massiven Bombardierungen. Bei 363 Luvangriffen wurden 45500 Tonnen Sprengstoff und Phosphor auf Berlin geworfen dadurch etwa 30000 Frauen, Männer, Kinder und Greise getötet, 185000 Wóhnungen völlig zerstört und mehr als das Doppelte an Wohnraum beschädigt. Die faschistischen Abenteurer, die sich zum Schluß im "Führerbunker" der Berliner Reichskanzlei verkrochen hatten, wollten nicht einen Stein auf dem anderen lassen. Darum befahlen sie, bevor sie flohen oder sich feige vor der Verantwortung durch Selbstmord drückten, Berlin als Festung zu verteidigen Straße für Straße, Haus für Haus. Doch ihren Untergang konnten sie nicht méhr aufhalten. Vom 16. April bis 2. Mai kämpften mehr als 2,5 Millionen Soldaten der Sowjetarmee in der Schlacht um Berlin. Ihr Sieg brachte die Befreiung des deutschen Volkes und auch der Berliner vom faschistischen Joch. Am 30. April wurde auf der Ruine des Reichstages die Rote Fahne gehißt, am 2. Mai kapitulierte die Reichshauptstadt, am 8. Mai in Berlin-Karlshorst das faschistische Deutschland bedingungslos.

1933 Am 30. Januar feiern die Nazis die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler mit einem Fackelzug Unter den Linden. Zur gleichen Zeit protestieren antifaschistische Berliner in allen Stadtbezirken, vor allem aber im Prenzlauer Berg und in Charlottenburg, gegen die Errichtung der Nazidiktatur.

Am 7. Februar tagt in Ziegenhals bei Zeuthen das ZK der KPD. Auf dervon Berliner Kommunisten illegal organisierten Tagung spricht Ernst Thälmann zum letzten Male zu den Genossen.

Am 23. Februar wird das Karl-Liebknecht-Haus von Polizei und SA besetzt und ausgeplündert.

Am 27. Februar, wenige Minuten nach 21 Uhr, brennt der Reichstag. Die von ihnen organisierte Brandstiftung nehmen die Nazis zum Anlaß eines Terrorfeldzuges gegen die KPD und alle antifaschistischen Kräfte. Noch in gleicher Nacht werden allein in Berlin 1500 Antifaschisten verhaftet. Reichspräsident Hindenburg erläßt eine Notverordnung Zum Schutz von Volk und Staat", mit der Verfassungs-Grundrechte aufgehoben und antifaschistische Tätigkeiten m it der Todesstrafe bed roht werden.

Am 3. März wird in Berlin Ernst Thälmann verhaftet.

Die von Hindenburg verordneten Neuwahlen finden am 5. März statt. In Berlin erhalten bei den unmittelbar danach abgehaltenen Wahlen für die Stadtverordneten die Arbeiterparteien KPD und SPD die absolute Mehrheit. Die Nazis lassen die kommunistischen Abgeordneten durch Ministererlaß ausschließen und unter Verdacht des Hochverrats" stellen.

Am 2. Mai besetzt die SA sämtliche Einrichtungen der freien Gewerkschaden. Auf dem Opernplatz (heute Bebelplatz) werden am 10. Mai von fanatisierten Jungfaschisten unter dem Kommando von Joseph Goebbels die Werke humanistischer deutscher und internationaler Literatur verbrannt.

Am 21. Juni beginnt die Köpenicker Blutwoche". Mehr als 500 Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Antifaschisten werden verhaftet, von SATrupps grausam gefoltert und 91 von ihnen ermordet.

1934 In Berlin nimmt der erste Fernsehsender den Probebetrieb auf. Ein Jahr später strahlt er als erster Sender der Welt ein offizielles Fernsehprogramm aus.

1935 Im Lustgarten werden die Parkanlagen beseitigt und die von Gottlieb Christian Cantian geschaffene Granitschale vom Platz vor dem Alten Museum in die Anlagen nördlich des Domes versetzt. Der Lustgarten wird planiert und dient nun als Aufmarschgelände.

1936 Am 27. Juli wird die Nord-Süd-Strecke der S-Bahn in Betrieb genommen.

Vom 1. bis 16. August finden in Berlin die Xl. Olympischen Spiele statt. Die faschistische Regierung versucht, der Welt das Bild eines friedliebenden Deutschland vorzugaukeln, doch Antifaschisten - unter ihnen der später von den Nazis ermordete deutsche Meister im Ringen Werner Seelenbinder - nutzen die Veranstaltungen, um die Wahrheit über das faschistische Regime zu verbreiten.

1937 Am 1. Januar tritt das Gesetz über die Verwaltung der Reichshauptstadt in Kraft, mit dem der Stadt die letzten Reste einer autonomen Verwaltung genommen werden. Alle Berlin betreffenden Maßnahmen müssen vom faschistischen Innenminister genehmigt werden.

Unter der direkten Anleitung von Gauleiter und Propagandaminister Joseph Goebbels wird eine 700-Jahr-Feier Berlins durchgeführt.

Von den faschistischen Machthabern werden Pläne zum Ausbau Berlins zur Welthauptstadt Germania" ausgearbeitet. Im Schnittpunkt mächtiger Magistralen -für deren Baufreiheit unzählige Wohnungen und, ohne Rücksicht auf historischen Wert, auch viele kulturelle Bauten abgerissen werden sollen - ist die Errichtung einer kuppelartigen Versammlungshalle für 180000 Menschen geplant. Sie soll 290 Meter hoch werden und eine Seitenlänge von 315 Metern haben.

1938 In der Pogromnacht vom 9. November, der sogenannten Kristallnacht, gehen die Nazis auch in Berlin gegen jüdische Mitbürger mit brutaler Gewalt vor. Geschäfte werden geplündert und Synagogen geschändet, darunter auch die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße.

In Berlin formieren sich die Widerstandsgruppen um Robert Uhrig und um Herbert Baum.

Auf der Funkausstellung gibt es erstmals Versuchssendungen für das Farbfernsehen.

Otto Hahn und Fritz Straßmann gelingt es im Dahlemer Institut erstmals, ein Atom zu spalten.

Die Siegessäule wird versetzt und aufgestockt.

1939 Am 1. September beginnt mit dem Überfall auf Polen der zweite Weltkrieg. In der Nacht zum 9. September verteilen Antifaschisten der Widerstandsgruppe Heinz Kapelle/ Erich Ziegler im Berliner Stadtzentrum Flugblätter gegen den faschistischen Krieg.

1940 Die Widerstandsgruppe um Robert Uhrig hat etwa 200 Mitglieder und feste Stützpunkte in 22 Berliner Betrieben. Enge Kontakte verbinden sie mit der Gruppe Harro Schulze-Boysen /Arvid Harnack ("Rote Kapelle").

Am 26. August - neunzehn Minuten nach Mitternacht - erlebt Berlin den ersten Lugangriff britischer Bomber.

1941 Dompropst Bernhard Lichtenberg von der St.-Hedwigs-Kathedrale wird verhaftet, weil er aus seiner antifaschistischen Einstellung kein Hehl macht. Er stirbt zwei Jahre später auf dem Transport ins KZ Dachau.

Im Herbst begingt die Deportation jüdischer Bürger in die Vernichtungslager. 1942 Im Februar gibt es Massenverhaftungen durch die Gestapo, denen u. a. etwa 200 Mitglieder der Widerstandsgruppe Uhrig zum Opfer fallen.

Am 18. Mai setzen Mitglieder der Gruppe um Herbert Baum eine faschistische Hetzausteilung im Lustgarten in Brand.

Im Herbst werden mehr als 130Angehörige der "Roten Kapelle" verhaftet. 31 Männer und 18 Frauen werden zum Tode verurteilt.

1943 Im Sportpalast verkündet Goebbels am 18. Februar den totalen Krieg

Im Sommer beginnt die Evakuierung. Binnen eines Jahres werden eine Million Einwohner aus der Stadt gebracht; insgesamt werden fast zwei Millionen Berliner evakuiert.

In der Nacht vom 22. auf den 23. August gibt es den ersten Luftangriff, bei dem mehr als 1000 Tonnen Bomben auf Berlin abgeworfen werden. Von nun an beginnt die Zerstörung der Stadt durch sogenannte Bombenteppiche.

1944 Am 25. Januar erfolgt die "totale Mobilmachung . Auch in Berlin werden u. a. alle Theater, Kabaretts und Museen sowie fast alle Verlage geschlossen. Die normale Arbeitszeit beträgt jetzt 60 Stunden in der Woche.

1945 Im Januar wird ein generelles Verbot erlassen, in Privathaushalten Gas zu verwenden. Öffentliche Verkehrsmittel dürfen nur noch mit Genehmigung benutzt werden. Goebbels erklärt am 1. Februar die Stadt Berlin zum "Verteidigungsbereich". Es beginnt der Bau von Schützengräben und Panzersperren.

Am 3. Februar erlebt Berlin seinen schwersten Luftangriff, der sich besonders gegen das Stadtzentrum richtet. Es werden etwa 3000 Menschen getötet und mehr als 6800 Wohnungen zerstört.

Hitler befiehlt am 9. März, die "Reichshauptstadt bis zum letzten Mann" zu verteidigen.

Am 16. April beginnt die Offensive der Sowjetarmee gegen Berlin. Am 20. April liegt das Stadtzentrum unter Artilleriefeuer, am 21. April überschreiten sowjetische Truppen die Stadtgrenze und am 24. April ist Berlin eingeschlossen. Sowjetische Truppen haben sich am 29. April bis auf 500 Meter an die Reichskanzlei herangekämpft. Am 30. April wird um 20.50 Uhr auf der Kuppel des Reichstages die Rote Fahne gehißt.

In seinem Bunker begeht Hitler Selbstmord.

Die Berliner Garnison unter General Weidling kapituliert am 2. Mai um 0.40 Uhr, und am 8. Mai unterzeichnet um 23.43 Uhr Generalfeldmarschall Keitel, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, in der ehemaligen Festungspionierschule in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation des faschistischen Deutschlands.

 

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