Als die Nazis 1933 an die Macht gelangten, war Berlin noch eine
intakte Stadt. Nach zwölf Jahren des Ungeistes, des Terrors und des
Krieges war es nur noch ein Trümmerhaufen.
Mit Brand und Flammen begannen die Faschisten ihr unheilvolles
Wirken. Einen Monat nach ihrem Machtantritt brannte in Berlin der
Reichstag, ein von den Nazis entfachtes Signal zur systematischen
physischen Vernichtung ihrer Gegner, ein Fanal für die Welt. Was folgte,
war die unbarmherzige Verfolgung aller, die sich für die progressive
Entwicklung Berlins eingesetzt hatten, die Zerstörung der
Errungenschaben, mit denen Berlin zu einer in der Welt geachteten
Kulturmetropole geworden war. MörderischerTerror richtete sich gegen
Kommunisten und Sozialdemokraten, Gewerkschaber und jeden, der seine
antifaschistische Haltung zu erkennen gab. Rassenwahn und Antihumanismus
vergifteten die Atmosphäre.
Das kulturelle Leben Berlins verlor durch die faschistische
"Ausrichtung" seine geistige Ausstrahlung. Künstlern wie Max Reinhardt
und Erwin Piscator, Albert Bassermann und Elisabeth Bergner, Bruno
Walter, Otto Klemperer und vielen anderen blieb nur der Weg ins Exil;
der Schauspieler Hans Otto wurde von der SA zu Tode gefoltert, Joachim
Gottschalk zum Selbstmord getrieben. Albert Einstein und weitere 150
Professoren und Dozenten wurden von der Berliner Universität verbannt;
in die Emigration gingen Schriftsteller wie Bert Brecht, Thomas Mann,
Alfred Döblin und Anna Seghers. Ihre Werke wurden von fanatisierten
Nazistudenten auf Scheiterhaufen verbrannt. Demokratische Parteien und
Organisationen traf das Verbot, in Berlin wurde die
Stadtverordnetenversammiung aufgelöst und ein "Staatskommissar"
residierte im Roten Rathaus.
Berlin, dessen Bewohner mehr als einmal den Faschisten eine Abfuhr
erteilt hatten, war den Nazis nie recht geheuer. Ihre Massenaufmärsche
ließen sie in Nürnberg, der "Stadt der Reichsparteitage", stattfinden;
ihre Prunkbauten errichteten sie in München, der "Stadt der Bewegung".
Pläne, auch Berlin durch eine "Neugestaltung" zu verändern, die Stadt
zur "WelthauptstadtGermania" zu machen, blieben in den Anfängen stecken.
DerWohnungsbau wurde radikal gedrosselt, er kam ab 1939 vollends zum
Erliegen. Vorrang hatten Repräsentationsbauten wie die Neue
Reichskanzlei und das ReichsluRfahrtministerium militärische
Schaltzentralen des Oberkommandos der Wehrmacht, Kasernen und
kriegswichtige Betriebe. Das faschistische Deutschland meldete seinen
Anspruch auf die Weltherrscham an. Bei den Olympischen Spielen in Berlin
gaukelte man der Öffentlichkeit noch Friedensbereitscham vor, der Krieg
jedoch stand schon auf der Tagesordnung. Dem wurde schließlich alles
geopfert - das Glück der Menschen, ihr Hab und Gut und letztlich ihr
Leben. Es gab kein Jahr der braunen Herrschah, in dem nicht wahre
Patrioten mit mutigen Taten bewiesen hätten, daß der Kampf gegen die
Diktatur ungebrochen war. Berlin wurde zu einem Zentrum des
antifaschistischen deutschen Wider standest Hier organisierten sich
illegale Gruppen der KPD unter Robert Uhrig, Anton Saefkow, Herbert
Baum, Heinz Kapelle; hier setzten aufrechte Solzial demobraten und
christliche Antifaschisten ihr Leben ein, fanden sich Hitlergegner aus
bürgerlichen Kreisen und selbst aus dem Offizierskorps. Ihr heldenhaher
Einsatz wird unvergessen bleiben.
Der Krieg, der von Berlin ausging, erreichte auch diese Stadt. Im
Januar 1943 begann die Zeit der massiven Bombardierungen. Bei 363
Luvangriffen wurden 45500 Tonnen Sprengstoff und Phosphor auf Berlin
geworfen dadurch etwa 30000 Frauen, Männer, Kinder und Greise getötet,
185000 Wóhnungen völlig zerstört und mehr als das Doppelte an Wohnraum
beschädigt. Die faschistischen Abenteurer, die sich zum Schluß im
"Führerbunker" der Berliner Reichskanzlei verkrochen hatten, wollten
nicht einen Stein auf dem anderen lassen. Darum befahlen sie, bevor sie
flohen oder sich feige vor der Verantwortung durch Selbstmord drückten,
Berlin als Festung zu verteidigen Straße für Straße, Haus für Haus. Doch
ihren Untergang konnten sie nicht méhr aufhalten. Vom 16. April bis 2.
Mai kämpften mehr als 2,5 Millionen Soldaten der Sowjetarmee in der
Schlacht um Berlin. Ihr Sieg brachte die Befreiung des deutschen Volkes
und auch der Berliner vom faschistischen Joch. Am 30. April wurde auf
der Ruine des Reichstages die Rote Fahne gehißt, am 2. Mai kapitulierte
die Reichshauptstadt, am 8. Mai in Berlin-Karlshorst das faschistische
Deutschland bedingungslos.
1933 Am 30. Januar feiern die Nazis die Ernennung
Hitlers zum Reichskanzler mit einem Fackelzug Unter den Linden. Zur
gleichen Zeit protestieren antifaschistische Berliner in allen
Stadtbezirken, vor allem aber im Prenzlauer Berg und in Charlottenburg,
gegen die Errichtung der Nazidiktatur.
Am 7. Februar tagt in Ziegenhals bei Zeuthen das ZK der KPD. Auf
dervon Berliner Kommunisten illegal organisierten Tagung spricht Ernst
Thälmann zum letzten Male zu den Genossen.
Am 23. Februar wird das Karl-Liebknecht-Haus von Polizei und SA
besetzt und ausgeplündert.
Am 27. Februar, wenige Minuten nach 21 Uhr, brennt der Reichstag. Die
von ihnen organisierte Brandstiftung nehmen die Nazis zum Anlaß eines
Terrorfeldzuges gegen die KPD und alle antifaschistischen Kräfte. Noch
in gleicher Nacht werden allein in Berlin 1500 Antifaschisten verhaftet.
Reichspräsident Hindenburg erläßt eine Notverordnung Zum Schutz von Volk
und Staat", mit der Verfassungs-Grundrechte aufgehoben und
antifaschistische Tätigkeiten m it der Todesstrafe bed roht werden.
Am 3. März wird in Berlin Ernst Thälmann verhaftet.
Die von Hindenburg verordneten Neuwahlen finden am 5. März statt. In
Berlin erhalten bei den unmittelbar danach abgehaltenen Wahlen für die
Stadtverordneten die Arbeiterparteien KPD und SPD die absolute Mehrheit.
Die Nazis lassen die kommunistischen Abgeordneten durch Ministererlaß
ausschließen und unter Verdacht des Hochverrats" stellen.
Am 2. Mai besetzt die SA sämtliche Einrichtungen der freien
Gewerkschaden. Auf dem Opernplatz (heute Bebelplatz) werden am 10. Mai
von fanatisierten Jungfaschisten unter dem Kommando von Joseph Goebbels
die Werke humanistischer deutscher und internationaler Literatur
verbrannt.
Am 21. Juni beginnt die Köpenicker Blutwoche". Mehr als 500
Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Antifaschisten werden
verhaftet, von SATrupps grausam gefoltert und 91 von ihnen ermordet.
1934 In Berlin nimmt der erste Fernsehsender den
Probebetrieb auf. Ein Jahr später strahlt er als erster Sender der Welt
ein offizielles Fernsehprogramm aus.
1935 Im Lustgarten werden die Parkanlagen beseitigt
und die von Gottlieb Christian Cantian geschaffene Granitschale vom
Platz vor dem Alten Museum in die Anlagen nördlich des Domes versetzt.
Der Lustgarten wird planiert und dient nun als Aufmarschgelände.
1936 Am 27. Juli wird die Nord-Süd-Strecke der
S-Bahn in Betrieb genommen.
Vom 1. bis 16. August finden in Berlin die Xl. Olympischen Spiele
statt. Die faschistische Regierung versucht, der Welt das Bild eines
friedliebenden Deutschland vorzugaukeln, doch Antifaschisten - unter
ihnen der später von den Nazis ermordete deutsche Meister im Ringen
Werner Seelenbinder - nutzen die Veranstaltungen, um die Wahrheit über
das faschistische Regime zu verbreiten.
1937 Am 1. Januar tritt das Gesetz über die
Verwaltung der Reichshauptstadt in Kraft, mit dem der Stadt die letzten
Reste einer autonomen Verwaltung genommen werden. Alle Berlin
betreffenden Maßnahmen müssen vom faschistischen Innenminister genehmigt
werden.
Unter der direkten Anleitung von Gauleiter und Propagandaminister
Joseph Goebbels wird eine 700-Jahr-Feier Berlins durchgeführt.
Von den faschistischen Machthabern werden Pläne zum Ausbau Berlins
zur Welthauptstadt Germania" ausgearbeitet. Im Schnittpunkt mächtiger
Magistralen -für deren Baufreiheit unzählige Wohnungen und, ohne
Rücksicht auf historischen Wert, auch viele kulturelle Bauten abgerissen
werden sollen - ist die Errichtung einer kuppelartigen Versammlungshalle
für 180000 Menschen geplant. Sie soll 290 Meter hoch werden und eine
Seitenlänge von 315 Metern haben.
1938 In der Pogromnacht vom 9. November, der
sogenannten Kristallnacht, gehen die Nazis auch in Berlin gegen jüdische
Mitbürger mit brutaler Gewalt vor. Geschäfte werden geplündert und
Synagogen geschändet, darunter auch die Neue Synagoge in der
Oranienburger Straße.
In Berlin formieren sich die Widerstandsgruppen um Robert Uhrig und
um Herbert Baum.
Auf der Funkausstellung gibt es erstmals Versuchssendungen für das
Farbfernsehen.
Otto Hahn und Fritz Straßmann gelingt es im Dahlemer Institut
erstmals, ein Atom zu spalten.
Die Siegessäule wird versetzt und aufgestockt.
1939 Am 1. September beginnt mit dem Überfall auf
Polen der zweite Weltkrieg. In der Nacht zum 9. September verteilen
Antifaschisten der Widerstandsgruppe Heinz Kapelle/ Erich Ziegler im
Berliner Stadtzentrum Flugblätter gegen den faschistischen Krieg.
1940 Die Widerstandsgruppe um Robert Uhrig hat etwa
200 Mitglieder und feste Stützpunkte in 22 Berliner Betrieben. Enge
Kontakte verbinden sie mit der Gruppe Harro Schulze-Boysen /Arvid
Harnack ("Rote Kapelle").
Am 26. August - neunzehn Minuten nach Mitternacht - erlebt Berlin den
ersten Lugangriff britischer Bomber.
1941 Dompropst Bernhard Lichtenberg von der
St.-Hedwigs-Kathedrale wird verhaftet, weil er aus seiner
antifaschistischen Einstellung kein Hehl macht. Er stirbt zwei Jahre
später auf dem Transport ins KZ Dachau.
Im Herbst begingt die Deportation jüdischer Bürger in die
Vernichtungslager. 1942 Im Februar gibt es Massenverhaftungen durch die
Gestapo, denen u. a. etwa 200 Mitglieder der Widerstandsgruppe Uhrig zum
Opfer fallen.
Am 18. Mai setzen Mitglieder der Gruppe um Herbert Baum eine
faschistische Hetzausteilung im Lustgarten in Brand.
Im Herbst werden mehr als 130Angehörige der "Roten Kapelle"
verhaftet. 31 Männer und 18 Frauen werden zum Tode verurteilt.
1943 Im Sportpalast verkündet Goebbels am 18.
Februar den totalen Krieg
Im Sommer beginnt die Evakuierung. Binnen eines Jahres werden eine
Million Einwohner aus der Stadt gebracht; insgesamt werden fast zwei
Millionen Berliner evakuiert.
In der Nacht vom 22. auf den 23. August gibt es den ersten
Luftangriff, bei dem mehr als 1000 Tonnen Bomben auf Berlin abgeworfen
werden. Von nun an beginnt die Zerstörung der Stadt durch sogenannte
Bombenteppiche.
1944 Am 25. Januar erfolgt die "totale Mobilmachung
. Auch in Berlin werden u. a. alle Theater, Kabaretts und Museen sowie
fast alle Verlage geschlossen. Die normale Arbeitszeit beträgt jetzt 60
Stunden in der Woche.
1945 Im Januar wird ein generelles Verbot erlassen,
in Privathaushalten Gas zu verwenden. Öffentliche Verkehrsmittel dürfen
nur noch mit Genehmigung benutzt werden. Goebbels erklärt am 1. Februar
die Stadt Berlin zum "Verteidigungsbereich". Es beginnt der Bau von
Schützengräben und Panzersperren.
Am 3. Februar erlebt Berlin seinen schwersten Luftangriff, der sich
besonders gegen das Stadtzentrum richtet. Es werden etwa 3000 Menschen
getötet und mehr als 6800 Wohnungen zerstört.
Hitler befiehlt am 9. März, die "Reichshauptstadt bis zum letzten
Mann" zu verteidigen.
Am 16. April beginnt die Offensive der Sowjetarmee gegen Berlin. Am
20. April liegt das Stadtzentrum unter Artilleriefeuer, am 21. April
überschreiten sowjetische Truppen die Stadtgrenze und am 24. April ist
Berlin eingeschlossen. Sowjetische Truppen haben sich am 29. April bis
auf 500 Meter an die Reichskanzlei herangekämpft. Am 30. April wird um
20.50 Uhr auf der Kuppel des Reichstages die Rote Fahne gehißt.
In seinem Bunker begeht Hitler Selbstmord.
Die Berliner Garnison unter General Weidling kapituliert am 2. Mai um
0.40 Uhr, und am 8. Mai unterzeichnet um 23.43 Uhr Generalfeldmarschall
Keitel, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, in der ehemaligen
Festungspionierschule in Berlin-Karlshorst die bedingungslose
Kapitulation des faschistischen Deutschlands.