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Geschichte Berlins

Berlin : Geschichte : 1918 bis 1933
25-Apr-1998/06-Jan-06


 

Zwischen Hoffnung und Diktatur

1918 bis 1933

Am Abend des 9. November 1918 war Berlin Hauptstadt einer Republik. Der Krieg war aus, der Kaiser vertrieben. Die Berliner waren voller Hoffnung auf eine friedliche Zukunft. Sie konnten nicht wissen, daß die finstersten Jahre ihrer Geschichte noch vor ihnen lagen. Die ein klares Programm für den Fortschritt hatten, die von der Spartakusgrupe, konnten es nicht verwirklichen, weil sie organisatorisch noch zu schwach waren, die in der Mehrheit waren, die Sozialdemokraten, verspielten die Macht, weil sie pseudorevolutionären Worten ihrer opportunistischen Führer ins Garn gingen. Schon bald ging die Konterrevolution in Berlin offen zum Angriff über. Schwerbewaffnete Regierungstruppen griffen mit Artillerie, Panzern und Flugzeugen wiederholt die revolutionäre Volksmarinedivision und die bewaffneten Arbeiter an, sie ermordeten ihre Führer. Trotz der blutigen Niederlage des Proletariats behauptete sich jedoch Berlin als eine Bastion der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung.

Ein Erfolg fortschrittlicher Krähe war u. a. die längst notwendig gewordene Neugliederung Berlins. Im Roten Rathaus, wo die Arbeiterparteien nach der Wahl im Frühjahr 1919 die Mehrheit hatten, wurde das vom preußischen Landtag beschlossene "Gesetz über die Bildung der neuen Stadtgemeinde Berlin" verkündet, das am 1. Oktober 1920 in Kraft trat. Dem historisch gewachsenen Kern, den Bezirken Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg, Tiergarten und Wedding, wurden die bisher selbständigen Städte Charlottenburg, Köpenick, Lichtenberg, Neukölln, Pankow, Schöneberg, Spandau und Wilmersdorf sowie weitere 59 Landgemeinden und 37 Gutsbezirke angegliedert. Das Stadtgebiet war nun mit 860 Quadratkilometern mehr als 1 000mal größer als das mittelalterliche Berlin. Mit 3,858 Millionen Einwohnern wurde Berlin drittgrößte Stadt der Erde.

In dieser Weltstadt kamen in jenen Jahren die Widersprüchlichkeiten der kapitalistischen Entwicklung besonders kraß zum Ausdruck. Auf der einen Seite gab es die materielle Not weitester Volksmassen und politische Spannungen von höchster Brisanz, auf der anderen einen Aufschwung von Wissenschah und Technik, eine Blütezeit von Kultur und Kunst.

Berlin, 1925 Sitz von 106 Konzernen und 915 Unternehmerverbänden, war größte Industriestadt des Kontinents. Allein die Metallindustrie beschäftigte eine Viertelmillion Arbeiter, in der Stadt wurden 74 Prozent aller elektrotechnischen Geräte in Deutschland produziert, 90 Prozent aller Glühlampen,63 Prozent der Telefonapparate und 60 Prozent aller Kabel. Es gab 3200 Bank-Niederlassungen, in denen 50000 Angestellte die finanzielle Abwicklung des wesentlichsten Teils der von Deutschland mit dem Ausland getätigten Geschähe überwachten.

In der ganzen Welt war Berlin als Kulturmetropole mit beispielhaherAusstrahlung anerkannt. Dorthin zog es Schriftsteller wie Brecht und Becher, Mann und Feuchtwanger, Kästner, Remarque und Döblin, dort wirkten fortschrittliche Journalisten wie Ossietzky, Tucholsky und Kisch, Künstlerwie Kollwitz, Nagel, Grosz und Heartfield. Progressive Architekten wie Gropius, Scharoun, Taut und Wagner vollbrachten exemplarische städtebauliche Leistungen vor allem bei der Anlage von Siedlungsgebieten am inneren Stadtrand.

Glanzvolle Aufführungen in den Theatern, politische Zeitbühnen, Kabaretts und Massenrevuen, aber auch der hektische Amüsierbetrieb ließen jene Jahre als die "Goldenen Zwanziger" zum Begriff werden.

Zugleich jedoch entzündeten sich in der Stadt die Klassenauseinandersetzungen immer hehiger. Der herangereisen Krise suchten die reaktionärsten Kreise der herrschenden Klasse durch die Unterdrückung der revolutionären Arbeiterbewegung, durch die Errichtung der offenen faschistischen Diktatur entgegenzuwirken. Doch es kam nicht zur Einheitsfront gegen die rechte Gefahr. Reformistische Führer der Sozialdemokratie und der Gewerkschaben lehnten 1932 das Zusammengehen mit der KPD ab. Das Finanzkapital konnte seinen Günstling Hitler an die Macht schieben.

1918 Am 9. November läßt sich der Vorsitzende der SPD, Friedrich Ebert, von der alten kaiserlichen Regierung Max von Badens zum Reichskanzler ernennen. Der alte kaisertreue Magistrat bleibt weiter im Amt. Von reaktionären Offizieren geführte Truppenteile der Berliner Garnison unternehmen am 6. Dezember einen Putschversuch. Bei einem bewaffneten Überfall auf eine friedliche Demonstration werden 14 Arbeiter erschossen. Am 23. und 24. Dezember versuchen schwerbewaffnete Regierungstruppen, den Sitz der revolutionären Volksmarinedivision im Marstall zu stürmen. Die Matrosen und klassenbewußte Arbeiter vereiteln das Vorhaben. Vom 30. Dezember 1918 bis zum 1. Januar 1919 findet der Gründungsparteitag der KPD im Preußischen Abgeordnetenhaus in der Leipziger Straße statt.

1919 Am 6. Januar gibt es in Berlin einen Generalstreik, weil konterrevolutionäre Verschwörer den der USPD angehörenden Polizeipräsidenten abgesetzt haben, Regierungstruppen setzen schwere Waffen ein. Die Kämpfe dauern bis zum 13. Januar und fordern 92 Todesopfer unter den Arbeitern Berlins. Konterrevolutionäre Truppen besetzen Berlin. Am 15. Januar werden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg von mordwütiger Soldateska umgebracht. In den Märzkämpfen setzt sich die BerlinerArbeiterklasse gegen 30000 NoskeSoldaten zur Wehr. Es gibt insgesamt 1200 Tote, unter ihnen 29 Angehörige der Volksmarinedivision, die kaltblütig ermordet werden.

1920 Am 13. März beginnt in Berlin der Kapp-Putsch. Ihn bringen ein Generalstreik und bewaffnete Gegenwehr rasch zum Scheitern. Vom Preußischen Landtag wird am 27. April das Gesetz über die Einheitsgemeinde Groß-Berlin angenommen. In Adlershof wird am 15. Mai die erste weltliche Schule ohne Religionsunterricht eröffnet. Im Dezember findet im Lehrervereinshaus am Alexanderplatz der Vereinigungsparteitag von KPD und USPD statt. Die Lebensmittelpreise steigen doppelt so schnell wie die Löhne.

1921 Die ersten Wahlen für die Stadtverordnetenversammiung in der neuen Gemeinde Groß-Berlin bringen am 16. Oktober den bürgerlichen Parteien eine leichte Mehrheit. Die 9,8 km lange Avus (Automobilverkehrs- und Übungsstrecke) wird ihrer Bestimmung übergeben.

1922 Die Ringbahn wird elektrifiziert.

1923 Im Januar muß man für eine Goldmark 4300 Papiermark zahlen. im September kostet ein Brot 3,6 Millionen Mark, im Oktober überschreitet der Kurs der Goldmark die Milliardengrenze. Ein Brot kostet nun 480 Millionen Mark. Im November wird mit Hilfe ausländischen Kapitals die Inflation gestoppt. 1.000.000.000.000 Papiermark(eine Billion) erhalten den WerteinerRentenmark. Laut amtlicher Statistik gibt es am 1. April rund 101.000 Arbeitslose, und 116.000 Berliner sind obdachlos. Auf der Nord-Süd-Trasse der U-Bahn wird die erste nach dem Kriege errichtete Teilstrecke eröffnet. Baubeginn am Flugplatz Tempelhof. Im Oktober beginnen regelmäßige Rundfunk-Unterhaltungssendungen aus dem VOX-Haus am Potsdamer Platz.

1924 Am 15. Juni legt Wilhelm Pieck den Grundstein für ein Revolutionsdenkmal auf dem Friedhof in Friedrichsfelde; 1926 wird das von Ludwig Mies van der Rohe geschaffene Monument eingeweiht. Auf dem Potsdamer Platz wird die erste Lichtsignalanlage zur Verkehrsregelung installiert.

1926 Im Herbst wird die MASCH (Marxistische Arbeiterschule) in der Schicklerstraße eingerichtet. Es ist eine Abendschule der KPD, an der u. a. Hermann Duncker, Albert Einstein, Walter Gropius, Erwin Piscator, Jürgen Kuczynski und Hanns Eisler Vorlesungen halten. Die U-Bahn wird städtisches Eigentum.

1927 Die Zahl der Arbeitslosen in Berlin erreicht 300000. Fertigstellung des Kranwerks Klingenberg. Gründung der Universum Film-AG (UFA) in Berlin.

1928 Die Straßenbahn-, U-Bahn- und Omnibusbetriebe Berlins werden in der BerlinerVerkehrs-Gesellschah (BVG) zusammengeschlossen. Bei den Reichstagswahlen im Mai erhält die KPD in Berlin fast 30 Prozent der abgegebenen Stimmen. Im Theater am Schiffbauerdamm (dem heutigen Berliner Ensemble) wird Brechts "Dreigroschenoper" uraufgeführt.

1929 Am 1. Mai geht die Polizei mit brutaler Gewalt gegen 200.000 Demonstranten vor. Polizeipräsident Zörgiebel läßt schießen. 31 Tote und mehrere hundert Verletzte sind zu beklagen. In Berlin wird der erste deutsche Tonfilm gedreht.

1930 Am 14. Oktober legen 130.000 Metallarbeiter aus 283 Betrieben wegen geplanter 15-prozentiger Lohnkürzung die Arbeit nieder. Die Zahl derArbeitslosen steigt in Berlin auf 450000. Eröffnung der U-Bahn-Linie Alexanderplatz-Friedrichsfelde.

1932 Am 1. Juni ernennt der erneut gewählte Reichspräsident von Hindenburg Franz von Papen zum Reichskanzler. Am 20. Juli stürzt die Papen-Regierung mit einem Staatsstreich die sozialdemokratisch geführte Regierung Preußens. Uber Berlin wird der Ausnahmezustand verhängt. Am 6. November sind Reichstagswahlen. ln Berlin wird die KPD mit 31 Prozent stärkste Partei, die SPD erhält 23,3 Prozent und die Nazipartei 26 Prozent der Stimmen. Am Alexanderplatz werden das Berolina- und das Alexanderhaus fertiggestellt.

1933 Im Januar dankt nach nur sieben Wochen Regierungszeit das Kabinett Schleicher ab. Reichspräsident von Hindenburg ernennt am 30. Januar Hitler zum Reichskanzler.

 
 

 

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