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Geschichte Berlins

Berlin : Geschichte : 1648 bis 1806
25-Apr-1998/06-Jan-06


 

Zwischen Festungsbau und Bürgerpflicht

1648 bis 1806

Eine ausgeplünderte und erschöpfte Stadt, ein unbedeutender Flecken auf der Landkarte, daswar Berlin nach dem Dreißigjährigen Krieg. Dem Hause Hohenzollern jedoch hatte gerissene Politik die Verdoppelung des Territoriums eingebracht. Kurfürst Friedrich Wilhelm (der "Große Kurfürst") ging zielstrebig daran, sich die Stände gefügig und die unterworfenen Lande zu einem Gesamtstaat zu machen. Sein Mittel war die Armee. Berlin - 1657 Garnisonstadt geworden - mußte eine Einquartierung von 2.000 Soldaten und 600 Soldatenfrauen und -Findern ertragen (eine Zahl, die bis 1710 auf 5000 anstieg) und neben dem Aufbau der verwüsteten Stadt stand ab 1658 auch ihr Ausbau als Festung auf dem Programm. Jeder vierte Arbeitstag eines jeden Bürgers wurde zum Schanztag gemacht, etwa 4000 Menschen (auch Bauern aus der Umgebung) wurden täglich zur Fronarbeit gezwungen. Fünfundzwanzig Jahre baute man an den Fortifikationen, und als sie fertig waren, wurden sie nach nichteinmal fünfzig Jahren -weil städtebaulich hinderlich geworden-allmählich wieder abgetragen. Jedoch wirkte sich die Last, Residenzstadt zu sein, auch zum Vorteil für Berlin aus. Ein ökonomischer Aufschwung lag auch im Interesse des Herrschers, und so wurden Handel, Gewerbe und Hausbau gefördert. Der Hauptstadt sollte Glanz verliehen werden. Neue Stadtteile entstanden: Friedrichswerder (1670), Dorotheenstadt (1674) und Friedrichstadt (1691 ) - nun gab es (mit Berlin und Cölln) gar fünf Residenzstädte, denn erst 1709 wurden sie zu einer Stadt vereinigt. Die Einwohnerzahl stieg sprunghaft an, als ab 1685 die Hugenotten in Berlin Zuflucht fanden und nach weniger als zehn Jahren ein Viertel der Bevölkerung ausmachten. Sie brachten nicht nur bessere Sitten, Künste und Wissenschaften nach Berlin, sie eröffneten auch zahlreiche Betriebe und machten neue Handwerkszweige heimisch.

1701 endlich hatten es die brandenburgischen Kurfürsten geschafft, die Königswürde zu erringen. Kurfürst Friedrich kl. krönte sich zum König Friedrich I. in Preußen, und Berlin wurde "Königliche Haupt- und Residenzstadt". Stärker als in jeder anderen brandenburgisch-preußischen Stadt fand die Anpassung an die fortgeschrittene westeuropäische Entwicklung in Berlin ihren Ausdruck in einer, wenn auch begrenzten, Förderung bürgerlicher Kräfte in Handel und Gewerbe.

Doch besonders während der Regierungzeit von Friedrich Wilhelm I. waren Stadtverwaltung, Gewerbeentwicklung und gesellschaftliches Leben vor allem vom Militarismus geprägt. Damit ihm die zum Dienst gezwungenen Soldaten nicht davonliefen sowie als Zollmauer, ließ der Soldatenkönig eine neue Begrenzung, die "Linie", um Berlin errichten. Erstsein Nachfolger, Friedrich 11., hatte wieder Sinn für Kunst und Wissenschaft, es entstanden das Opernhaus Unter den Linden, die "Kommode", das Palais des Prinzen Heinrich (die heutige Universität), die Türme an den Kirchen auf dem Gendarmenmarkt und schließlich der Dom. Die vom Vater aufgebaute Armee nutzte Friedrich 11. für Eroberungskriege. Im Siebenjährigen Krieg (1756/63) mußte er allerdings Berlin zweimal dem Feinde überlassen.

In der Stadt entwickelte sich das Bürgertum, zugleich aber auch - mit dem Entstehen der Manufakturen - ein Heer von Lohnabhängigen. Und es bildete sich als soziale Schicht die Intelligenz heraus. Berlin wurde im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zu einem geistigen Zentrum der werdenden bürgerlichen deutschen Nation. Seine Ausstrahlung verdankte es vor allem der Berliner Aufklärung, deren führende Köpfe Gotthold Ephraim Lessing, Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn waren.

Die Haupt- und Residenzstadt hatte beim Übergang ins neue, 19. Jahrhundert etwa die Größe des heutigen Stadtbezirkes Mitte und eine Einwohnerzahl von 155700 (wozu noch 13600 Militärangehörige kamen). Die französische Revolution von 1789 fand in der Stadt zwar Widerhall, doch löste das keine positiven Aktionen aus. Preußens Armee marschierte gegen die französische Republik. Dann jedoch folgten die Niederlagen des feudalabsolutistischen Staates Preußen bei Jena und Auerstedt. Der Gouverneur Berlins, Graf von der Schulenburg, ließ den berühmt gewordenen Aufruf "Der König hat eine Bataille verloren. Jetzt ist Ruhe die erste Bürgerpflicht" an die Mauern kleben, packte seine Sachen und verließ, wie Königshaus, Hof und Behörden, eilig die Stadt. Im Oktober 1806waren die Franzosen da.

1649 Im Lustgarten erntet man zum ersten Male Kartoffeln.

1652 Der Baumeister Johann Gregor Memhardt veröffentlicht den ersten Stadtplan. _

1658 Unter der Aufsicht Memhardts beginnt der Ausbau der Stadt zur Festung, die 1683 fertiggestellt wird.

1681 Erlaß des Kurfürsten, der das Mästen und Verkaufen von Schweinen im Stadtgebiet verbietet. Der heutige Alexanderplatz wird zum Korn- und Viehmarkt.

1685 Die Hugenotten folgen in großer Zahl dem Asylangebot des Kurfürsten Friedrich Wilhelm (Edikt von Potsdam). Ende des Jahrhunderts haben sich in Berlin 6000 Refugiés angesiedelt.

1686 Der Bankier Christian Friedrich Krautt erhält das Privileg zur Gründung einer Gold- und Silbermanufaktur. Mit diesem Privileg wird 1692 durch Leipziger Fabrikanten eine Manufaktur gegründet, in der Barten und Tressen für Uniformen und Hofkleider hergestellt werden.

1695 Grundsteinlegung für das Zeughaus, den ersten Prachtbau der späteren Straße Unter den Linden.

1698 Beginn des Aus- und Umbaus des Berliner Schlosses durch Andreas Schlüter.

1701 Kurfürst Friedrich kl. krönt sich als Friedrich I. zum König. Berlin wird "Königliche Haupt- und Residenzstadt.

1709 Am 1. Januar wird ein "Reskript von Kombinierung der rathäuslichen KollegienU veröffentlicht, demzufolge mit Wirkung vom 1.Januar 1710 die Städte Berlin und Cölln mit den neugegründeten Residenzstädten Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zu einer Stadtgemeinde zusammengeschlossen werden.

1710 In der Mark bricht die Pest aus. Vor dem Neuen Tor wird ein Pesthaus errichtet, doch die Krankheit verschont Berlin. Das Pesthaus wird Armenhospital und Garnisonslazarett. Als "Charité" wird es 1726 Heil- und medizinische Lehranstalt.

1713 Friedrich I. stirbt, sein Nachfolger wird Friedrich Wilhelm I., der "Soldatenkönig

1713 Andreas Krautt, Bruder des Bankiers Christian Friedrich Krautt, wird vom König gezwungen, einen Teil seines dem Staat abgegaunerten Ver mögens zur Gründung einer Textilmanufaktur zu verwenden, in der Haupt sächlichUniformstoffehergestelltwerden. NachdemTodeKrauttsübernimmt 1723 der Staat das Unternehmen. Textilmanufakturen bestimmen bis gegen Ende des Jahrhunderts weitgehend Berlins Wirtschaftsleben.

1717 Einführung der Schulpflicht. Das Analphabetentum wird jedoch erst um 1850 überwunden.

1740 Friedrich II. (der Große) wird Nachfolger des verstorbenen Friedrich Wilhelm I.

1742 Am 7. Dezember wird die Königliche Oper Unter den Linden eröffnet.

1747 Mit dem "Rathäuslichen Regelement" werden fortan die Rechte der Räte der Städte aufgehoben. Ein vom König ernannter Magistrat übernimmt auch in Berlin die Verwaltung.

1748 Gotthold Ephraim Lessing kommt erstmals nach Berlin.

1751 Der Schweizer Wegely richte eine Manufaktur zur Porzellanherstellung ein, die allerdings schon nach sechs Jahren wieder geschlossen wird.

1756 Der Siebenjährige Krieg beginnt. Berlin wird 1757 von Osterreichem und 1760 von Österreichern und Russen besetzt.

1761 Der Unternehmer Gotzkowsky richtet eine Porzellanmanufaktur ein. Der Krieg ruiniert ihn. Friedrich II. läßt die Manufaktur billig aufkauten und gründet damit die "Königliche Porzellanmanufaktur" (KPM).

1763 Es wird einne Königliche ZahIenlotterie aufgelegt. Alle drei Wochen werden fünf von neunzig Zahlen ausgelost.

1778 Johann Wolfgang von Goethe besucht Berlin.

1782 Wolfgang Amadeus Mozart ist in Berlin zu Gast. 1784 Start eines unbemannten Ballons in Berlin.

1786 Friedrich II. stirbt.

1788 Am 27. September startet erstmals ein bemannter Ballon in Berlin. Der Franzose Blanchard erreicht bei dieser, seiner 33. Luftreise fast eine Höhe von 2000 Metern.

1789 Der Bau des Brandenburger Tores beginnt. Es wird 1791 übergeben und erhält bis 1794 die krönende Quadriga und den plastischen Schmuck.

1791 Carl Friedrich Fasch gründet die Berliner Singakademie, die u. a.1796 von Ludwig van Beethoven und 1804 von Friedrich Schiller besucht wird. Ab 1800 ist Carl Friedrich Zelter der Leiter dieser bis heute bestehenden Einrichtung.

1804 Die Königliche Eisengießerei vor dem Neuen Tor wird gegründet.

1805 Zu Ehren des in Berlin zu Gast weilenden Zaren Alexander I. wird der Platz vor dem Georgentor Alexanderplatz genannt.

1806 Ein soeben erschienenes Lexikon gibt an: Berlin hat 7314 Häuser, 133 Straßen, 91 Gassen, 18 Plätze und Märkte, 5588 öffentliche und private Brunnen,5 Gymnasien, 31 Kirchen, 2 Theater, 11 Kasernen, 2 politische Zeitungen, 5 Gefängnisse und Besserungsanstalten, 33 militärische Stadtwachen und 111 Nachtwächter.

 

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