Eine ausgeplünderte und erschöpfte Stadt, ein unbedeutender Flecken
auf der Landkarte, daswar Berlin nach dem Dreißigjährigen Krieg. Dem
Hause Hohenzollern jedoch hatte gerissene Politik die Verdoppelung des
Territoriums eingebracht. Kurfürst Friedrich Wilhelm (der "Große
Kurfürst") ging zielstrebig daran, sich die Stände gefügig und die
unterworfenen Lande zu einem Gesamtstaat zu machen. Sein Mittel war die
Armee. Berlin - 1657 Garnisonstadt geworden - mußte eine Einquartierung
von 2.000 Soldaten und 600 Soldatenfrauen und -Findern ertragen (eine
Zahl, die bis 1710 auf 5000 anstieg) und neben dem Aufbau der
verwüsteten Stadt stand ab 1658 auch ihr Ausbau als Festung auf dem
Programm. Jeder vierte Arbeitstag eines jeden Bürgers wurde zum
Schanztag gemacht, etwa 4000 Menschen (auch Bauern aus der Umgebung)
wurden täglich zur Fronarbeit gezwungen. Fünfundzwanzig Jahre baute man
an den Fortifikationen, und als sie fertig waren, wurden sie nach
nichteinmal fünfzig Jahren -weil städtebaulich hinderlich
geworden-allmählich wieder abgetragen. Jedoch wirkte sich die Last,
Residenzstadt zu sein, auch zum Vorteil für Berlin aus. Ein ökonomischer
Aufschwung lag auch im Interesse des Herrschers, und so wurden Handel,
Gewerbe und Hausbau gefördert. Der Hauptstadt sollte Glanz verliehen
werden. Neue Stadtteile entstanden: Friedrichswerder (1670),
Dorotheenstadt (1674) und Friedrichstadt (1691 ) - nun gab es (mit
Berlin und Cölln) gar fünf Residenzstädte, denn erst 1709 wurden sie zu
einer Stadt vereinigt. Die Einwohnerzahl stieg sprunghaft an, als ab
1685 die Hugenotten in Berlin Zuflucht fanden und nach weniger als zehn
Jahren ein Viertel der Bevölkerung ausmachten. Sie brachten nicht nur
bessere Sitten, Künste und Wissenschaften nach Berlin, sie eröffneten
auch zahlreiche Betriebe und machten neue Handwerkszweige heimisch.
1701 endlich hatten es die brandenburgischen Kurfürsten geschafft,
die Königswürde zu erringen. Kurfürst Friedrich kl. krönte sich zum
König Friedrich I. in Preußen, und Berlin wurde "Königliche Haupt- und
Residenzstadt". Stärker als in jeder anderen brandenburgisch-preußischen
Stadt fand die Anpassung an die fortgeschrittene westeuropäische
Entwicklung in Berlin ihren Ausdruck in einer, wenn auch begrenzten,
Förderung bürgerlicher Kräfte in Handel und Gewerbe.
Doch besonders während der Regierungzeit von Friedrich Wilhelm I.
waren Stadtverwaltung, Gewerbeentwicklung und gesellschaftliches Leben
vor allem vom Militarismus geprägt. Damit ihm die zum Dienst gezwungenen
Soldaten nicht davonliefen sowie als Zollmauer, ließ der Soldatenkönig
eine neue Begrenzung, die "Linie", um Berlin errichten. Erstsein
Nachfolger, Friedrich 11., hatte wieder Sinn für Kunst und Wissenschaft,
es entstanden das Opernhaus Unter den Linden, die "Kommode", das Palais
des Prinzen Heinrich (die heutige Universität), die Türme an den Kirchen
auf dem Gendarmenmarkt und schließlich der Dom. Die vom Vater aufgebaute
Armee nutzte Friedrich 11. für Eroberungskriege. Im Siebenjährigen Krieg
(1756/63) mußte er allerdings Berlin zweimal dem Feinde überlassen.
In der Stadt entwickelte sich das Bürgertum, zugleich aber auch - mit
dem Entstehen der Manufakturen - ein Heer von Lohnabhängigen. Und es
bildete sich als soziale Schicht die Intelligenz heraus. Berlin wurde im
letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zu einem geistigen Zentrum der
werdenden bürgerlichen deutschen Nation. Seine Ausstrahlung verdankte es
vor allem der Berliner Aufklärung, deren führende Köpfe Gotthold Ephraim
Lessing, Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn waren.
Die Haupt- und Residenzstadt hatte beim Übergang ins neue, 19.
Jahrhundert etwa die Größe des heutigen Stadtbezirkes Mitte und eine
Einwohnerzahl von 155700 (wozu noch 13600 Militärangehörige kamen). Die
französische Revolution von 1789 fand in der Stadt zwar Widerhall, doch
löste das keine positiven Aktionen aus. Preußens Armee marschierte gegen
die französische Republik. Dann jedoch folgten die Niederlagen des
feudalabsolutistischen Staates Preußen bei Jena und Auerstedt. Der
Gouverneur Berlins, Graf von der Schulenburg, ließ den berühmt
gewordenen Aufruf "Der König hat eine Bataille verloren. Jetzt ist Ruhe
die erste Bürgerpflicht" an die Mauern kleben, packte seine Sachen und
verließ, wie Königshaus, Hof und Behörden, eilig die Stadt. Im Oktober
1806waren die Franzosen da.
1649 Im Lustgarten erntet man zum ersten Male
Kartoffeln.
1652 Der Baumeister Johann Gregor Memhardt
veröffentlicht den ersten Stadtplan. _
1658 Unter der Aufsicht Memhardts beginnt der Ausbau
der Stadt zur Festung, die 1683 fertiggestellt wird.
1681 Erlaß des Kurfürsten, der das Mästen und
Verkaufen von Schweinen im Stadtgebiet verbietet. Der heutige
Alexanderplatz wird zum Korn- und Viehmarkt.
1685 Die Hugenotten folgen in großer Zahl dem
Asylangebot des Kurfürsten Friedrich Wilhelm (Edikt von Potsdam). Ende
des Jahrhunderts haben sich in Berlin 6000 Refugiés angesiedelt.
1686 Der Bankier Christian Friedrich Krautt erhält
das Privileg zur Gründung einer Gold- und Silbermanufaktur. Mit diesem
Privileg wird 1692 durch Leipziger Fabrikanten eine Manufaktur
gegründet, in der Barten und Tressen für Uniformen und Hofkleider
hergestellt werden.
1695 Grundsteinlegung für das Zeughaus, den ersten
Prachtbau der späteren Straße Unter den Linden.
1698 Beginn des Aus- und Umbaus des Berliner
Schlosses durch Andreas Schlüter.
1701 Kurfürst Friedrich kl. krönt sich als Friedrich
I. zum König. Berlin wird "Königliche Haupt- und Residenzstadt.
1709 Am 1. Januar wird ein "Reskript von
Kombinierung der rathäuslichen KollegienU veröffentlicht, demzufolge mit
Wirkung vom 1.Januar 1710 die Städte Berlin und Cölln mit den
neugegründeten Residenzstädten Friedrichswerder, Dorotheenstadt und
Friedrichstadt zu einer Stadtgemeinde zusammengeschlossen werden.
1710 In der Mark bricht die Pest aus. Vor dem Neuen
Tor wird ein Pesthaus errichtet, doch die Krankheit verschont Berlin.
Das Pesthaus wird Armenhospital und Garnisonslazarett. Als "Charité"
wird es 1726 Heil- und medizinische Lehranstalt.
1713 Friedrich I. stirbt, sein Nachfolger wird
Friedrich Wilhelm I., der "Soldatenkönig
1713 Andreas Krautt, Bruder des Bankiers Christian
Friedrich Krautt, wird vom König gezwungen, einen Teil seines dem Staat
abgegaunerten Ver mögens zur Gründung einer Textilmanufaktur zu
verwenden, in der Haupt sächlichUniformstoffehergestelltwerden.
NachdemTodeKrauttsübernimmt 1723 der Staat das Unternehmen.
Textilmanufakturen bestimmen bis gegen Ende des Jahrhunderts weitgehend
Berlins Wirtschaftsleben.
1717 Einführung der Schulpflicht. Das
Analphabetentum wird jedoch erst um 1850 überwunden.
1740 Friedrich II. (der Große) wird Nachfolger des
verstorbenen Friedrich Wilhelm I.
1742 Am 7. Dezember wird die Königliche Oper Unter
den Linden eröffnet.
1747 Mit dem "Rathäuslichen Regelement" werden
fortan die Rechte der Räte der Städte aufgehoben. Ein vom König
ernannter Magistrat übernimmt auch in Berlin die Verwaltung.
1748 Gotthold Ephraim Lessing kommt erstmals nach
Berlin.
1751 Der Schweizer Wegely richte eine Manufaktur zur
Porzellanherstellung ein, die allerdings schon nach sechs Jahren wieder
geschlossen wird.
1756 Der Siebenjährige Krieg beginnt. Berlin wird
1757 von Osterreichem und 1760 von Österreichern und Russen besetzt.
1761 Der Unternehmer Gotzkowsky richtet eine
Porzellanmanufaktur ein. Der Krieg ruiniert ihn. Friedrich II. läßt die
Manufaktur billig aufkauten und gründet damit die "Königliche
Porzellanmanufaktur" (KPM).
1763 Es wird einne Königliche ZahIenlotterie
aufgelegt. Alle drei Wochen werden fünf von neunzig Zahlen ausgelost.
1778 Johann Wolfgang von Goethe besucht Berlin.
1782 Wolfgang Amadeus Mozart ist in Berlin zu Gast.
1784 Start eines unbemannten Ballons in Berlin.
1786 Friedrich II. stirbt.
1788 Am 27. September startet erstmals ein bemannter
Ballon in Berlin. Der Franzose Blanchard erreicht bei dieser, seiner 33.
Luftreise fast eine Höhe von 2000 Metern.
1789 Der Bau des Brandenburger Tores beginnt. Es
wird 1791 übergeben und erhält bis 1794 die krönende Quadriga und den
plastischen Schmuck.
1791 Carl Friedrich Fasch gründet die Berliner
Singakademie, die u. a.1796 von Ludwig van Beethoven und 1804 von
Friedrich Schiller besucht wird. Ab 1800 ist Carl Friedrich Zelter der
Leiter dieser bis heute bestehenden Einrichtung.
1804 Die Königliche Eisengießerei vor dem Neuen Tor
wird gegründet.
1805 Zu Ehren des in Berlin zu Gast weilenden Zaren
Alexander I. wird der Platz vor dem Georgentor Alexanderplatz genannt.
1806 Ein soeben erschienenes Lexikon gibt an: Berlin
hat 7314 Häuser, 133 Straßen, 91 Gassen, 18 Plätze und Märkte, 5588
öffentliche und private Brunnen,5 Gymnasien, 31 Kirchen, 2 Theater, 11
Kasernen, 2 politische Zeitungen, 5 Gefängnisse und Besserungsanstalten,
33 militärische Stadtwachen und 111 Nachtwächter.