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Geschichte Berlins

Berlin : Geschichte : 1448 bis 1648
25-Apr-1998/06-Jan-06


 

Zwischen Totentanz und Dreißigjährigem Krieg

1448 bis 1648

Um das Jahr 1450 gab es an die siebenhundert Häuser in Berlin und etwa dreihundert in Cölln. Es lebten rund 6000 Menschen in der Stadt, davon waren allein vierundfünfzig Fleischer und vier Wurstmacher. Der sich entwickelnde Wohistand und der wirtschaftliche Aufschwung jedoch unterlag seit der Ubernahme der Macht durch den Kurfürsten dessen Regiment und verlangsamte sich. Berlin verlor seine Vormachtstellung in der Mark, und auch innerstädtisch blieben dem Rat kaum noch eigene Befugnisse. Vor allem hatte er nicht über die Angehörigen des Hofes, die Beamten kurfürstlicher Behörden und die vom Fürstenhaus protegierten Adelsfamilien zu befinden. Daß dennoch die alteingesessenen Bürger Berlins ihren kritischen Geist nicht aufgaben, beweist die Freskenmalerei in der Marienkirche, die bis in unsere Zeit erhalten blieb. Derberühmte nTotentanz"-wohlausAnlaßeinerPestepidemieentstanden - ist nicht nur wegen seiner demokratischen Grundhaitung ( Sterben ist das allgemeine Recht, sterben müssen beide, Herr und Knecht ) bemerkenswert. Da werden auch Prassertum und Selbstherrlichkeit der feudalen Hierarchie kritisiert und nur Kaufleute und Handwerker, die vermutlichen Auhraggeber, vom Spott verschont. Es ist nicht verwunderlich, daß in dieser Stadt auch die kritischen Lehren Luthers-zunächstgegen den Willen des Kurfürsten-auf fruchtbaren Boden fielen.

Als Joachim Il. 1539 zum Protestantismus übertrat und 1540 eine neue Kirchenordnung erließ, hatte das weniger religiöse als vielmehr machtpolitische Gründe: Nun konnte er den Klerus als politischen und ökonomischen Machtfaktor ausschalten und sämtliches Kloster- und Kirchengut in Besitz nehmen und damit seine Macht und den Übergang zu territorialstaatlicher Herrscham festigen. Berlin war endgültig zur Residenz der brandenburgischen Kurfürsten geworden. Zentrale Behörden, Hof und Adel bestimmten die Verhältnisse in der Stadt. Die Höflinge unterstanden nicht dem Rat der Stadt, brauchten keine Abgaben zu leisten und waren von städtischen Diensten befreit. Doch ihre Bautätigkeit vervollkommnete das Stadtbild, und durch den Hof wurde Berlin auch ökonomisches und kulturelles Zentrum des Territorialstaates. Die Einwohnerzahl stieg auf 14000. Dann kam der Krieg. In seinerdreißigjährigen Ge schichte war die Mark Brandenburg fast ununterbrochen Kriegsschauplatz. Berlin - durch des Kurfürsten schwankende Haltung ohne Potenz, sich zu verteidigen - wurde abwechselnd von kaiserlichen und von schwedischen Truppen um Kontributionen erpreßt. Zudem wütete die Pest, die Ruhr brach aus, die Pocken forderten immense Opfer. Als 1648 der Friede geschlossen wurde, hatte sich die Einwohnerzahl auf etwa 7500 verringert, von 1209 Häusern rechts und links der Spree waren 450 verfallen und leer. Auf dem Neuen Markt türmten sich die Trümmer fast höher als die Wohnbauten.

1451 An der Spree wird in Form einer Zwingburg das Residenzschloß vollendet.

1485 In der Berliner Marienkirche entsteht um diese Zeit der "Totentanz". 1486 Berlin wird Residenzstadt.

1508 Der Stadtwird erlaubt, innerhalb ihrer Mauern Recht zu sprechen, doch werden die Richter vom Kurfürsten eingesetzt, dem auch der Entscheid über Leben und Tod vorbehalten bleibt.

1514 Das Rathaus auf der Langen Brücke, einst Wahrzeichen der Einheit der Städte Berlin und Cölln, wird abgerissen.

1517 Der Dominikanermönch JohannTetzel verkauthin derStadtAblaßzettel (zur gleichen Zeit veröffentlicht Martin Luther zu Wittenberg seine 95 Thesen gegen den Mißbrauch der Absolution und gegen kirchlichen Dogmatismus).

1524 Kurfürst Joachim I. verbietet die Verbreitung der SchriDen Luthers und (zwei Jahre später) das Singen protestantischer Lieder.

1538 Das alte Schloß wird abgerissen und der Grundstein für ein prächtiges Renaissanceschloß gelegt. Den Entwurf liefert der Torgauer Schloßbaumeister Konrad Krebs, den Bau leitet sein Schüler Caspar Theiss.

1539 Berlin wird protestantisch.

1540 Am 22. März findet eine öffentliche Gerichtsverhandlung gegen Hans Kohlhase statt, der, als ihm in einem Rechtsstreit mit einem Adligen Unrecht widerfahren war, den Junkern die Fehde erklärt und durch Plünderungen und Brandschatzungen Selbstjustiz geübt hatte. Das Gericht verurteilt ihn zum Tode. Vor dem Georgstor wird er noch am gleichen Tage gerädert. etwa 1550 Bau der ersten Schleuse am Cöllnischen Stadtgraben. 1567 Kurfürst Joachim II. befiehlt Bürgern Berlins und Spandaus, nur mit Kn üppel n bewaffnet, gegenei nander in den Kampf zu ziehen. Als entgegen seiner Planung bei diesem zum Pläsier des Hofes veranstalteten "Knüppelkrieg" die Spandauer überlegen sind, wird der Bürgermeister dieser Nachbarstadt ins Gefängnis gesteckt.

1571 Der Alchimist Leonhard Thurneysser kommt nach Berlin. Im Franziskanerkloster richtet er ein Labor ein, eröffnet eine leistungsfähige Druckerei und verleiht Geld zu Wucherzinsen. Als er nach Berlin kam, war er verschuldet, auf dem Höhepunkt seiner Berliner Laufbahn (1580) beschädigt er mehr als 200 Personen und besitzt 100000 Taler. Bevor er 1584 die Stadt heimlich verläßt ist er nach Scheidungen, mißglückten Geldgeschähen und kostspieligen Prozessen vollständig ruiniert.

1572 Die "Gesellschah der Wasserkunst" baut in Berlin auf Initiative des Bürgermeisters Johannes Blankenfelde eine hölzerne Wasserleitung. Es ist die erste, doch sie ist 1579 schon wieder verfallen.

1573 Am 28. Januar wird der jüdische Münzmeister Lippold, dem man die Schuld an der Finanzmisere des Herrscherhauses gibt, die durch die Prunk und Verschwendungssucht Joachims II. verursacht ist, wegen vorgeblicher Zauberei angeklagt. Auf dem Neuen Markt wird er grausam gefoltert und schließlich gevierteilt. Anschließend werden alle Juden zum wiederholten Male aus der Mark verbannt.

1573 Der spätere Lustgarten wird trockengelegt. Zunächst entsteht dort ein Obst- und Küchengarten des Hofes.

1574 Das "Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster" und das "Cöllnische Gymnasium" werden gegründet.

1576 Eine Pestepidemie fordert in Beríin fast 4000 Opfer.

1580 Eine Polizeiverordnung teilt die Berliner in vier Stände auf und legt für jeden eine Kíeiderordnung und eine Ordnung für Familienfeiern fest. Damit werden soziale Unterschiede auch äußerlich amtíich dakumentiert. 1585 Einrichtung der Hofapotheke durch Michael Aschenbrenner. 1598 Ein erneuter Ausbruch der Pest fordert mehr als 3000 Opfer. 1615 Es kommt zum Kaivinistenrummel». Anlaß ist der machtpolitisch motivierte Ubertritt des Kurfürsten Johann Sigismund zum Kalvinismus (1613), gegen den sich in Berlin eine heftige Opposition formiert, die auch Ausdruck lang artgestauter Unzutriedenheit mit der sozialen Lage ist. Die Unruhen erfassen große Teile der Bevölkerung, so daß der Kurfürst seine Truppen in Alarmzustand versetzen muß. Zwar verläuft die Angelegenheit ohne weitere Folgen, doch ist sie aís letzte öffentliche Empörung der Berliner Bürger gogen die feudale Herrschaft für fast 250 Jahre bemerkenswert.

1618 Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges.

1624 Das Haus des Adligen Hans Georg von Ribbeck wird erbaut. Es ist als einziges Wohnhaus jener Zeit erhalten geblieben.

1628 Wallenstein kommt erstmals nach Berlin, ein zweites Maí 1630. Die Stadt muß trotz großer Schwierigkeiten sein Gefolge aufnehmen: 1 500 Personen, darunter 30 Fürsten, Grafen und Freiherren mit mehr als 1 000 Pferden.

1636 Die Stadt wird mehrmals von schwedischen und kaiserlichen Truppen um Kontributionen erpreßt. Allein 25000 Taler müssen die Bürger an schwedische Heerführer zahíen.

1640 Um die Verteidigung der Stadt zu erleichtern, werden - ohne die Besitzer rechtzeitig zu verständigen - die Gebäude vor der Mauer abgebrannt. 200 bis 300 Häuser gehen in Flammen auf.

1641 Waffenstillstand Brandenburgs mit Schweden, Beginn des Wiederaufbaus von Berlin und Cölln, erste Berliner Bauordnung (gültig bis 1853!).

1647 Der Jagd- und Reitweg zum Tiergarten wird mit 1000 Linden und Nußbäumen bepflanzt. Später erhält er den Namen "Unter den Linden».

1648 Der Westfälische Frieden beendet den Dreißigjährigen Krieg. Berlin, wenngleich vor direkter Zerstörung verhältnismäßig bewahrt, durchlebt einen Tiefpunkt seiner Geschichte. Besonders folgenschwer trifft die Stadt der Ruin von Handel und Gewerbe.

 

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