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Geschichte Berlins

Berlin : Geschichte : 1200 bis 1448
25-Apr-1998/06-Jan-06


 

Zwischen Städtegründung und Unterordnung

1200 bis 1448

Berlin ist eine Stadt ohne amtliche Geburtsurkunde. Ihren Stadtjubiläen- 1987 feierte Berlin sein 750. - liegt lediglich die 1237 erfolgte erste urkundliche Erwähnung der Schwesterstadt Cölln zugrunde. Berlin selbst wird erst 1244 urkundlich genannt. Über die Verleihung des Stadtrechts gibt es keinen Nachwels.

Die Ansiedlungen jener Zeit wären mit heutigen Städten kaum zu vergleichen. So nahm Berlin (kleinster Durchmesser 510 Meter, größter 1140 Meter) damals eine Fläche von 47 ha ein, Cöiln (kleinster Durchmesser 370 Meter, größter 800 Meter) eine von nur 23 ha. Dennoch erlebte die mittelalterliche Doppelstadt als Knotenpunkt bedeutender Handelsstraßen einen raschen Aufschwung.

Beide Städte wurden jeweils von einem Rat verwaltet, der in Berlin aus zwölf, in Cölln aus sechs Ratsherren bestand. Nur Patrizier Besitzer von Grund und Boden, konnten Ratsherren werden. Die Handwerke; der traditionellen Viergewerke" (Knochenhauer, Tuchmacher, Schuhmacher und Bäcker) waren zwar geachtet, doch wurden sie bis ins 15. Jahrhundert hinein durch die Patrizier von der Macht ferngehalten. Den plebejischen Schichten - die mehr als die Hälhe der Bevölkerung ausmachten - war das Bürgerrecht versagt oder nur eingeschränkt zugestanden. Beide Städte waren von Anfang an eng miteinanderverbundeniesgabeineinheitlichesRechtundab1307aucheinengemeinsamen Rat. 1319 unterstellte Bischof Johann von Brandenburg schließlich Cölln der Berliner Kirchenhoheit. Die Stadt schloß mit anderen märkischen Städten Bündnisse, die sich als äußerst wirkungsvoll bei den Auseinandersetzungen mit Herrschahsansprüchen von Fürstenhäusern, Päpsten, Herzögen, Markgrafen und Raubrittern erwiesen. Berlin erhielt bald eine führende Position in den Städtebünden und vertrat sie auch in der Hanse. Es erwarb das Münzrecht und schließlich die Gerichtsbarkeit über Leben und Tod. Damit war die Stadt endgültig vom Landesherren unabhängig.

Das Ende der städtischen Freiheiten kam mit den Hohenzoliern. Die Askanier waren 1320 in der brandenburgischen Linie ausgestorben, und die Mark wurde Spielball politischer Machtkämpfe deutscher Fürsten. 1411 wurde Burggraf Friedrich Vl. von Nürnberg durch Kaiser Sigismund als Statthalter der herrenlosen" Mark eingesetzt. Auf dem Reichstag in Konstanz erhielt er auch die Kurwürde der Mark, war nunmehr Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg.

Soziale Spannungen unter der Bevölkerung Berlin-Cöllns, das sich 1432 zu einer Gesamtstadt zusammengeschlossen hatte, führten gegen Mitte des 15. Jahrhunderts zu Unruhen. Besonders rebellierten die Zünfte gegen die Alleinherrschah der Patrizier im Rat, denn nur selten gelangte ein Zunhvertreter in die städtische Regierung. Als Kurfürst Friedrich II. - er machte seinem Beinamen "Eisenzahn alle Ehre - von den streitenden Parteien als Schiedsrichter angerufen wurde, nutzte er konsequent die sich bietende Chance und verfügte 1442 die Einsetzung eines ihm hörigen Rates aus Zunhvertretern. Die Forderung, ein Berliner Stadttor als freien Zugang zum "Hohen Haus, der markgräflichen Residenz in der Berliner Klosterstraße, überlassen zu bekommen, ging jedoch selbst diesem Rat zu weit und wurde abgelehnt. Es kam zu neuen Zwangsmaßnahmen des Kurfürsten: Trennung der Städteunion Berlin-Cölln, Verlust beider Gerichtsbarkeiten, Verlust des Niederlagerechts von Berlin (Cöiln besaß es nicht) und Abtretung eines Bauplatzes für ein Schloß Berlin und Cölln um 1250, freie Darstellung, entstanden 1882 nebst Abbau der Cöllner Stadtmauer im zukünftigen Schloßbereich. Der Bau der Zwingburg jedoch führte 1448 zum offenen Autstand. Berlins Bürger stellten ihre innenstädtischen Kontroversen hinten und trotzten der kurfürstlichen Gewalt. Die Beamten des Hofes wurden vertrieben, das Hohe Haus" und die kurfürstliche Kanzlei in der Klosterstraße ebenso verwüstet wie der kurfürstliche Mühlenhof und das weitgehend bereits fertiggestellte Schloß. Beide Städte vereinigten sich wieder, schlossen die Lücke in der Cöllner Stadtmauer und verbarrikadierten die Stadttore. Die erhoff e Unterstützung durch die verbündeten märkischen Städte jedoch blieb aus.

Wahrscheinlich waren es Anhänger des Kurfürsten, die dem "eisernen" Friedrich die Stadttore öffneten. Zwischen dem 20. und dem 25. Mai 1448 zog er mit 600 Reitern in Berlin ein. Im Herbst ließ er ein Strafgericht gegen die Anführer des "Berliner Unwillens folgen. Einflußreiche Patrizierfamilien wurden mit hohen Geldstrafen belegt, Lehnsbesitz wurde eingezogen und einige der führenden Aufrührer des Landes verwiesen. Der Unterwerfungsvertrag von 1442 wurde erneuert, Berlin und Cölln mußten die Hanse verlassen und aus dem märkischen Städtebündnis austreten. Nachdem Burggraf Friedrich noch ab 1411 im Bündnis mit den Städten und in ihrem Interesse das märkische Raubritterwesen ausgerottet hatte, brachte nun sein Sohn den damaligen Bündnispartner unter seine Botmäßigkeit. Für Jahrhunderte war die Entwicklung des Stadtbürgertums gehemmt und der Weg frei zur uneingeschränkten Herrschah der Hohenzollern, die erst 1918 zu Ende ging.

1237 In einer am 28. Oktober 1237 ausgestellten Urkunde über das Recht am Zehnten in der Brandenburgischen Diözese sowie über die Rechte und Pflichten des Markgrafen von Brandenburg gegenüber dem Bischof unterzeichnet ein gewisser Symeon, plebanus de Colonia (Pfarrer von Cölln), als Zeuge. Es ist die erste urkundliche Nennung des Städtenamens Cölln.

1244 Der Name Symeon erscheint auf einer U rku nde vom 26. Januar 1244, in der es um den Verzicht des Markgrafen auf den Nachlaß geistlicher Personen geht, als praepositus de Berlin (Propst von Berlin). Seit dieser ersten Nennung bleibt der Name Berlin bis in die Gegenwart unverändert.

1247 Beginn des Baus der Stadtmauer, die beide Städte umgibt. Ein Rest davon ist noch heute in der Littenstraße zu sehen.

1253 Erster Nachweis eines Siegels der Bürger von Berlin. Es zeigt noch keinen Bären, sondern den brandenburgischen Adler vor einem Stadttor. Der Bär taucht zum ersten Male 1280 im Wappen auf.

1292 Erstmals wird in einer Urkunde die Marienkirche erwähnt, nach der Nikolaikirche die zweitälteste Kirche Berlins.

1307 Die beiden Städte Berlin und Cölln schließen sich in Landes- und Verteidigungsangelegenheiten zusammen und bilden einen gemeinsamen Rat.

1308 Unter der Führung Berlins bilden Städte der Mark ein Verteidigungsbündnis gegen das Raubritterwesen.

1325 Auf dem Neuen Markt erschlagen verbitterte Berliner Bürger den Propst Nicolaus von Bernau, der als Parteigänger der sächsischen Wettiner mit schweren Kirchenstrafen gedroht hatte, falls die Berliner trotz des von Papst Johannes XXII. gegen den Vater des Markgrafen von Brandenburg ausgesprochenen Bannfluches diesem weiterdieTreue Faltenwürden. Derwegen des Propstmordes über die Stadt verhängte Bann hat schweren wirtschaftlichen Schaden für Berlin zur Folge. Er wird erst 1347 aufgehoben. Berlin muß ein hohes Bußgeld zahlen und am Neuen Markt ein Sühnekreuz aufstellen. Das Kreuz wird später durch ein kleineres ersetzt, das noch heute neben dem Portal der Marienkirche zu sehen ist.

1334 Der Berliner Rat erläßt eine Polizei- und Kleiderordnung gegen Luxus, Völlerei und Unmäßigkeit.

1359 Berlin wird Mitglied der Hanse.

1369 Berlin erwirbt das Münzrecht. Geprägt werden - wie in 12 weiteren märkischen Städten - "ewige" Pfennige, die zeitlich unbegrenzt und wertmäßig unverändert in Gebrauch bleiben sollten. Sie wurden jedoch schon bald durch Goldgulden und Groschen verdrängt.

1380 Ein verheerender Brand am 10. und 11. August 1380 vernichtet fast ausnahmslos alle Fachwerkhäuser Berlins. Nur in der Klosterstraße bleiben sechs Häuser erhalten. Mit dem Rathaus verbrennen vermutlich die meisten städtischen Urkunden. Das ist mit Anlaß dazu, ein "Berliner Stadtbuch" anzulegen. Zurückreichend bis ins Jahr 1289, beinhaltet es Statuten und Privilegien, Einnahmen und Besoldungen, Verbrechen und ihre Sühne, Renten und Schuldverschreibungen und wird bis zum Jahre 1498 geführt. Das Berliner Stadtbuch ist heute ein Dokument von herausragender kulturgeschichtlicher Bedeutung.

1391 Berlin erwirbt die landesherrliche Gerichtsbarkeit über Leben und Tod. Zum Zeichen dafür wird auf dem Molkenmarkt ein Roland errichtet.

1411 In der Mark Brandenburg werden die Hohenzollern als Statthalter eingesetzt. Sie müssen zunächst die Unabhängigkeit Berlins respektieren.

1412 Berlin stellt dem Burggrafen Friedrich Vl., Statthalter der Mark, ein Kontingent wohlbewaffneter Männer zum Kampf gegen die Pommern und opfert die Glocken der Marienkirche für den Guß von Kanonen, mit denen märkische Raubritterburgen beschossen werden.

1415 Belehnung des Burggrafen Friedrich mit der brandenburgischen Kurwürde als Kurfürst Friedrich I.

1432 Endgültige Vereinigung Berlins und Cöllns zu einer Gesamtstadt.

1435 Berlin kauft die Dörfer Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf.

1442 Rebellion der Zünfte gegen die Alleinherrschaft der Patrizier im Rat der Stadt. Kurfürst Friedrich II. nutzt die Situation aus, um die Stadt zu unterwerfen. Die Stadt wird durch ihn wieder in Berlin und Cölln geteilt und zugleich werden den beiden Städten Rechte entzogen.

1448 Offene Rebellion der Bürger gegen die kurfürstliche Unterdrückung: "Berliner Unwillen". Endgültige Unterwerfung der Städte Berlin und Cölln unter den Kurfürsten, der hier seine Residenz errichtet. Erzwungener Austritt der Städte aus den märkischen Städtebündnissen und aus der Hanse.

 

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