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Geschichte Berlins

Berlin : Geschichte : 60.000 v.u.Z. bis 1200
25-Apr-1998/06-Jan-06


 

Zwischen Steinzeit und Besiedlung

60.000 v.u.Z. bis 1200 u.Z.

Niemand weiß, wer der erste Berliner war. Menschen gab es in dem Gebiet, das heute von der großen Stadt eingenommen wird, offensichtlich schon in der letzten Eiszeit. Man fand Reste aus diesem Abschnitt der Erdgeschichte, aus der Bronze- und der Eisenzeit. Aber alle Siedlungen aus jenen Tagen hatten nichts mit Berlin zu tun, das viel später entstanden ist. Als in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung die germanischen Stämme (die Semnonen und später die Burgunder) das Spree-Havel-Gebiet verließen, wanderten die Slawen ein. Die Heveller, deren Hauptsitz Brandenburg war, siedelten westwärts von Spandau, die Sprewanen, deren Zentrum Köpenick war, gelangten bis zum heutigen Treptow. Zwischen den beiden Stämmen blieb das sumpfige Areal des Berlin-Cöllner Raumes weitgehend unbesiedelt.

Im Jahre 1150 starb der kinderlose letzte Fürst der Heveller, Pribislaw-Heinrich, Lehensfürst Kaiser Lothars kl. Noch zu seinen Lebzeiten hatte er Albrecht den Bären aus dem deutschen Fürstengeschlecht der Askanier (Stammburg Ballenstedt am Harz) als Erben seiner Macht eingesetzt. Albrecht, der neben vielen Kriegszügen auch dynastische Heiraten und diplomatische Ränke zur Macht- und Gebietserweiterung zu nutzen wußte, konnte sich seiner neuen Würde als Markgraf von Brandenburg nicht unangefochten erfreuen. Jaxa von Köpenick, nahe verwandt mit Pribislaw und dessen Erbe beanspruchend, erstürmte und besetzte vermutlich noch 1150 die Brandenburg. 1157 warf Albrecht die Besatzung wieder hinaus und stabilisierte seine Macht in der Mark. Mit den Feldzügen der sächsischen Wettiner (um 1200 Eroberung der Landschaft Teltow und der slawischen Burg Köpenick) und der Askanier (um 1225 Eroberung des Barnim) fielen Anfang des 13. Jahrhunderts die letzten slawischen Herrschaften in Brandenburg, darunter auch der Jaxa-Staat. Wenige Jahre später vertrieben dieAskanier dieWettiner und herrschten nunmehr unangefochten in der Mark.

Die kriegsbedingte Unsicherheit des Spreeübergangs bei Köpenick trug vermutlich zur Erschließung der Furt am späteren Mühlendamm bei. Dort kreuzten sich am SpreeÜbergang außerdem zwei bedeutende Handelsstraßen, zu denen als dritte Verbindung bald der Wasserweg Elbe-Havel-Spree hinzukam. Kein Wunder, daß Kaufleute und sicher auch Handwerker sich zu beiden Seiten des Flusses an der Furt ansiedelten. Die Anlage einer Kirche - vermutlich eines hölzernen Vorgängers der massiven Nikolaikirche- und eines Friedhofs sind als erste Zeugnisse der Städtegründung im Mittelalter nachweisbar. 72 Gräber hat man 1956/58 bei Ausgrabungen unter den Fundamenten der Nikolaikirche gefunden. Die Kirche selbst - deren Grundmauern ältestes Uberbleibsel aus Berlins Vergangenheit sind - wurde frühestens 1200, spätestens 1230 begründet. Sie kennzeichnete das alte Zentrum der Siedlung Berlin, die etwa zur gleichen Zeit entstand wie die Schwestergemeinde Cölln auf der gegenüberliegenden Spreeinsel. Um beide Siedlungen zu verbinden, wurde später am Ort der Spreefurt eine hölzerne Brücke erbaut die bald zu einem schleusenlosen Stau zum Antrieb von Wassermühlen erwéitert wurde. Den in den kriegerischen Auseinandersetzungen siegreichen Askaniern erschien die Existenz der Ansiedlungen von Vorteil, sie privilegierten beide Orte. Es ist anzunehmen, daß sie ihnen um 1230 das Stadtrecht verliehen.

Um 60000 v. u. Z. durchstreifen vermutlich - Funde von bearbeiteten Knochen und Feuersteinen lassen darauf schließen - altsteinzeitliche Horden das Gebiet, auf dem heute Berlin liegt.

Im 9. Jahrtausend v. u. Z. siedeln an den Talrändern von Spree und Dahme Jäger und Fischer, von denen Pfeilspitzen, Schaber und Beile aus Feuerstein 1953 bei Ausgrabungen in Biesdorf und Malchow gefunden wurden.

Im 7. Jahrtausend v. u. Z. benutzen in diesem Gebiet ansässige Jäger eine Hirschgeweihmaske - die 1953 in Biesdorf gefunden wurde - als Jagdzauber. Im 3. Jahrtausend v. u. Z. erfolgt im märkischen Gebiet der Übergang von der Jagd und vom Fischfang zum Ackerbau und zur Viehhaltung. Aus jenen Zeiten stammen handgeformte Keramiken, und man kann feste Wohnhäuser und Vorratsspeicher nachweisen.

Seit dem 6. Jahrhundert v. u. Z. besiedeln germanische Stämme das Land. Überreste eines germanischen Dorfes werden 1977/78 bei Ausgrabungen in Marzahnfreigelegt.DieSemnonen,eingermanischerStamm,derzudenSweben gehört, verlassen gegen Ende des 2. Jahrhunderts u. Z. das Gebiet, es kommen vorübergehend die Burgunder, die gegen Ende des 4. Jahrhunderts wieder abziehen.

Seit dem 6./7. Jahrhundert besiedeln slawische Stämme das nunmehr dünn bevölkerte Gebiet von Dahme, Spree und Havel, sie bewohnen es bis zum 13. Jahrhundert. Eine slawische Siedlung in Mahisdorf und eine in Kaulsdorf (beide durch Ausgrabungen nachgewiesen) werden durch Brand vernichtet. Die Expansion der Feudalstaaten zerstört die westslawische Kultur und vereitelt die Anfänge einer staatlichen Entwicklung.

Zwischen 1180 und 1190 beginnt die Besiedlung der sandigen Dünenhügel im sumpfigen Urstromtal zwischen den Hochflächen des Teltows und des Barnims. Auf der rechten Uferseite entsteht Berlin, auf der gegenüberliegenden Insel Cölln. Beide Siedlungen werden durch die verästelten Nebenarme der Spree umgeben und so geschützt.

 

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