Niemand weiß, wer der erste Berliner war. Menschen gab es in dem
Gebiet, das heute von der großen Stadt eingenommen wird, offensichtlich
schon in der letzten Eiszeit. Man fand Reste aus diesem Abschnitt der
Erdgeschichte, aus der Bronze- und der Eisenzeit. Aber alle Siedlungen
aus jenen Tagen hatten nichts mit Berlin zu tun, das viel später
entstanden ist. Als in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung die
germanischen Stämme (die Semnonen und später die Burgunder) das
Spree-Havel-Gebiet verließen, wanderten die Slawen ein. Die Heveller,
deren Hauptsitz Brandenburg
war, siedelten westwärts von
Spandau, die Sprewanen, deren Zentrum
Köpenick war, gelangten bis
zum heutigen Treptow.
Zwischen den beiden Stämmen blieb das sumpfige Areal des Berlin-Cöllner
Raumes weitgehend unbesiedelt.
Im Jahre 1150 starb der kinderlose letzte Fürst der Heveller,
Pribislaw-Heinrich, Lehensfürst Kaiser Lothars kl. Noch zu seinen
Lebzeiten hatte er Albrecht den Bären aus dem deutschen
Fürstengeschlecht der Askanier (Stammburg Ballenstedt am Harz) als Erben
seiner Macht eingesetzt. Albrecht, der neben vielen Kriegszügen auch
dynastische Heiraten und diplomatische Ränke zur Macht- und
Gebietserweiterung zu nutzen wußte, konnte sich seiner neuen Würde als
Markgraf von Brandenburg nicht unangefochten erfreuen. Jaxa von
Köpenick, nahe verwandt mit Pribislaw und dessen Erbe beanspruchend,
erstürmte und besetzte vermutlich noch 1150 die Brandenburg. 1157 warf
Albrecht die Besatzung wieder hinaus und stabilisierte seine Macht in
der Mark. Mit den Feldzügen der sächsischen Wettiner (um 1200 Eroberung
der Landschaft Teltow und der slawischen Burg Köpenick) und der Askanier
(um 1225 Eroberung des Barnim) fielen Anfang des 13. Jahrhunderts die
letzten slawischen Herrschaften in Brandenburg, darunter auch der
Jaxa-Staat. Wenige Jahre später vertrieben dieAskanier dieWettiner und
herrschten nunmehr unangefochten in der Mark.
Die kriegsbedingte Unsicherheit des Spreeübergangs bei Köpenick trug
vermutlich zur Erschließung der Furt am späteren Mühlendamm bei. Dort
kreuzten sich am SpreeÜbergang außerdem zwei bedeutende Handelsstraßen,
zu denen als dritte Verbindung bald der Wasserweg Elbe-Havel-Spree
hinzukam. Kein Wunder, daß Kaufleute und sicher auch Handwerker sich zu
beiden Seiten des Flusses an der Furt ansiedelten. Die Anlage einer
Kirche - vermutlich eines hölzernen Vorgängers der massiven
Nikolaikirche- und eines Friedhofs sind als erste Zeugnisse der
Städtegründung im Mittelalter nachweisbar. 72 Gräber hat man 1956/58 bei
Ausgrabungen unter den Fundamenten der Nikolaikirche gefunden. Die
Kirche selbst - deren Grundmauern ältestes Uberbleibsel aus Berlins
Vergangenheit sind - wurde frühestens 1200, spätestens 1230 begründet.
Sie kennzeichnete das alte Zentrum der Siedlung Berlin, die etwa zur
gleichen Zeit entstand wie die Schwestergemeinde Cölln auf der
gegenüberliegenden Spreeinsel. Um beide Siedlungen zu verbinden, wurde
später am Ort der Spreefurt eine hölzerne Brücke erbaut die bald zu
einem schleusenlosen Stau zum Antrieb von Wassermühlen erwéitert wurde.
Den in den kriegerischen Auseinandersetzungen siegreichen Askaniern
erschien die Existenz der Ansiedlungen von Vorteil, sie privilegierten
beide Orte. Es ist anzunehmen, daß sie ihnen um 1230 das Stadtrecht
verliehen.
Um 60000 v. u. Z. durchstreifen vermutlich - Funde
von bearbeiteten Knochen und Feuersteinen lassen darauf schließen -
altsteinzeitliche Horden das Gebiet, auf dem heute Berlin liegt.
Im 9. Jahrtausend v. u. Z. siedeln an den Talrändern
von Spree und Dahme Jäger und Fischer, von denen Pfeilspitzen, Schaber
und Beile aus Feuerstein 1953 bei Ausgrabungen in Biesdorf und Malchow
gefunden wurden.
Im 7. Jahrtausend v. u. Z. benutzen in diesem Gebiet
ansässige Jäger eine Hirschgeweihmaske - die 1953 in Biesdorf gefunden
wurde - als Jagdzauber. Im 3. Jahrtausend v. u. Z. erfolgt im märkischen
Gebiet der Übergang von der Jagd und vom Fischfang zum Ackerbau und zur
Viehhaltung. Aus jenen Zeiten stammen handgeformte Keramiken, und man
kann feste Wohnhäuser und Vorratsspeicher nachweisen.
Seit dem 6. Jahrhundert v. u. Z. besiedeln
germanische Stämme das Land. Überreste eines germanischen Dorfes werden
1977/78 bei Ausgrabungen in
Marzahnfreigelegt.DieSemnonen,eingermanischerStamm,derzudenSweben
gehört, verlassen gegen Ende des 2. Jahrhunderts u. Z. das Gebiet, es
kommen vorübergehend die Burgunder, die gegen Ende des 4. Jahrhunderts
wieder abziehen.
Seit dem 6./7. Jahrhundert besiedeln slawische
Stämme das nunmehr dünn bevölkerte Gebiet von Dahme, Spree und Havel,
sie bewohnen es bis zum 13. Jahrhundert. Eine slawische Siedlung in
Mahisdorf und eine in Kaulsdorf (beide durch Ausgrabungen nachgewiesen)
werden durch Brand vernichtet. Die Expansion der Feudalstaaten zerstört
die westslawische Kultur und vereitelt die Anfänge einer staatlichen
Entwicklung.
Zwischen 1180 und 1190 beginnt die Besiedlung der
sandigen Dünenhügel im sumpfigen Urstromtal zwischen den Hochflächen des
Teltows und des Barnims. Auf der rechten Uferseite entsteht Berlin, auf
der gegenüberliegenden Insel Cölln. Beide Siedlungen werden durch die
verästelten Nebenarme der Spree umgeben und so geschützt.