Bei UNIX-artigen *BSD-Betriebssystemen ist zu
unterscheiden zwischen
Distributionen und Derivaten. Alle *BSD-Derivate sind direkte
Nachfahren des BSD-UNIX "4.4BSD Lite2", der letzten offiziellen
BSD-Version der Universität Berkeley in Kalifornien.
Linux verfügt,
im Gegensatz zu *BSD, über keinen vergleichbaren Stammbaum (siehe
Chronik), da der Kernel relativ
unabhängig entwickelt wurde; wenn überhaupt spaltete sich der
Linux-Kernel mit Version 0.01 von Minix ab.
Die z.Zt. wichtigsten *BSD-Derivate sind:
FreeBSD.
Das wohl am weitesten verbreitete BSD-Derivat,
verfügt über die breiteste Hardware-Unterstützung; voll unterstützte
Hardware- Plattformen sind Intel i386 und Alpha AXP. Der Schwerpunkt
liegt auf portierten Anwendungen (z.Zt. über 4.400), ausführlicher
Dokumentation und benutzerfreundlicher Bedienung; wird häufig von
Server-Betreibern eingesetzt (z.B. Yahoo, Hotmail). Slogan: »The
Power to Serve«.
OpenBSD.
Ableger von NetBSD (Abspaltung Oktober 1995),
besonders spezialisiert auf Sicherheit, gute UNterstützung von
Kryptographie-Komponenten. Alle Systemkomponenten werden relmäßig
einem Security Audit unterzogen. Slogan: »Three years
without a remote hole in the default install!«.
NetBSD.
Ableger von FreeBSD
(Abspaltung 1996), das BSD-Derivat mit der größten Anzahl an
unterstützten Hardware-Plattformen, darunter Intel i386, Sun Sparc,
PowerPC, ARM, SH3/4, VAX und Sega Dreamcast. Slogan: »Of course
it runs NetBSD«.
Die drei freien BSD-Systeme unterliegen den
Lizenzbedingungen der Berkeley-Universität bzw. vergleichbaren
Bedingungen.
Das FreeBSD- und das
NetBSD-Projekt haben eine hierarchische
Struktur. Core-Teams von Systementwicklern bestimmen die globale
Richtung, und ein erweiterter Entwicklerkreis hat nach Absprache
Arbeiten übernommen und Schreibrecht im Quellcode. Der Quellcode ist
weltweit einheitlich und nur nach Versionen differenziert. Vorschläge
und Code aus dem großen Anwenderkreis sind willkommen, werden aber nicht
unbedingt berücksichtigt.
Dragonfly.
Dragonfly ist ein Fork der 4.x-Reihe von
FreeBSD, der Mitte Juli 2003 von dem ehemaligen FreeBSD-Entwickler
Matthew Dillon initiiert wurde.
Freie UNIX-Systeme im Vergleich (von Konrad Heuer):

Quelle:
http://gwdu60.gwdg.de/xfig2/freebsd2.gif.
Ein kommerzielles *BSD-Derivat hat einige Bedeutung im
Bereich der Internet-Server:
BSD/OS.
Kommerzielles BSD-Derivat.
Erwähnenswert sind auch noch:
MacOS X /
DarwinOS.
Basiert auf Komponenten von *BSD. Teile des Kernels
basieren auf FreeBSD, einige
Libraries stammen von NetBSD. Die BSD
und Mac Community werden daher vermutlich in Zukunft stärker
zusammenwachsen.
NeXTstep / Openstep.
Der
Kernel von NeXTstep basiert auf Mach 2.5, der wiederum eine
Implementation von BSD 4.x ist. Nachfolger: Apple "Rhapsody"
(Darwin, MacOS X).
SecureBSD.
Ein Projekt mit inheränter Sicherheit von
2Cactus
Development als Addon zum eigenen 4.4BSD-Derivat. Wird zur Zeit
allerdings nur für FreeBSD
angeboten.
TrustedBSD.
Ebenfalls
ein aus Sicherheitsaspekte spezialisiertes *BSD-Derivat, das sich
u.a. durch eine Implementierung von Access Control Lists
(ACL) und eine differenziertere Rechteverwaltung auszeichnet.
Eclipse/BSD.
Ein
auf FreeBSD basierendes System mit
integrierter Quality-of-Service (QoS).
SunOS 4.x.
Basiert ebenfalls auf *BSD. Mit der Entwicklung von
SunOS 5.x bzw. Solaris 2.x wechselte Sun allerdings zu System V
Release 4 ("SysV").
DEC Ultrix.
Veraltetes Betriebssystem für nur noch historisch
relevante Hardware.
Die meisten *BSD-Projekte arbeiten zusammen und tauschen
beispielsweise Patches für Sicherheitslücken aus. Die Firma BSDi hat
unlängst den FreeBSD-Distributor
Walnut Creek CDROM übernommen.
Éric Lévénez, <eric@levenez.com>:
UNIX History,
www.levenez.com/unix.
LEO: Übersicht über *BSD (von Daniel Lang),
www.leo.org/information/.../bsd/overview_de.html,
ftp.leo.org/pub/FreeBSD/branches/-current/src/share/misc/bsd-family-tree.
Operating Systems (von Pat Gunn),
junior.apk.net/~qc/comp/os/index.html.
OSdata.com: Operating System Technical Comparison
(von Mio),
www.osdata.com/index.htm.
Die Geschichte von UNIX (von Gunter Ohrner),
www-users.rwth-aachen.de/g.ohrner/Unix/unixgeschichte.html.
Freie UNIX-Systeme im Vergleich, Vortrag von
Konrad Heuer beim 15. DV-Treffen der Max-Planck-Institute vom 18. bis
20. November 1998 in Göttingen,
gwdu60.gwdg.de/xfig2/freeunix.html.