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Texte der Wesendonck-Lieder
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Home : Audio : Werke : W : Wesendonck-Lieder : Texte
06-Apr-2005/11-Jan-07
Übersicht
Die von Richard Wagner vertonten Texte der Wesendonck-Lieder stammen von Mathilde (Agnes
Mathilda) Wesendonck (1828-1902).
Der Engel
In der Kindheit frühen Tagen
In der Kindheit frühen Tagen
Hört ich oft von Engeln sagen,
Die des Himmels hehre Wonne
Tauschen mit der Erdensonne,
Daß, wo bang ein Herz in Sorgen
Schmachtet vor der Welt verborgen,
Daß, wo still es will verbluten,
Und vergehn in Tränenfluten,
Daß, wo brünstig sein Gebet
Einzig um Erlösung fleht,
Da der Engel niederschwebt,
Und es sanft gen Himmel hebt.
Ja, es stieg auch mir ein Engel nieder,
Und auf leuchtendem Gefieder
Führt er, ferne jedem Schmerz,
Meinen Geist nun himmelwärts!
Stehe still!
Sausendes, brausendes Rad der Zeit
Sausendes, brausendes Rad der Zeit,
Messer du der Ewigkeit;
Leuchtende Sphären im weiten All,
Die ihr umringt den Weltenball;
Urewige Schöpfung, halte doch ein,
Genug des Werdens, laß mich sein!
Halte an dich, zeugende Kraft,
Urgedanke, der ewig schafft!
Hemmet den Atem, stillet den Drang,
Schweigend nur eine Sekunde lang!
Schwellende Pulse, fesselt den Schlag;
Ende, des Wollens ew'ger Tag!
Daß in selig süßem Vergessen
Ich mög alle Wonne ermessen!
Wenn Auge in Auge wonnig trinken,
Seele ganz in Seele versinken;
Wesen in Wesen sich wiederfindet,
Und alles Hoffens Ende sich kündet,
Die Lippe verstummt in staunendem Schweigen,
Keinen Wunsch mehr will das Innre zeugen:
Erkennt der Mensch des Ew'gen Spur,
Und löst dein Rätsel, heil'ge Natur!
Im Treibhaus
Hochgewölbte Blätterkronen
[Studie zu Tristan und Isolde]
Hochgewölbte Blätterkronen, Baldachine con Smaragd, Kinder ihr aus fernen Zonen, Saget mir, warum ihr klagt?
Schweigend neiget ihr die Zweige, Malet Zeichen in die Luft, Und der Leiden stummer Zeuge Steiget aufwärts, süßer Duft.
Weit in sehnendem Verlangen Breitet ihr die Arme aus, Und umschlinget wahnbefangen Öder Leere nicht'gen Graus.
Wohl, ich weiß es, arme Pflanze; Ein Geschicke teilen wir, Ob umstrahlt von Licht und Glanze, Unsre Heimat ist nicht hier!
Und wie froh die Sonne scheidet Von des Tages leerem Schein, Hüllet der, der wahrhaft leidet, Sich in Schweigens Dunkel ein.
Stille wird's, ein säuselnd Weben Füllet bang den dunkeln Raum: Schwere Tropfen seh ich schweben An der Blätter grünem Saum.
Schmerzen
Sonne, weinest jeden Abend
Sonne, weinest jeden Abend
Dir die schönen Augen rot,
Wenn im Meeresspiegel badend
Dich erreicht der frühe Tod;
Doch erstehst in alter Pracht,
Glorie der düstren Welt,
Du am Morgen neu erwacht,
Wie ein stolzer Siegesheld!
Ach, wie sollte ich da klagen,
Wie, mein Herz, so schwer dich sehn,
Muss dis Sonne selbst verzagen,
Muss die Sonne untergehn?
Und gebieret Tod nur Leben,
Geben Schmerzen Wonne nur:
O wie dank ich, dass gegeben
Solche Schmerzen mir Natur!
Träume
Sag, welch wunderbare Träume
[Studie zu Tristan und Isolde]
Sag, welch wunderbare Träume Halten meinen Sinn umfangen, Daß sie nicht wie leere Schäume Sind in oedes Nichts vergangen?
Träume, die in jeder Stunde, Jedem Tage schöner blühn, Und mit ihrer Himmelskunde Selig durchs Gemüte ziehn!
Träume, die wie hehre Strahlen In die Seele sich versenken, Dort ein ewig Bild zu malen: Allvergessen, Eingedenken!
Träume, wie wenn Frühlingssonne Aus dem Schnee die Blueten küßt, Daß zu nie geahnter Wonne Sie der neue Tag begrüßt,
Daß sie wachsen, dass sie blühen, Träumed spenden ihren Duft, Sanft an deiner Brust verglühen, Und dann sinken in die Gruft.
Quelle und Lizenz
Alle Texte von Mathilde Wesendonck (gest. 1902) sind gemeinfrei, da das
Urheberrecht nach einer Schutzdauer von 70 Jahren nach Tod des Urhebers
erlischt.
Die hier wiedergegebene Fassung folgt der Ausgabe der Edition Peters,
Leipzig, von 1911.
Anmerkungen
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