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Weihnachtsoratorium
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12-Apr-2005/11-Jan-07
Systemzeit: 07.09.2008 07:32:33
Home : Audio : Werke : W : Weihnachtsoratorium
Übersicht
Als Weihnachtsoratorium bezeichnet man eine geistliche
Komposition, die, ursprünglich für die Aufführung im Gottesdienst
bestimmt, die biblische Geschichte von der Geburt Jesu (Luk. 2, Matth.
2) dramatisch vergegenwärtigt. Schon früh wurden dabei dem Bibeltext
betrachtende Stücke und Kirchenlieder beigefügt (siehe
Oratorium).
Das Weihnachtsoratorium, das heute fast immer mit diesem Begriff
verbunden ist, ist eine der berühmtesten und meistaufgeführten
geistlichen Kompositionen von Johann Sebastian Bach (BWV 248). Dabei
handelt es sich eigentlich nicht um ein geschlossenes Oratorium, sondern
um einen Zyklus von sechs Kantaten für die Weihnachtszeit 1734/35,
nämlich für die (damals) drei Weihnachtsfesttage (25./26./27. Dezember;
Geburtsgeschichte Luk. 2,1-20), den Neujahrstag (Beschneidung und
Namengebung Luk. 2,21), den Sonntag nach Neujahr und das Epiphaniasfest
(6. Januar; Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland Matth. 2,1-12).
Die Musik komponierte Bach nur zum Teil neu. Viele Chöre und Arien
entnahm er zuvor entstandenen weltlichen Werken (Gratulationskantaten
für das sächsische Herrscherhaus). Möglicherweise hatte er bei deren
Komposition die künftige Verwendung schon im Blick. Alte Stücke
parodierend wieder zu benutzen, war zu Bachs Zeit keine Seltenheit. So
wurden zu Beispiel gängige Volk- und Straßenlieder in christliche
Kirchenmusik umgedichtet. Zum Beispiel stammt der Eingangschor
"Jauchzet, frohlocket" direkt von "Tönet, ihr Pauken!" ab. Zahlreiche
Choraltexte gehen auf Paul Gerhardt (1607-1676) und C. F. Henrici,
genannt Picander, zurück. Die manchmal etwas schwer verständliche,
bildreiche Sprache ist dem Pietismus zuzurechnen. In den eindringlichen
musikalischen Redefiguren des Rezitativs hat Bach einzelne Worte
melodisch oder rhythmisch hervorgehoben. Bei der Ausführung entsteht der
Eindruck eines ganz natürlichen Sprachflusses. Für die damaligen
gläubigen Hörer waren die Stücke schon beinahe eine Oper. In der auf
Bachs Vorgänger zurückgehenden Auffassung wurden speziell das Rezitativ
und die Arie als zu weltlich für die Kirchenmusik abgelehnt. Das
Bildungsbürgertum hatte noch nicht angefangen, sich eigene Konzertsäle
und Aufführungen zu schaffen.
Bach war auch sehr an der Entwicklung neuer Instrumente interessiert.
Er förderte z.B. den Bau der Oboe d'amore, wo durch die tiefere
A-Stimmung und den kugelartigen Schallbecher ein gedeckter, besonders
süßer Klang entsteht. Bei der Oboe da caccia ergibt sich durch eine
halbrunde Form mit Messingschallbecher ein dunkler Ton mit feinem
metallischem Glanz. Sie existiert bisher nur als experimenteller
Nachbau. Ihr entspricht am ehesten die heutige Tenoroboe in F.
Durch die Verbindung von moderner Tonsprache mit alter Polyphonie hat
das entstandene Gesamtwerk einen einzigartigen Rang in der
Musikgeschichte.
Weitere bekannte und relativ oft zu hörende Weihnachtsoratorien:
- die "Weihnachtshistorie" von Heinrich Schütz
- das "Oratorio de Noël" von Camille Saint-Saëns
Inhaltliche Zusammenfassung des Weihnachtsoratoriums von J. S. Bach
In der ersten Kantate geht es um die Zeit vor Jesu Geburt. Die
Christenheit preist seine Ankunft ("Jauchzet, frohlocket") mit Pauken
und Trompeten und jubelndem Eingangschor. Weiter handelt dieser Teil
davon, dass Maria und Joseph durch ein Gebot des Kaiser Augustus
gezwungen waren, ihre Heimat Galiläa zu verlassen und sich in Josephs
Geburtsort Bethlehem zählen zu lassen. (Lk 2,1-6) Die Alt-Arie "Bereite
dich Zion" gibt eine erste Ahnung von der Größe des Bevorstehenden. Die
Gemeinde antwortet mit dem Choral „Wie soll ich dich empfangen“ von Paul
Gerhardt. Das Rezitativ "Und sie gebar" berichtet von Jesu Geburt. (Lk
2,7) Die Arie "Großer Herr, o starker König" preist als Hymnus die
Majestät Gottes. Teil 1 schließt mit der Bitte, als ständige Erinnerung
das eigene Herz zur Krippe werden zu lassen.
Die zweite Kantate handelt von der Nachricht von Jesu Geburt an die
Hirten. In der Eingangs-Sinfonia werden mit Flöten und Oboe da caccia
Schalmei und Dudelsack der Hirten sowie volkstümliche Terzmelodien und
punktierter Rhythmus stilisiert nachgeahmt. In der Nacht erscheint den
Hirten zu dessen Schrecken ein Engel. (Lk 2,8-9) Der Tagesbeginn wird
durch den Choral "Brich an, du schönes Morgenlicht" dargestellt. Der
Engel verkündet die Geburt von Christus. (Lk 2,10-11) Mit Bassstimme
erinnert Gott an die alttestamentliche Messias-Verheißung an den Hirten
Abraham. Aufgeregt mahnt ein Hirte zur Eile, das Kind zu sehen. Nun
prophezeit der Engel den Fund des Kindes in der Krippe (Lk 2,16),
wiederholt durch den Gemeindechoral "Schaut hin, dort liegt im finstren
Stall". Die Bassstimme fordert jetzt direkt dazu auf, zum Stall zu gehen
und dem Kind ein Wiegenlied zu singen. Nachdem Maria das Wiegenlied
"Schlafe, mein Liebster" gesungen hat, jubilieren die Heerscharen der
Engel in einer großen Tutti-Fuge mit langen Melsimen "Ehre sei Gott in
der Höhe" und bitten leise um Friede auf Erden. Darin stimmen die Hirten
tänzerisch mit "Wir singen dir in deinem Heer" ein, womit der 2. Teil
endet.
Die dritte Kantate schließt die eigentliche Geschichte der
Weihnachtsnacht mit der Anbetung durch die Hirten im Stall zu Bethlehem.
Die indirekte Gleichsetzung Gottes als "Herrscher des Himmels..." mit
einem König entspricht dabei dem barocken Weltbild mit einem in
kirchenähnliche Schlösser entrückten Monarchen. Nach dem Verschwinden
der Engel (Lk 2,15) machen sich die Hirten auf den Weg nach Bethlehem,
sich gegenseitig auffordernd: "Lasset uns nun gehen". Mit dem folgenden
Choral wird noch mal die große Liebe des Geschenks Gottes freudig
angenommen: „Dies hat er alles uns getan". Nachdem sich die Vorhersage
des Engels bestätigt, verbreiten die Hirten die Nachricht weiter. (Lk
2,16-18). In einem zweiten Wiegenlied versucht Maria alles Gehörte
meditativ zu verinnerlichen (Lk 2,19 "Schließe, mein Herze") um danach
laut zu bekennen: "Ja mein Herz soll es bewahren". Die Gemeinde
wiederholt diesen Gedanken mit dem kraftvollen Choral "Ich will dich mit
Fleiß bewahren". Der Evangelist berichtet von der fröhlichen Umkehr der
Hirten (Lk2,20). Dies wird gefolgt vom sich steigernden,
aufwärtsstrebenden Choral "Seid froh dieweil" als Aufruf an alle
Christen. Die "erste Hälfte" des Weihnachtsoratoriums schließt mit der
Wiederholung des Eingangschors.
[...]
Aufführungspraxis Das Weihnachtsoratorium wird in Deutschland häufig
aufgeführt, auch wenn Laienchöre dabei an Grenzen stoßen können.
Allgemein sollten die einzelnen Kantaten eigentlich einzeln aufgeführt
werden. Spätestens nach 3 Teilen ist der Zuhörer so erschlagen, dass er
"die große Schönheit der Stücke nicht mehr richtig wahrnehmen kann"
meinte Albert Schweitzer dazu. Vorsichtig sollte auch das Tempo gewählt
werden. Neben langsamen Chorälen (cantus firmus Stimme als Gemeinde!)
stehen tänzerische Teile in Anlehnung an die französisch- sächsische
Hoftänze. Im grandiosen "Ehre"-Chor jubilieren die Engel in einer großen
Fuge miteinander. Siehe dazu auch die Ausführungen unter Historisch
informierte Aufführungspraxis.
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Siehe auch
Literatur
Netmarks
Text und Aufbau von Bachs Weihnachtsoratorium
Kantate I,
www.cs.ualberta.ca/~wfb/cantatas/248I.html.
Kantate II,
www.cs.ualberta.ca/~wfb/cantatas/248II.html.
Kantate III,
www.cs.ualberta.ca/~wfb/cantatas/248III.html.
Kantate IV,
www.cs.ualberta.ca/~wfb/cantatas/248IV.html.
Kantate V,
www.cs.ualberta.ca/~wfb/cantatas/248V.html.
Kantate VI,
www.cs.ualberta.ca/~wfb/cantatas/248VI.html.
Quelle und Lizenz
Ein Teil dieses Textes basiert auf einem Artikel aus
Wikipedia, der
freien Enzyklopädie.
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Version: 19:15, 17. Feb 2005.
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