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Petite Messe Solennelle (1863)
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11-Apr-2005/11-Jan-07
Systemzeit: 10.01.2009 01:34:35
Home : Audio : Werke : P : Petite.Messe.Solennelle
Übersicht
Die Petite Messe Solennelle (fälschlicherweise auch nur
Messe Solennelle) ist, neben dem
Stabat Mater, die zweite große
kirchenmusikalische Schöpfung
Gioacchino
Rossinis.
Aufführungsdauer: etwa 85 Minuten.
Entstehung
Die Petite Messe Solennelle entstand im Jahre
1863 in Passy, einem damaligen Vorort von Paris. Rossini hatte dort eine
Villa erworben, die rasch zu einem begehrten gesellschaftlichen und
künstlerischen Treffpunkt wurde. Hier empfing er Persönlichkeiten des
internationalen Musiklebens, darunter Richard Wagner, Max Maria von
Weber, Ignaz Moscheles und Eduard Hanslick. In Passy begann Rossini nach
langen Krankheitsjahren wieder verstärkt zu komponieren. Er schrieb eine
Vielzahl kleiner, von ihm ironisch als »Sünden des Alters« (Péchés de
vieillesse) benannte Stücke; er komponierte als Auftragswerk die Hymne
Napoléon und schuf mit 70 Jahren als die »letzte Todsünde seines Alters«
die Petite Messe Solennelle, 34 Jahre nach der Komposition seiner
letzten Oper.
»Das ist keine Kirchenmusik für euch Deutsche, meine
heiligste Musik ist doch nur immer 'semi seria'« (teils
heitere, teils ernste Opernmusik) – Gioacchino Rossini über
seine Messe.
Uraufführung und Besetzung
Die Petite Messe Solennelle war nach außen hin in gewisser
Weise ein Gelegenheitswerk, geschrieben für die Einweihung der
Privatkapelle des mit Rossini befreundeten Pariser Adeligen Graf
Michel-Frédéric Pillet-Will. Dessen Frau, der Comtesse Louise
Pillet-Will, wurde die Petite Messe Solennelle dann auch gewidmet. In
dessen Pariser Haus in der Rue Moncey fand am 14. März 1864 in privatem
Rahmen und nur vor geladenen Gästen die erfolgreiche Uraufführung der
Messe statt.
Vielleicht waren es diese räumlichen Verhältnisse, die Rossini zu der
auf den ersten Blick etwas ungewöhnlichen, in der französischen
Messtradition aber durchaus beliebten Begleitung mit Klavier und
Harmonium bewegten. Der Eintrag auf dem ersten Titelblatt des
autographen Manuskriptes, Petite Messe Solennelle à quatre Parties avec
accompagnement de Piano et Harmonium, legt es dabei nahe, dass die
instrumentale Begleitung der Messe zunächst nur für ein Piano und
Harmonium gedacht war. Erst auf dem nachfolgenden zweiten Titelblatt
fordert der Komponist ausdrücklich als begleitendes Instrumentarium 2
Pianos et Harmonium. Diesen Umstand machen sich heutige Aufführungen oft
zu Nutzen, indem sie auf das zweite Klavier, das ohnehin an vielen
Stellen pausiert und meist den Part des ersten verdoppelt, verzichten).
Gleichzeitig verweist Rossini hier in der für ihn bezeichnenden
ironisch-spöttischen Art auf den Symbolgehalt der für die Aufführung der
Messe benötigten Sängeranzahl:
»12 Sänger von drei Geschlechtern - Männer, Frauen und
Kastraten werden genug sein für ihre Aufführung, d.h. acht für den
Chor, vier für die Soli, insgesamt also 12 Cherubine. Lieber, Gott,
verzeih mir die folgende Gedankenverbindung: 12 an der Zahl sind
auch die Apostel in der berühmten Freßszene, gemalt im Fresko von
Leonardo, welches man Das letzte Abendmahl nennt; wer würde es
glauben! Es gibt unter Deinen Jüngern solche, die falsche Töne
anschlagen!! Lieber Gott beruhige Dich, ich behaupte, daß kein Judas
bei meinem Mahle sein wird, und daß die Meinen richtig und mit Liebe
Dein Lob singen werden...«
Trotz des "Gelegenheitscharakters" aber war die Petite Messe
Solennelle ein höchst persönliches, von Rossini in erster Linie für sich
selbst komponiertes Werk. Neben die Schlusstakte des Agnus Dei schrieb
Rossini in sein Manuskript die Worte:
»Lieber Gott - voilà, nun ist diese arme kleine Messe
beendet. Ist es wirklich "heilige Musik" (musique sacrée), die ich
gemacht habe oder ist es "vermaledeite Musik" (sacrée musique)? Ich
wurde für die Opera buffa geboren, das weißt Du wohl! Wenig Wissen,
ein bisschen Herz, das ist alles. Sei also gepriesen und gewähre mir
das Paradies«.
Veröffentlichung und Orchesterversion
Seine Messe hat Rossini wie alle in seinen letzten Jahren
entstandenen Kompositionen gehütet und einer Veröffentlichung bewusst
entzogen. Erst nach seinem Tode konnte das Werk durch den Pariser Verlag
Brandus & Dufour der Öffentlichkeit übergeben werden, neben der
Originalfassung auch in einer Fassung für Soli, Chor und Orchester, in
der das berühmte Prélude religieux des Originals allerdings nicht
mehr enthalten ist. Rossini hatte diese Orchesterversion im Jahre 1867
ausgearbeitet, gedrängt von Freunden, die verlangten, dass er sie
orchestriere, damit sie später in einer großen Basilika aufgeführt
werden kann; gedrängt auch von der Pariser Musikkritik, die nach der
öffentlichen Aufführung vom 15. März 1864 das originale Instrumentarium
eher für provisorisch hielt und meinte, dass, wenn die Messe erst
orchestriert sein würde, sie genug Feuer spenden werde, um Kathedralen
aus Marmor zum Schmelzen zu bringen; und gedrängt schließlich auch von
der Sorge, dass nach seinem Tode ein Anderer diese Aufgabe übernehmen
und dabei das Werk entstellen könnte.
Doch scheint Rossini selbst die Originalfassung bevorzugt und höher
eingeschätzt zu haben als die Orchesterfassung. Auch heute ist eine
Aufführung der Orchesterversion eher selten.
Der Musikhistoriker August Wilhelm Ambros schrieb über die Messe:
»Die 'Petite Messe Solennelle' war das Werk eines
Komponisten, der sich nach außen hin in seinen ironischen Späßen
gefallen haben mag, der in seiner Musik hier aber die Hoffnungen,
Freuden und Ängste eines Menschen ausdrückt, für den aufrichtiger
Zweifel und mit diesem eine gewisse düster brütende Melancholie
Bestandteil eines Glaubens ist, an dem er unabdingbar festhält«.
Text
Der Text entstammt den üblichen Lyriken einer Messe: Kyrie,
Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei.
Rossini hat ihn um das O salutaris hostia erweitert, einen
Textausschnitt, der heute in der Liturgie nicht mehr verwendeten Hymne
Verbum supernum aus dem älteren römischen Antiphonale.
Ein weiterer Einschub, das Prélude religieux mag mit einem
Seitenblick auf Ludwig van Beethovens
Missa solemnis entstanden
sein, in der vor dem Benedictus ein Präludium des Orchesters
eingefügt ist.
Diskografische Empfehlungen
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Titel |
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Bezugsmöglichkeit |
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Originalversion
mit dem RIAS Kammerchor; Leitung: Marcus Creed; erschienen bei
Harmonia Mundi,
www.harmoniamundi.com. |
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1 |
EUR |
Bestellen |
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Orchesterversion
mit dem Orchestra e coro del Teatro Comunale di Bologna;
Leitung: Riccardo Chailly; erschienen bei Decca,
catalogue.deccaclassics.com. |
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Siehe auch
Literatur
Netmarks
Quelle und Lizenz
Ein Teil dieses Textes basiert auf einem Artikel aus
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Version: 19:53, 30. Dez 2004.
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