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Die Kunst der Fuge (um 1750, BWV 1080)
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12-Apr-2005/11-Jan-07
Systemzeit: 09.01.2009 21:37:25
Home : Audio : Werke : K : Kunst.der.Fuge.Die
Übersicht
Die Kunst der Fuge ist ein Variationenwerk von
Johann
Sebastian Bach (BWV 1080), das um 1750 mit Vorarbeiten von 1740
entstand (Erstdruck 1751). Der Titel stammt nicht von Bach selbst.
Das Werk umfaßt vierzehn Fugen und vier Kanons. Jede der Fugen,
abgesehen von der unabgeschlossenen letzten, basiert auf einem recht
einfachen Grundthema in d-Moll, das in der ersten Fuge eingeführt wird:

Abbildung: Das Grundthema von Bachs Kunst der Fuge.
Mit dem Werk solle anschaulich vermittelt werden, so der erste
Bach-Biograph Johann Nikolaus Forkel, »was möglicherweise über ein
(einziges!) Fugenthema gemacht werden könne. Die Variationen, welche
sämtlich vollständige Fugen über ein einerlei Thema (in derselben
Tonart) sind, werden hier Contrapuncte genannt« (1802).
Der kunstvollen kontrapunktischen Komplexität wegen hat der Komponist
jede Stimme – alle vorkommenden Fugen, Doppelfugen, Spiegelfugen usw.
sind höchstens vierstimmig – auf einem einzigen Notensystem, also in
Partiturform, ausgeschrieben.
Das unvollendet gebliebene Werk Bachs bietet bis heute Anlaß zu
vielfältigen Spekulationen. Die anhaltende Diskussion thematisiert dabei
vor allem die Frage der Instrumentierung, der Anordnung sowie der
Unabgeschlossenheit dieses Meisterwerkes polyphoner Kompositionskunst.
Instrumentierung
Weder im Bachschen Autograph noch im Erstdruck der Kunst der Fuge
finden sich Angaben zur Instrumentierung des Werkes. Folglich wurde viel
über die von Bach vermeintlich intendierte Instrumentalbestimmung
spekuliert, starb der Komponist doch vor Abschluß der Drucklegung der
Erstveröffentlichung.
Über 250 Jahre hinweg kann dabei die Tasteninstrument-These als
dominant angesehen werden, nach der Bach wahrscheinlich bei diesem
"Kunstbuch" an einen (Tasteninstrumenten-)"Spieler gedacht [habe], der
spielt und sieht, sieht und hört" (Arnold Feil). Um einer "strengen
Eintönigkeit" (Arnold Feil) auszuweichen, die sich bei einer Wiedergabe
auf dem weniger klangvariablen Cembalo einstellen kann, gibt es für
Aufführungen Einrichtungen für andere Instrumente. So war zum Beispiel
dem Leipziger Konzert im Sommer 1927 (Dirigent: Karl Straube auf
Veranlassung von Wolfgang Gräser, mit großem Orchester, Orgel und
Cembalo) ein mehr als beeindruckender Erfolg beschieden; das "klingende
Kunstwerk" sollte daraufhin immer wieder unter superlativer
Etikettierung konzertant den Nur-Hörer für den "riesigen Fugenkosmos"
motivieren.
Kontrovers diskutiert wurden die Einspielungen von Glenn Gould an
Orgel (1962) und Klavier (1981). Neben den genannten existieren
Bearbeitungen für Streichquartett und Blechbläserquartett. Auch mit
Einrichtungen für Saxophonquartett und Gitarrenquartett ist
experimentiert worden.
Von Hans-Eberhard Dentler wurden Einwände gegen die diversen
Instrumentalbearbeitungen geltend gemacht. In seiner Studie zur Kunst
der Fuge kommt er zu dem Ergebnis, daß allein folgende Besetzung dem
Bachschen Autograph gerecht werden könne: Violine, Viola, Violoncello,
Fagott und Kontrabaß. Diese Besetzung gestatte »erstmals, jede
musikalische Linie der verschiedenen Stimmen zu hören und ihre
Entwicklung zu verfolgen. Sie garantiert absolute Partiturtreue und
setzt Instrumente ein, die durch Bachs Kantaten und Instrumentalwerke
bekannt sind. Jedes Instrument ist für seine Stimme verantwortlich und
überläßt niemals wegen instrumentaler Schwierigkeiten oder aus Gründen
der Unausführbarkeit einzelne Takte oder Noten anderen Instrumenten (wie
dies bei Transkriptionen der Fall ist)« (Johann Sebastian Bachs
"Kunst der Fuge", S. 144)
Anordnung
Auch die Anordnung der letztlich 20 Stücke läßt sich aus den Quellen
nicht verbindlich bestimmen. Eine der vielen Möglichkeiten, Bachs »klanggewordene
musikalische Wissenschaft« (Pablo Casals) lebendig werden zu
lassen, sei mit der folgenden Realisation (Wolfgang Hofmann) genannt:
- Contrapunctus 1 - Einfache Fuge (Orchester)
- Contrapunctus 2 - Einfache Fuge (Orchester)
- Contrapunctus 3 - Thema in der Umkehrung (Orgel)
- Contrapunctus 4 - Thema in der Umkehrung (Orchester)
- Contrapunctus 5 - Gegenfuge (Orchester)
- Contrapunctus 6 - Fuge in stile francese (Orgel)
- Contrapunctus 7 - 4-stimmige Fuge mit vergrößerten und
verkleinerten Notenwerten (Orchester)
- Contrapunctus 8 - 3-stimmige Tripelfuge (Orgel)
- Contrapunctus 9 - Doppelfuge, Thema in der Duodezime (Orchester)
- Contrapunctus 10 - Doppelfuge, Thema in der Dezime (Orgel)
- Contrapunctus 11 - Tripelfuge, 4-stimmig (Orchester)
- Canon alla Ottava - Canon in der Octave (Cembalo)
- Canon alla duodecima - Canon in der Dezime (Chororgel)
- Canon alla decima - Canon in der Dezime (Chororgel)
- Canon per augmentationem - Canon in Vergrößerung und Umkehrung
(Cembalo)
- Fuga a 2 Clav. - Spiegelfuge (Orgel)
- Alio modo.Fuga - Umkehrung (Orgel)
- Contrapunctus 12 - Spiegelfuge (Orchester)
- Contrapunctus 12 - Umkehrung (Umkehrung)
- Fuga a 3 Sogetti - Unvollendete Quadrupelfuge (Orchester)
Unabgeschlossenheit
Die letzte Fuge konnte von Bach nicht mehr vollendet werden. Dort, wo
die Tonfolge B-A-C-H auftritt, bricht das Manuskript eigentümlicher
Weise ab. In der Handschrift von Bachs Sohn
Carl
Philipp Emanuel findet sich hier die Anmerkung: Ȇber dieser
Fuge, wo der Nahme BACH im Contrasubject angebracht worden, ist der
Verfasser gestorben«. Das kann jedoch getrost als Teil der
vielfältigen Mythenbildungen über den Komponisten angesehen werden.
Johann Nikolaus Forkel notiert dazu: "Die vorletzte Fuge [gemeint ist
die Nummer 20] hat 3 Themata; im dritten gibt sich der Componist
namentlich durch b a c h zu erkennen. Diese Fuge wurde aber durch die
Augenkrankheit des Verfassers unterbrochen, und konnte, da seine
Operation unglücklich ausfiel, nicht vollendet werden. Sonst soll er
Willens gewesen sein, in der allerletzten Fuge 4 Themata zu nehmen, sie
in allen 4 Stimmen umzukehren und sein großes Werk damit zu beschließen.
Alle die in diesem Werke vorkommenden verschiedenen Gattungen von
Fugen über einerlei Hauptsatz, haben übrigens das gemeinschaftliche
Verdienst, daß alle Stimmen darin gehörig singen, und keine weniger als
die andere.- Zum Ersatz des Fehlenden an der letztern Fuge ist dem Werke
am Schluß der 4stimmig ausgearbeitete Choral: Wenn wir in höchsten Nöten
sind etc. beigefügt worden. Bach hat ihn in seiner Blindheit, wenige
Tage vor seinem Ende seinem Schwiegersohn Altnikol [recte: einem seiner
Freunde] in die Feder dictiert...".
Daher kommt es, dass dieser Choral (mit dem Text:Vor deinen Thron
tret' ich hiermit) als Finalstück gespielt wird und so den riesigen
Torso abschließt.
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Notenbeispiel
Die Kunst der Fuge (BWV 1080)

Vollständiges Notenblatt:
A4 PDF (8,4 MB).
MIDI-Datei:
KdF-mids.zip (67 kB, komprimiert.
Literatur
Walter Kolneder: Die Kunst der Fuge – Mythen des 20. Jahrhunderts.
Wilhelmshaven 1977, ISBN 3-7959-0178-2
Hans Heinrich Eggebrecht: Bachs Kunst der Fuge – Erscheinung und
Deutung. München 1984, ISBN 3-492-00667-1
Hans-Eberhard Dentler: Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge". Mainz
2004, ISBN 3-7957-0490-1
Douglas R. Hofstadter, Gödel, Escher, Bach ein Endloses Geflochtenes
Band, ISBN 3-608-94338-2
Netmarks
Die Partitur der Kunst der Fuge als PDF-Dokument,
icking-music-archive.org/scores/bach/kfsq/kfur.pdf.
Die Kunst der Fuge als MIDI-Dateien,
www.kunstderfuge.com/bach/canons.htm#Art.
www.jsbach.net/images/unfinishedfugue.html.
Quelle und Lizenz
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