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Musik im 16. Jahrhundert
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Erstellt/Bearbeitet: 23-Apr-2005/11-Jan-07
Systemzeit: 20.11.2008 21:23:49
Home : Audio : Geschichte : Epochen : Meyers : 16.Jahrhundert
Übersicht
Die mächtige Anregung, welche um diese Zeit das gesamte geistige
Leben Europas durch die wieder erwachte Teilnahme für Kunst und
Wissenschaft des Altertums erhalten hatte, und die infolgedessen
eingetretene Verfeinerung des Geschmacks trugen wesentlich zu dem Erfolg
der niederländischen Tonsetzer bei; nicht minder auch die Kirchenreform
Luthers mit ihrer auf individuelle religiöse Betätigung gerichteten
Tendenz, kraft welcher die Gemeinde nach jahr-hundertelanger
Ausschließung vom Kirchengesan.g sich wiederum an demselben zu
beteiligen hatte, sowie endlich die bald nach Erfindung der
Buchdrucker-kunst gemachte Erfindung desOttavianodei.Pe-trucci,
Musiknoten mit beweglichen Metalltypen zu drucken. Dieselben Ursachen
aber, welche dieKunst der Niederländer zur vollen Reise gebracht,
setzten auch ihrer Alleinherrschaft ein Ziel, denn mit der durch
Kirchenreform und Renaissance bewirkten geistigeii Befreiung des
Individuums erwachte auch bei den andern Völkern die musikalische
Produktions-kraft; vor allen bei den Italienern, die noch im Verlauf des
16. Jahrb. den Beweis liefern konnten,. daß sie, wenn auch zeitweilig
vom musikalischen Kampfplatz verdrängt, doch an ihren natürlichen
An-lagen keine Einbuße erlitten hatten. Denn die von den Niederländern
Claude Goudimel (gest. 1572) und Adrian Will a er t (gest. 156...) in
Rom und Venedig gestifteten Schulen erreichten erst dann ihre
eigentliche Höhe, nachdem dort Palestrina (1524-1594), hier die beiden
Gabrieli, Andreas (gest. 1586) und sein Neffe Giovanni (gest.^1612), an
die Spitze getreten waren. Namentlich wurdePalestrinas Wirken für die
Zukunft der italienischen M..von höchsterBedeutung, denn als beim Konzil
von Trient die Klage laut wurde, daß die polyphone oder Figuralmusik in
ihrem damaligen komplizierten Zustand der Würde des Gottesdienstes mehr
nachteilig als vorteilhaft und deshalb ganz aus demselben zu verbannen
sei, da waren es seine im Auftrag des Konzils komponierten drei Messen
(darunter die berühmte, dem Andenken seines Gönners, des Papstes
Mar-cellus, geweihte "Missa papae Marcelll"), welche die
Untersuchungskommission überzeugten, daß die Hauptbedingungen einer
wirkungsvollen Vokalmusik; deutliches Hervortreten der Melodie und
Verstand-lichkeit der Textesworte, auch mit Anwendung der kunstvollsten
Kontrapunktik recht wohl erfüllt werden. können. Durch diese Messen,
deren Aufführung 19.. Juni 1565 unter dem begeisterten Beifall der zur
Entscheidung obiger Frage versammelten Kardinäle stattfand, wurde die
polyphone Kirchenmusik vor dem Untergang bewahrt, den ihre Lostrennung
vom katho-lisch en Gottesdienst unvermeidlich nach sich gezogen hätte.
Zugleich aber war den Italienern ein ihnen eigentümlicher
Kirchenstilgeschaffen, welch er in seiner edlen Einfachheit und
Erhabenheit als klassisch gelten. darf und unter der Bezeichnung
"Palestrina-Stil "für alle spätern Kirchengesangskomponisten
mustergültig geworden ist.
Dem Beispiel Italiens folgte zunächst Deutschland. Schon im 15.
Jahrhundert hatte ein Deutscher, Heinrich Isaak aus Basel (gest. um
1530), mit den angesehensten der niederländischen Kontrapunktisten
wett-eifern können; sein Schüler Ludwig Senfl aber, der Zeitgenosse und
Lieblingskompoliist Luthers, zeigt in seinen Tonsätzen bereits jene
Freiheit, welche die Arbeiten der vorhin genannten Italiener von denen.
ihrer niederländischen Vorgänger vorteilhaft unter-scheidet. In
Deutschland war es auch, wo der letzte
große Niederländer, Orlandus Lassus (Roland de Lattre, gest. 1594 in
München), die Stätte seiner er-folgreichsten Wirksamkeit fand und eine
Schule begründete, welche sich unter andern durch Johannes Eccard (gest.
1611 in Berlin) fortpflanzte. Mit diesen Künstlern, zu denen noch Hans
Leo Hasler (gest. 1612) gehört, vin Schüler des A. Gabrieli, hatte die
polyphone Gesangsmusik den Höhepunkt ihrer Entwickelung erreicht.
Mittlerweile aber war ihr eineGegnerschast entstanden, h ervorgerufen
durch die Bestrebungen, das antike Musikdrama wieder zu neuem Leben zu
erwecken. Der Schauplatz dieser Be-wegung war Florenz, wo in einem Kreis
von Künstlern und Gelehrten die Frage erörtert wurde,. durch welche
Mittel die von den Schriftstellern des Altertums der M. der Tragödie
zugeschriebene Wir.-kung zu erreichen sei. Überzeugt, daß der
mehrstimmige Gesang auch in der freien Form des weltlichen Lie-des, des
im Lauf des 16. Jahrh. zu hoher Blüte gelangten Madrigals (s. d.), zum
Ausdruck drama-tischer Leidenschaften ungenügend sei, suchte man nach
einer hierfür geeigneten Gesangsform und fand. sie in der bis dahin als
Kunstgattung unbekannt gewesenen Monodie ("Einzelgesang") sowie
namentlich in dem zwischen Gesang und Sprache die Mitte haltenden
Vortrag derselben, den man St.ilorappre. sentatlvo oder recitatlvo
nannte. Mit diesen Hilfsmitteln unternahm der Kapellmeister Jacopo Peri
die Komposition des Dramas "Daphne" von Rinuc-cini, und die Aufführung
dieses Werkes in dem oben genannten Kreis fand solchen Beifall, daß man
sich überzeugt hielt, die dramatische M. der Alten sei nun wirklich
wieder aufgefunden. Eine zweite Arb eit dieser. Männer aber, die
"Euridlce", war berufen., einen Markstein in die Geschichte der M. zu
bilden; denn mit der Ausführung dieses Werkes zu Florenz bei den
Feierlichkeiten der Vermählung Heinrichs IV. von Frankreich mit Maria von
Medici (1600) tritt diejenige Kunstgattung ins Leben, die von nun an
un-unterbrochen die musikalische Welt beschäftigen sollte: die moderne
Oper.
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