Nach den Ergebnissen einer Analyse der Bundesanstalt für Arbeit --
Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV,
www.arbeitsamt.de/zav) vom
März 2003 gibt es ein Ungleichgewicht zwischen Bewerberanfragen und
offenen Stellen; die Arbeitsmarktsitutation in der IT-/TK- Branche
hat sich im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verschlechtert:
- Ende 2000 lagen den Arbeitsämtern für 100 Bewerber noch 156
Job-Offerten vor;
- Ende 2001 reduzierte sich die Anzahl der Stellenangebote auf 42
für jeweils 100 Bewerber;
- Ende 2002 konkurrierten statistisch gesehen 100 Bewerber um 14
offene Stellen.
Bei der Arbeitssuche unterstützen folgende Hilfsmittel:
Online-Jobbörsen.
Theoretisch sind Online- Stellenbörsen ein hervorragendes Mittel,
IT- Fachleute für ein bestimmtes Anforderungsprofil zu finden oder
als Arbeitssuchender systematisch nach passenden Tätigkeiten zu
recherchieren; in der Praxis taugt nicht jeder Dienst;
beispielsweise versuchen einige Jobbörsen, die Bewerberprofile in
festgelegte und realitätsfremde Profile zu pressen. Wenn ein solcher
Dienst die Eingaben wie Abitur von (Datum) und Abitur bis
(Datum) erzwingt, sollte man sich Gedanken machen, ob dort
vielleicht noch mehr Datenlogik schief hängt.
In den Boom-Zeiten der New Economy schossen die Online-
Stellenbörsen wie Pilze aus dem Boden; der Markt hat sich allerdings
mittlerweile konsolidiert -- leider hat dies nicht zu einem höheren
Qualitätsstandard der Stellenbörsen geführt.
Private Arbeitsvermittler.
Private Arbeitsvermittler können den Mangel an geeigneten
persönlichen Kontakten eines Arbeitssuchenden kompensieren; die
Arbeitsämter fördern daher die private Arbeitsvermitlung durch
sogenannte Vermittlungsgutscheine -- ein gutes Geschäft für den
erfolgreichen Vermittler und vielleicht auch ein fairer Deal für den
Vermittelten.
In der Praxis wirft die Branche der privaten Arbeitsvermittler
jedoch ähnliche Probleme auf, wie sie auch bei Maklern auftreten:
- Wird der Arbeitsvermittler primär als Interessenvertreter
des Suchenden auf, oder wirtschaftet er nur in seine eigene
Tasche?
- Prüft er das Kenntnis- und Fähigkeitsprofil des
Arbeitssuchenden sorgfältig, um die Voraussetzungen für ein
dauerhaftes Anstellungsverhältnis zu schaffen, oder versucht er
nur, den Suchenden so rasch wie möglich irgenwo unterzubringen,
um seine Prämie abzukassieren?
- Ist der Arbeitsvermittler wirklich kompetent, Suchende in
verschiedenste Branchen zu vermitteln?
In der Praxis zeigt sich dann auch, dass es derzeit nur wenige
private Arbeitsvermittler gibt, die überhaupt IT- Fachleute als
Clienten annehmen -- vor wenigen Monaten war das noch ganz anders,
als selbst unfähigste Amateure von selbsternannten Headhuntern
zu Phantasiepreisen an naive Start-ups vermittelt wurden.
Der Weg zum privaten Arbeitsvermittler ist für den
Arbeitssuchenden weitgehend risikolos und daher durchaus
empfehlenswert.
Stellenanzeigen.
Stellenanzeigen in Zeitungen und (Fach-) Zeitschriften sind das
klassische Instrumentarium, das jedem Arbeitssuchenden offensteht;
je nach Branche, aktueller Situation auf dem Arbeitsmarkt und Region
sind die Erfolgsaussichten unterschiedlich.
In Phasen akuter Konjunkturschwäche tendieren Stellenanzeigen
dazu, von der Menge her asymptotisch abzunehmen und vom geforderten
Anforderungsprofil exponentiell zuzunehmen. Unverzichtbar sind sie
dennoch, weder für Arbeitgeber noch für Arbeitssuchende.
Arbeitsamt.
Das Arbeitsamt verwaltet in der Regel den Mangel an Arbeit und
die davon betroffenen Personen, prüft Ansprüche und gewährt ggf.
Leistungen oder führt die eine oder andere Massnahme durch -- tut in
der aktuellen Form jedoch mangels Möglichkeiten nur recht wenig
darüber hinaus für den Arbeitssuchenden.
Wer vom Arbeitsamt die Vermittlung einer interessanten und
halbwegs passenden Stelle erwartet, oder gar auf ein individuelles
Gespäch hofft, wird sich rasch anderweitig orientieren müssen: Das
Arbeitsamt unterstützt nach dem aktuellen Selbstverständnis primär
die Eigeninitiative eines Arbeitssuchenden, und das auch nur sehr
begrenzt, kann aber wohl nur in Ausnahmefällen unmittelbar bei der
Arbeitsvermittlung oder gar Berufswahl helfen.
Zeitarbeitsfirmen.
Je nach Branche und gewünschtem Tätigkeitsprofil kann es sinnvoll
sein, sich an Zeitarbeitsfirmen zu wenden; gelegentlich soll es
basierend auf gegenseitig positiven Erfahrungen auch schon zu festen
Anstellungsverhältnissen gekommen sein, das dürfte aber die Ausnahme
sein.
Zeitarbeit bedeutet für den Arbeitnehmer, seine Arbeitskraft und
Fähigkeiten zu unverhältnismässig miesen Konditionen zu verkaufen;
Arbeitgeber gehen ein verhältnismässig geringes Risiko ein und
können mehr oder minder nach Belieben die deutsche Variation des
hire & fire praktizieren, dementsprechend hoch ist die
Fluktuation.
Gewerkschaften mögen Zeitarbeit nur wenig, da Arbeitnehmer hier
nur wenig Chancen haben, jemals in seriöse Anstellungsverhältnisse
zu wechseln.
Messen und Berufsbörsen.
Manch einer wandert wahllos die Stände der CeBIT mit einem Kilo
Visitenkarten ab und drückt jedem personalbevollmächtigt wirkenden
Schnösel seine Bewerbungsunterlagen in die Hand; manch einer mag mit
dieser Methode Erfolg haben, ich halte nicht viel davon, schon
allein, weil die Unterlagen möglicherweise in unerwünschte Kanäle
wandern.
Anders sieht die Situation aus, wenn man sich im Vorfeld einer
Messe über die teilnehmenden Unternehmen informiert hat und bereits
Gesprächs- oder Vorstellungstermine vereinbart hat; hier wissen
beide Seiten bereits ungefähr, worauf sie sich einlassen.
Ein wichtiger Nachteil für den Bewerber: Man stellt sich bei
einem Unternehmen vor, dessen Geschäftsräume und Gepflogenheiten man
möglicherweise nur von der Ausnahmesituation einer Messe her kennt;
der Eindruck vom Unternehmen wird dann vielleicht übermässig vom
Schein eines Messeauftrittes geprägt.
Persönliche Kontakte.
Man hat sie, oder man hat sie nicht -- meiner Meinung nach ist
das persönliche Beziehungsnetzwerk der Schlüssel zur erfolgreichen
Jobsuche. Durch ehemalige Geschäftspartner oder persönliche Bekannte
erhält man Tipps, wo interessante Stellen unter der Hand vergeben
werden, bekommt Insider- Informationen über Unternehmen oder
Abteilungen, wo sich eine
Initiativbewerbung lohnen könnte, oder auch Hinweise, so man
sich besser nicht bewerben sollte, weil vielleicht eine Insolvenz
kurz bevorsteht.
Wer seine persönlichen Kontakt nicht vernünftig pflegt, oder
keine Gelegenheit hatte, Geschäftskontakte aufzubauen, muss mit
Schwierigkeiten rechnen; er muss dieses Defizit mit eben jenen
Methoden kompensieren, die allen anderen gleichermassen offenstehen
-- persönliche Kontakte sind aber ein ganz persönlicher Schatz, auf
den kein Aussenstehender Zugriff hat.
Computerwoche.de: "IT-Jobmarkt: In der Realität angekommen",
von Hans Königes,
www.computerwoche.de/...artid=46322&type=detail&category=44.
Seit dem Platzen der Dotcom-Blase ist
der IT-Arbeitsmarkt im Umbruch. Zu viele schlecht qualifizierte
Mitarbeiter waren eingestellt und befördert worden. Der Weg zurück
zur Normalität ist schmerzhaft.
Computerwoche.de: "IT-Profis müssen sich mit wenigen Jobs
begnügen", von Alexandra Mesmer,
www.computerwoche.de/...artid=44235&type=detail&category=45.
Nach elf Monaten muss man eine
nüchterne Bilanz des IT-Arbeitsmarktes ziehen: Nachdem sich die Zahl
der Stellen in den Tageszeitungen schon im Jahr 2001 um 37 Prozent
reduziert hatte, schrumpfte das Jobangebot von Januar bis November
2002 um weitere 65 Prozent.
Computerwoche.de: "Wie IT-Profis einen neuen Job finden", von
Alexandra Mesmer,
www.computerwoche.de/...artid=45515&type=detail&category=44.
Viele Wege führen zum neuen
Arbeitsplatz. Die Bewerber brauchen Eigeninitiative, ein gutes
Selbst-Marketing und vor allem Ausdauer, wie die Beispiele von sechs
IT-Spezialisten zeigen, die trotz Branchenkrise alle einen Job
fanden.