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Hilfsmittel bei der Arbeitssuche

Von Agon S. Buchholz, Dezember 2001.

Jobsuche : Übersicht
19-Dec-2001/09-Jan-07


Übersicht

Nach den Ergebnissen einer Analyse der Bundesanstalt für Arbeit -- Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV, www.arbeitsamt.de/zav) vom März 2003 gibt es ein Ungleichgewicht zwischen Bewerberanfragen und offenen Stellen; die Arbeitsmarktsitutation in der IT-/TK- Branche hat sich im Vergleich zu den Vorjahren deutlich verschlechtert:

  • Ende 2000 lagen den Arbeitsämtern für 100 Bewerber noch 156 Job-Offerten vor;
  • Ende 2001 reduzierte sich die Anzahl der Stellenangebote auf 42 für jeweils 100 Bewerber;
  • Ende 2002 konkurrierten statistisch gesehen 100 Bewerber um 14 offene Stellen.

Bei der Arbeitssuche unterstützen folgende Hilfsmittel:

Online-Jobbörsen.

Theoretisch sind Online- Stellenbörsen ein hervorragendes Mittel, IT- Fachleute für ein bestimmtes Anforderungsprofil zu finden oder als Arbeitssuchender systematisch nach passenden Tätigkeiten zu recherchieren; in der Praxis taugt nicht jeder Dienst; beispielsweise versuchen einige Jobbörsen, die Bewerberprofile in festgelegte und realitätsfremde Profile zu pressen. Wenn ein solcher Dienst die Eingaben wie Abitur von (Datum) und Abitur bis (Datum) erzwingt, sollte man sich Gedanken machen, ob dort vielleicht noch mehr Datenlogik schief hängt.

In den Boom-Zeiten der New Economy schossen die Online- Stellenbörsen wie Pilze aus dem Boden; der Markt hat sich allerdings mittlerweile konsolidiert -- leider hat dies nicht zu einem höheren Qualitätsstandard der Stellenbörsen geführt.

Private Arbeitsvermittler.

Private Arbeitsvermittler können den Mangel an geeigneten persönlichen Kontakten eines Arbeitssuchenden kompensieren; die Arbeitsämter fördern daher die private Arbeitsvermitlung durch sogenannte Vermittlungsgutscheine -- ein gutes Geschäft für den erfolgreichen Vermittler und vielleicht auch ein fairer Deal für den Vermittelten.

In der Praxis wirft die Branche der privaten Arbeitsvermittler jedoch ähnliche Probleme auf, wie sie auch bei Maklern auftreten:

  • Wird der Arbeitsvermittler primär als Interessenvertreter des Suchenden auf, oder wirtschaftet er nur in seine eigene Tasche?
  • Prüft er das Kenntnis- und Fähigkeitsprofil des Arbeitssuchenden sorgfältig, um die Voraussetzungen für ein dauerhaftes Anstellungsverhältnis zu schaffen, oder versucht er nur, den Suchenden so rasch wie möglich irgenwo unterzubringen, um seine Prämie abzukassieren?
  • Ist der Arbeitsvermittler wirklich kompetent, Suchende in verschiedenste Branchen zu vermitteln?

In der Praxis zeigt sich dann auch, dass es derzeit nur wenige private Arbeitsvermittler gibt, die überhaupt IT- Fachleute als Clienten annehmen -- vor wenigen Monaten war das noch ganz anders, als selbst unfähigste Amateure von selbsternannten Headhuntern zu Phantasiepreisen an naive Start-ups vermittelt wurden.

Der Weg zum privaten Arbeitsvermittler ist für den Arbeitssuchenden weitgehend risikolos und daher durchaus empfehlenswert.

Stellenanzeigen.

Stellenanzeigen in Zeitungen und (Fach-) Zeitschriften sind das klassische Instrumentarium, das jedem Arbeitssuchenden offensteht; je nach Branche, aktueller Situation auf dem Arbeitsmarkt und Region sind die Erfolgsaussichten unterschiedlich.

In Phasen akuter Konjunkturschwäche tendieren Stellenanzeigen dazu, von der Menge her asymptotisch abzunehmen und vom geforderten Anforderungsprofil exponentiell zuzunehmen. Unverzichtbar sind sie dennoch, weder für Arbeitgeber noch für Arbeitssuchende.

Arbeitsamt.

Das Arbeitsamt verwaltet in der Regel den Mangel an Arbeit und die davon betroffenen Personen, prüft Ansprüche und gewährt ggf. Leistungen oder führt die eine oder andere Massnahme durch -- tut in der aktuellen Form jedoch mangels Möglichkeiten nur recht wenig darüber hinaus für den Arbeitssuchenden.

Wer vom Arbeitsamt die Vermittlung einer interessanten und halbwegs passenden Stelle erwartet, oder gar auf ein individuelles Gespäch hofft, wird sich rasch anderweitig orientieren müssen: Das Arbeitsamt unterstützt nach dem aktuellen Selbstverständnis primär die Eigeninitiative eines Arbeitssuchenden, und das auch nur sehr begrenzt, kann aber wohl nur in Ausnahmefällen unmittelbar bei der Arbeitsvermittlung oder gar Berufswahl helfen.

Zeitarbeitsfirmen.

Je nach Branche und gewünschtem Tätigkeitsprofil kann es sinnvoll sein, sich an Zeitarbeitsfirmen zu wenden; gelegentlich soll es basierend auf gegenseitig positiven Erfahrungen auch schon zu festen Anstellungsverhältnissen gekommen sein, das dürfte aber die Ausnahme sein.

Zeitarbeit bedeutet für den Arbeitnehmer, seine Arbeitskraft und Fähigkeiten zu unverhältnismässig miesen Konditionen zu verkaufen; Arbeitgeber gehen ein verhältnismässig geringes Risiko ein und können mehr oder minder nach Belieben die deutsche Variation des hire & fire praktizieren, dementsprechend hoch ist die Fluktuation.

Gewerkschaften mögen Zeitarbeit nur wenig, da Arbeitnehmer hier nur wenig Chancen haben, jemals in seriöse Anstellungsverhältnisse zu wechseln.

Messen und Berufsbörsen.

Manch einer wandert wahllos die Stände der CeBIT mit einem Kilo Visitenkarten ab und drückt jedem personalbevollmächtigt wirkenden Schnösel seine Bewerbungsunterlagen in die Hand; manch einer mag mit dieser Methode Erfolg haben, ich halte nicht viel davon, schon allein, weil die Unterlagen möglicherweise in unerwünschte Kanäle wandern.

Anders sieht die Situation aus, wenn man sich im Vorfeld einer Messe über die teilnehmenden Unternehmen informiert hat und bereits Gesprächs- oder Vorstellungstermine vereinbart hat; hier wissen beide Seiten bereits ungefähr, worauf sie sich einlassen.

Ein wichtiger Nachteil für den Bewerber: Man stellt sich bei einem Unternehmen vor, dessen Geschäftsräume und Gepflogenheiten man möglicherweise nur von der Ausnahmesituation einer Messe her kennt; der Eindruck vom Unternehmen wird dann vielleicht übermässig vom Schein eines Messeauftrittes geprägt.

Persönliche Kontakte.

Man hat sie, oder man hat sie nicht -- meiner Meinung nach ist das persönliche Beziehungsnetzwerk der Schlüssel zur erfolgreichen Jobsuche. Durch ehemalige Geschäftspartner oder persönliche Bekannte erhält man Tipps, wo interessante Stellen unter der Hand vergeben werden, bekommt Insider- Informationen über Unternehmen oder Abteilungen, wo sich eine Initiativbewerbung lohnen könnte, oder auch Hinweise, so man sich besser nicht bewerben sollte, weil vielleicht eine Insolvenz kurz bevorsteht.

Wer seine persönlichen Kontakt nicht vernünftig pflegt, oder keine Gelegenheit hatte, Geschäftskontakte aufzubauen, muss mit Schwierigkeiten rechnen; er muss dieses Defizit mit eben jenen Methoden kompensieren, die allen anderen gleichermassen offenstehen -- persönliche Kontakte sind aber ein ganz persönlicher Schatz, auf den kein Aussenstehender Zugriff hat.

Literaturhinweise

Redaktionelle Auswahl durch Amazon.de:

Netmarks

Computerwoche.de: "IT-Jobmarkt: In der Realität angekommen", von Hans Königes,
www.computerwoche.de/...artid=46322&type=detail&category=44.

Seit dem Platzen der Dotcom-Blase ist der IT-Arbeitsmarkt im Umbruch. Zu viele schlecht qualifizierte Mitarbeiter waren eingestellt und befördert worden. Der Weg zurück zur Normalität ist schmerzhaft.

Computerwoche.de: "IT-Profis müssen sich mit wenigen Jobs begnügen", von Alexandra Mesmer,
www.computerwoche.de/...artid=44235&type=detail&category=45.

Nach elf Monaten muss man eine nüchterne Bilanz des IT-Arbeitsmarktes ziehen: Nachdem sich die Zahl der Stellen in den Tageszeitungen schon im Jahr 2001 um 37 Prozent reduziert hatte, schrumpfte das Jobangebot von Januar bis November 2002 um weitere 65 Prozent.

Computerwoche.de: "Wie IT-Profis einen neuen Job finden", von Alexandra Mesmer,
www.computerwoche.de/...artid=45515&type=detail&category=44.

Viele Wege führen zum neuen Arbeitsplatz. Die Bewerber brauchen Eigeninitiative, ein gutes Selbst-Marketing und vor allem Ausdauer, wie die Beispiele von sechs IT-Spezialisten zeigen, die trotz Branchenkrise alle einen Job fanden.


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