Mitte 1983 wurde der LISA der Öffentlichkeit präsentiert. In den
Medien fand LISA zunächst euphorischen Zuspruch. Der Rechner war
speziell für den Büromarkt vorgesehen und sollte zum zweiten Standbein
Apples werden neben dem Apple II, der den Ausbildungs- und Hobbysektor
bedienen sollte. LISA war ein hochleistungsfähiger Grafikcomputer mit
grafischer Benutzeroberfläche. Die Auftragslage in den ersten
Verkaufsmonaten war hervorragend. Sie sollte jedoch schon wenig später
drastisch sinken, denn LISA wies einige wesentliche Schwächen auf, die
sich schnell herumsprachen. Beispielweise war LISA nicht vernetzbar, was
im Bürobetrieb einen nicht auszugleichenden Nachteil bedeutete. Auch der
Preis schreckte ab. Ein Gerät kostete nicht weniger als $ 10.000. Auch
kam LISA zu spät auf den Markt. Der IBM-PC hatte bereits eine hohe
Verbreitung gefunden und glänzte durch ausgezeichnete Software, die LISA
nicht zu bieten hatte. Hinzu kamen Vertriebsfehler, Verkäufergruppen
machten den Apple-Händlern direkte Konkurrenz, und Marketingfehler.
Steve Jobs hatte bei der Produkteinführung des LISA, zusammen mit dem
neuen Apple IIe, mehr Worte über seinen Macintosh verloren als über die
beiden Neuvorstellungen, was Käufer eher dazu brachte, das Erscheinen
des Macintosh abwarten zu wollen. LISA wurde zu einem weiteren
Mißerfolg. Auch Preissenkungen konnten den Fall nicht stoppen. Nach der
Einführung des „Mac“, wurde LISA in Macintosh XL umbenannt. Aber selbst
diese Maßnahme konnte LISA nicht retten. Die Produktion wurde kurz
darauf eingestellt.
Weiterhin war es ein Computer der Apple II Familie, der Apple IIe,
welcher dem Unternehmen die Gewinne einbrachte. Es verkauften sich
60.000 - 70.000 Stück monatlich. So blickte man 1983 bei Apple, trotz
sinkender Aktiennotierung, zuversichtlich auf das bevorstehende
Weihnachtgeschäft und hoffte auf das neue Produkt, den Apple Macintosh.
Im Geschäftsjahr 1983/84 verkaufte Apple Computer 1,2 Millionen Geräte
und erzielte einen Umsatz von über 1,5 Milliarden Dollar. Dies täuschte
jedoch nicht darüber hinweg, dass die Apple II Linie technisch veraltet
war und sowohl vormals der Apple III wie auch LISA sich als kommerzielle
Flops erwiesen hatten.
Firmenintern lieferten sich die verschiedenen Abteilungen ernste
Machtkämpfe. Die Stukturierung in Divisionen stellte sich mehr und mehr
als unproduktiv für das Unternehmen heraus. Es war zunehmend wichtiger
geworden, als geschlossene Gesamtheit aufzutreten. Das Klima belebender
Konkurrenz jedoch war rivalisierendem Haß gewichen. Die Firma teilte
sich in eine Macintosh-, eine LISA- und eine Apple II- Abteilung.
Gegenseitige Akzeptanz gab es nicht. Die bevorzugte Behandlung der
Macintosh Division war den anderen Abteilungen ein Dorn im Auge.
Besonders das LISA Team stand in direkter Konkurrenz zur
„Mac“-Abteilung, denn schließlich konnte man den „Mac“ als eine Art
LISA-Klon ansehen. Der Mitarbeitertypus beider Abteilungen konnte auch
kaum gegensätzlicher sein. Die dem Nischendasein entwachsene „Mac“
Division zählte 1983 bereits 100 Mitarbeiter. Sehr zum Unwillen der
restlichen Belegschaft, die die Macintosh Leute als „wilde jugendliche
Hacker“ bezeichnete und ihnen die Fähigkeit seriöse Arbeit abzuliefern
absprach. Das LISA Team bestand aus Spezialisten, erfahrenen
Ingenieuren, die sich schon in anderen Firmen bewährt hatten:
„Während die LISA-Ingenieure Software auf dem Papier entwickelten
und in der Theorie bereits Sorge dafür trugen, dass die Software
fehlerfrei lief, „hackten“ die Macintosh-Software-Entwickler,
fröhlich Hamburger verzehrend und Rockmusik hörend, Software-Codes
in den Computer und „entwickelten“ auf diese Weise ihre Programme.“[58]
Trotz ihrer Arbeitsweise konnten die „Hacker“ jedoch immer wieder
ihre überlegenen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die
Auseinandersetzungen verliefen immer lauter und unsachlicher. Von einen
angenehmen Arbeitsklima konnte keine Rede mehr sein. Der
Firmenzusammenhalt war gebrochen. Besprechungen gerieten schnell zu
wortreichen Schimpftiraden. Es wurde unmöglich, geordnet zu
Entscheidungen zu gelangen. Auch mit dem Scheitern des LISA und der
damit einhergehenden Zusammenlegung der LISA- und Macintosh Abteilung,
blieb die Polarisierung latent erhalten. John Sculley hatte früh den
schädlichen Charakter der Struktur erkannt und Zusammenlegungen
angeordnet. Jedoch blieb er machtlos gegen die tatsächlichen
Unterschiedlichkeiten. Apple blieb ein Unternehmen, dass sowohl aus
jungen Individualisten bestand als auch aus selbstbewußten Ingenieuren
der neuen Technologie. Beide Seiten waren überzeugt von dem, was sie
taten. Wer nicht für sie war, war gegen sie. Nicht zuletzt war es Steve
Jobs, der sie in diese Haltung versetzt hatte und sie immer aufs neue
wieder bestätigte.
Der Firma Apple blieb die Hoffnung auf ihr jüngstes Kind, den
Macintosh.