Eine neue Führung tritt an
1982 erreichte Apple Computer einen Umsatz von 583 Millionen Dollar
und plazierte sich damit als jüngstes Unternehmen unter die Top
500-Liste führender amerikanischer Firmen. Hinter den Kulissen jedoch
häuften sich die Schwierigkeiten. Apple hatte an einem Mittwoch im
Februar, dem sogenannten „Black Wednesday“, 42 Mitarbeiter entlassen
müssen. Mike Scott wurde zunehmend für diese Maßnahme verantwortlich
gemacht und schließlich mußte er gehen. Markkula wurde Interimschef der
Firma, jedoch bestand er auf baldige Ablösung. Man begann nach
geeigneten Personen zu suchen. Es galt, dem Unternehmen mehr Seriösität
zu verleihen durch eine erfahrene, professionelle Persönlichkeit in
reiferem Alter an der Unternehmensspitze. Das Image Apples erntete zwar
durchaus Sympathien, aber an der Börse war Sympathie wenig gefragt:
„Big institutions tended to like Apple; a lot of them had enjoyed
nice gains on its stock. But they didn`t like the idea of its being
led by a volatile twenty-seven-year-old multimillionaire with, as
the saying went on Wall Street „no adult supervision“.”[52]
Steve Jobs kam also nicht in Frage. Er war ein charismatischer
Werbeträger, ein Mensch mit Gespür für zukünftige
Technologieentwicklungen. Jedoch für das Management eines stark
anwachsenden Unternehmens war er nicht geeignet. Apples Aktien sanken.
Das Unternehmen konnte nicht die Sicherheiten bieten, die ein
Großkonzern wie IBM garantierte. Apple benötigte daher dringend einen
„Erwachsenen“. Am 18. Dezember 1982 betrat John Sculley erstmals das
Hauptquartier Apples. Auf ihn war die Wahl gefallen.
Die Wellen in der Presse schlugen hoch, als der Wechsel des PepsiCo.
Topmanagers zu Apple bekannt wurde. Zwischen dem ersten Besuch Sculleys
und seiner Entscheidung, zu Apple zu wechseln, lagen jedoch einige
Monate. Erst im April 1983 reichte er seine Kündigung bei Pepsi ein.
John Sculley war zu dieser Zeit 44 Jahre alt und es lag eine 16jährige
Karriere bei PepsiCo. hinter ihm. Warum hatte er seine sichere Stellung
aufgegeben?
Anfänglich hatte er den Wechsel abgelehnt. Apple hatte allerdings
Eindruck bei ihm hinterlassen. Markkula und Jobs nutzten jede
Gelegenheit, um mit Sculley in Verbindung zu treten. Insbesondere Jobs
war der Ansicht, dass Sculley der Richtige sei, um Apple zu leiten. Jobs
schätzte den reichhaltigen Erfahrungsschatz des Ostküstenmanagers im
Marketingbereich und hoffte von ihm lernen zu können. Zudem entwickelte
sich zwischen den beiden ein freundschaftliches Verhältnis. Steve Jobs
verstand es Sculley für Apple zu interessieren und sogar zu begeistern.
Sculley begann sich über seine Situation bei PepsiCo Gedanken zu machen:
„Apples Interesse an mir zwang mich, darüber nachzudenken, was
mir im Leben wirklich Freude machte.“[53]
Sculley wurde sich darüber bewußt, dass er bei PepsiCo weiterhin rein
administrative Aufgaben zu erledigen haben würde. Es ging dort um
Marktanteile, nicht um Visionen. Dennoch lehnte er ein konkretes Angebot
Markkulas ab. Daraufhin traf sich Steve Jobs erneut mit Sculley und
stellte ihm die ausschlaggebende Frage:
„Möchten sie wirklich den Rest ihres Lebens damit verbringen
Zuckerwasser zu verkaufen, anstatt die Chance zu ergreifen, die Welt
zu verändern?“[54]
Auf John Sculley wirkte diese Frage geradezu schockierend. Er war
aufgerüttelt. Er sah sich an vor einer der wichtigsten Entscheidungen
seines Lebens stehen und entschied sich für Apple. Zudem hatte Jobs ihm
auch die Erfüllung seiner finanziellen Forderungen zugesagt. Nachdem
auch seine Frau sich mit dem Umzug nach Californien einverstanden
erklärt hatte, waren die Würfel endgültig gefallen. Sculley verließ die
Ostküste, um in „Silicon Valley“ die Welt zu verändern.