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Steve Jobs

Von Jan Füllemann.

Akteure : Personen : Steve Jobs : Übersicht
29-Apr-2003/09-Jan-07


Übersicht

Steve Jobs und Steve Wozniak

das Gründerduo

Steve Jobs, einer der beiden Gründer der Apple Inc., wurde am 24.02.1955 als Sohn unbekannter Eltern in San Francisco, U.S.A., geboren. Bereits als Baby wurde er von Paul und Clara Jobs adoptiert. Das Paar adoptierte 1957 ein weiteres Kind, Jobs Schwester Patty. Die Jobs entschlossen sich 1961 aus beruflichen Gründen zu einem Umzug nach Mountain View, U.S.A.. Mountain View liegt inmitten dem als „Silicon Valley“ bekannt gewordenen Santa Clara County, Californien. Seinen Spitznamen, der in der Überschrift einer Artikelserie über die Elektronikindustrie in der Fachzeitschrift „Elektronik News“ fiel, erhielt der Landstrich 1971. Die Bezeichnung setzte sich bald weltweit durch. In dieser Gegend, geographisch erstreckt sie sich nördlich von San Jose bis südlich von San Francisco, hatte sich eine starke Konzentration von Unternehmen der Elektronikbranche ereignet. Hauptverantwortlich für diese Ballung war das Konzept der schon 1891 gegründeten Stanford University, deren Leitung von der Notwendigkeit einer praxisbezogenen Lehre überzeugt war. Die Universität förderte die Ansiedlung von Industriebetrieben, indem sie ihr ausgedehntes Gelände günstig zur Pachtung anbot. Das Konzept war erfolgreich und eine produktive Wechselwirkung zwischen Forschung und Industrie gelang. Bald strömten die Betriebe in das „Silicon Valley“. Unter den sich ansiedelnden Firmen befanden sich große Namen wie beispielsweise Hewlett und Packard oder IBM sowie zahlreiche kleine Neugründungen. Waren es zunächst eher Entwicklungsabteilungen, die sich in „Silicon Valley“ niederließen, traten bald auch immer mehr Fabrikanlagen für Elektronikbedarf hinzu. Staatliche sowie private Fördermittel ließen ebenso nicht lange auf sich warten und alle Seiten profitierten. Darüber hinaus entwickelte sich das Valley zu einem Mekka für Laientüfftler und Hobbybastler. Für diese „Szene“ war die Gegend mit ihren zahlreichen Fertigungsstätten und Elektronikhändlern infrastrukturell ideal. Auch Wissen wurde ausgetauscht unter Gleichgesinnten oder in Elektronikclubs. Ein Paradies für leidenschaftliche Erfinder.

In diesem Klima verbrachte Steve Jobs seine Kindheit. Das einzelgängerische Kind war so auch bereits mit 12 Jahren begeisterter Elektronikbastler. Zu jener Zeit traf er erstmals mit Steve Wozniak zusammen, der später Apple mitbegründen sollte. Wozniak, kurz „Woz“ genannt, war der Nachbar eines Schulkollegen Jobs. Woz, fünf Jahre älter als Steve, galt schon damals als überzeugtes Elektroniktalent. Es sollte für die beiden jedoch zunächst bei einem kurzen ersten Kontakt bleiben.

Steve Wozniak ist ein typisches Kind des „Silicon Valley“. Durch die Berufstätigkeit seiner Eltern in Elektronikfirmen, ist er von klein auf mit Elektronik vertraut. Zudem erhält er geradezu automatischen Zugang zu Bauteilen. Er wird gemeinsam mit den anderen Kids des Valley zum leidenschaftlichen Tüfftler. Insbesondere gelungene kleine Streiche wirken motivierend und so eignet sich elektronisches Basiswissen rein spielerisch an. Wozniak war schon in der Schule dem Lehrer des Elektronikkurses als besonders fortgeschritten aufgefallen. Er vermittelte „Woz“ einen Job in einer Computerfirma. Dort wird er auf den ersten auf dem Markt erhältlichen Kleincomputer aufmerksam und studiert seine Funktionsweise:

„Das Computersystem wurde für mich zu einem fazinierenden Hobby. So wie viele Leute Kreuzworträtsel lieben, verliebte ich mich in den Computer.“[45]

Wozniak beginnt selbst Computer zu entwickeln. Aus Mangel an finanziellen Mitteln jedoch zunächst nur auf dem Papier.

„Wenn ich genug Geld gehabt hätte, hätte ich mir meinen eigenen Computer gekauft. Aber ich hatte keins, und deshalb baute ich mir meinen eigenen Computer.“[46]

Einige Jahre später gelang „Woz“ erstmals der Zusammenbau eines Computers, ein einfaches 8-Bit-Gerät, das Schalter und Leuchtdioden als Ein- und Ausgabeeinheiten besaß. Er nannte ihn „Creme-Soda-Computer“. Es war Jobs, den ein Freund in Wozniaks Garage mitbrachte, um das neue Produkt zu bewundern. Jobs war beeindruckt. Die beiden begannen sich anzufreunden.

1971 wurde Wozniak auf ein Gerät aufmerksam, das, mittels Generierung elektronischer Impulse, kostenlosen Zugang zu öffentlichen Telefonnetzen ermöglichte. Gemeinsam mit Jobs nahm er die Herstellung eines solchen Gerätes in Angriff. Nach einigen Monaten hatten sie einen funktionstüchtigen Apparat konstruiert. Im Vergleich zu dem existierenden Gerät war ihres kleiner und vor allem billiger. Es kostete $40 statt bisher $1500. Es wurde ihr erster kommerzieller Erfolg. Während dieses frühen Projektes kristallisierte sich die charakteristische Arbeitsteilung der beiden heraus. „Woz“ war der geniale Techniker, immer bereit zu einem elektronischen Streich. Jobs war es, der das kommerzielle Potential erkannte und die notwendige Hartnäckigkeit besaß die Fertigung und den Vertrieb zu organisieren. Dabei lag in der Wahl seiner Mittel sein großes Talent. Aber 1972 beendeten verschärfte Fahndungen und Festnahmen ihr „Telefongeschäft“.

In den folgenden Jahren gingen beide ihren Studien nach. Wozniak beendete diese schon nach dem dritten Semester in Berkeley und zog es vor Geld zu verdienen. Er begann bei Hewlett-Packard als Entwickler zu arbeiten. Auch Jobs hatte seine ohnehin ziellosen Studien in Reed, Portland, Oregon, 1974 abgebrochen und begonnen für Atari, zurück in „Silicon Valley“, zu arbeiten.

Aber das gemeinsame Hobby war nicht vergessen. 1975 gründet sich der „Homebrew Computer Club“. Wozniak nahm von Anfang an an den Treffen teil und auch Jobs besuchte sie bald. Inspiriert wurde die Gründung des Clubs durch den „Altair 8800“, der erste auf dem Markt erhältliche Mini-Computerbausatz. Mit dem „Altair“ begann die Revolution der Personal-Computer. Die Clubmitglieder waren begeistert:

„The idea was to seize control of technology, to transform the computer from an Orwellian instrument of oppression to a liberating force.“[47]

Der „Altair“ legte eine technische Möglichkeit zur Verwirklichung dieses Zieles nahe: die Entwicklung von Kleincomputern aus der Eigenproduktion. Die Clubmitglieder teilten ihr Wissen, um sich selbst und perspektivisch allen Computertechnologien zugänglich zu machen. Auch Wozniak arbeitete wieder am Bau eines neuen Computermodells. 1976 führte er Jobs seinen neuen Computer vor, den Apple I. Er besaß eine Tastatur und war an einen normalen Fernseher anschließbar. Er war mit Basic programmierbar und leistete mehr als die meisten Bausatzcomputer. Jobs war auf Anhieb begeistert und schlug sofort eine Firmengründung vor. Wozniak aber mochte seine sichere Anstellung bei Hewlett-Packard nicht aufgeben. Jobs bezog einen Freund ein, Ron Wayne, den Außendienstleiter bei Atari, um „Woz“ die Ernsthaftigkeit seiner Pläne unter Beweis zu stellen. Wozniak willigte schließlich in Die Gründung ein. Am 1.April 1976 unterzeichneten die drei Partner den Vertrag. „Woz“ und Jobs erhielten jeweils 45% und Wayne 10% des Unternehmens.

Apple war geboren.

Steve Jobs

Die herausragende Figur Apple Computers ist die des Steve Jobs. Der Verlauf seiner Beziehung zu der Firma war turbulent. Er war der Mitbegründer, wurde aber 1985 aus dem Unternehmen entlassen. Nach mehr als elf Jahren kehrte er als Berater zurück. Ein Jahr später wurde er erneut Chef von Apple Computer. Falls man in bezug auf Apple Computer von einem Mythos sprechen kann, ist Steve Jobs sein Held und Hauptprotagonist. „Apple ist Jobs, und Jobs ist Apple“[70], kennzeichnet „Der Spiegel“ Jobs Verhältnis zu seinem Unternehmen. Er wird auch als „Mister Apple“[71]betitelt oder „zur Ikone einer neuen Ära“[72] stilisiert. Der „Stern“ geht noch weiter und bezeichnet Jobs als „Messias“[73]. Um Steve Jobs hat sich ein intensiver Personenkult gebildet. Wodurch ist diese Wirkung des Apple Gründers zustandegekommen?

Steve Jobs war seit der Gründung der Firma ihr Repräsentant nach außen. Er trat in der Öffentlichkeit auf und präsentierte die Produkte von Apple Computer. Seine Präsentationen waren unkonventionell bis spektakulär. Er hielt keine trockenen Vorträge angereichert mit einer Fülle von technischen Daten. Sein Produktvorstellungen oder Werbeauftritte dienten gar nicht der tatsächlichen Vermittlung von Information. Sein Stil war plakativ, seinen Vorträgen mangelte es nicht an Superlativen. Er kreierte vor allem eine Produktaura und stellte bedeutungsgeladene Bezüge her. Die Wirkung war durchschlagend. Ihm gelang es, seine Zuhörer in seinen Bann zu ziehen und zu begeistern.

Jim Calton charakterisiert Jobs anhand eines Vergleichs mit Bill Gates, den erfolgreichen Microsoftgründer, der sein Unternehmen etwa zur selben Zeit aufzubauen begann, als auch Jobs und Wozniak ihr Projekt starteten:

„When they were starting out, Gates was like the Ugly Ducking, compared to Steve Jobs. Where Jobs possessed the good looks of a rock star, with long, dark hair, a strikingly handsome face, and a tall, lean build, Gates was a gangly, mop-haired nerd with huge glasses who looked as though he were barely entering puberty. And while Jobs could captivate and enrapture a crowd, his silvery voice rising and lowering in the cadence of a revivalist preacher, Gates had all the stage demeanor of a deer caught in the headlights.”[74]

Steve Jobs besaß eine charismatische Außenwirkung. Aber es war sicherlich nicht allein sein Äußeres oder sein rhetorisches Talent, was seine Wirkung hervorrief. Zu bedenken ist auch, dass er Produkte vorstellte, die den Konsumenten bis dahin weitesgehend unbekannt waren. Der Personalcomputer war erst im Begriff sich seinen Markt zu erobern. Die Öffentlichkeit war mit Computertechnologie größtenteils nicht vertraut. Indem Jobs nicht die technischen Details, die Produkte betreffend, in den Vordergrund stellte, sondern die neue Technologie und das entsprechende Produkt mit technikfernen Inhalten anreicherte, erreichte er eine erste Akzeptanz bis hin zu Faszination für die neuartigen Geräte. Sozusagen versuchte er eine erste Integration der Produkte in den Interessenshorizont der Verbraucher. Seine Produktvorstellungen gerieten so mehr zu lobpreisenden Inszenierungen, in denen er vom Hauptdarsteller schließlich zum Star wurde. Dieses Konzept wurde schnell zum festen Bestandteil des Marketingkonzepts von Apple Computer. Bis Steve Jobs das Unternehmen 1985 verließ, war es stets seine Aufgabe die öffentlichen Auftritte der Firma zu bestreiten. Der Aufbau seiner Person zu einem Synonym für die Firma Apple, war klares Marketingziel.

Hinzu kam Berichterstattung der Presse, die das Spektakel um Steve Jobs und das junge Unternehmen gerne medienwirksam aufbereitete, so erschien Steve Jobs schon 1983 auf dem Titelblatt der „Fortune“. Die Gründung der Firma, der sogenannte „Garagenmythos“, sowie ihr schneller Erfolg bot genug Material für eine publikumswirksame Verarbeitung. Jobs war ein Exzentriker, der zu provokativem Verhalten neigte. Er war eine Figur, die immer wieder überraschende bis skandalträchtige Verhaltensweisen an den Tag legte und damit die Presse für sich interessierte. Somit trugen die Medien einen Großteil zur Popularität Steve Jobs bei.

Auch die Presse war es, die den Führungsstil Steve Jobs an die Öffentlichkeit brachte. Firmenintern war er ebenso bewundert wie gefürchtet. Er verlangte von den Mitarbeitern Höchstleistungen, sein Perfektionismus war stark ausgeprägt und Mittelmäßigkeiten verachtete er. Beispielsweise war er während der Entwicklung des Macintosh mit der Startdauer von dreißig Sekunden unzufrieden. Der zuständige Mitarbeiter, Larry Kenyon, jedoch war der Ansicht bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben. Daraufhin entgegnete ihm Steve Jobs:

„“Even if it took you three days to make a single second faster, it would be worth it“, Jobs hounded him. „If ten million people use the computer, in one year alone, that´s about 360 million turn-ons. How many lifetimes does 360 million seconds equal? Fifty? Would you take three days to save fifty peoples lives?“[75]

Larry Kenyon erreichte eine Beschleunigung von drei Sekunden.

Jobs gelang es, stets aus den kleinsten Detailfragen Fragen über Leben oder Tod zu machen. Er besaß eine ebenso eindringliche wie ungewöhnliche Art, seine Mitarbeiter zu motivieren, zumindest so lange er noch zu vergleichsweise freundlicher Motivation bereit war. Denn Steve Jobs war sehr von sich überzeugt. Seine Art war gewöhnlich überheblich und arrogant. Er mischte sich stets ein, in der Überzeugung alles besser zu können, was ihn innerbetrieblich nicht gerade beliebt machte. Er galt als Unruhestifter. Insbesondere während der Entwicklungsphase für den „LISA“-Computer brachte er immer wieder Arbeitsprozesse durcheinander, indem er von Mitarbeitern verlangte seine ganz persönlichen Vorstellungen über das Produkt umzusetzen. Oft beschränkte er sich darauf Angestellte, die ihm mißfielen, zu schikanieren und in der Öffentlichkeit bloßzustellen. Dabei war sein Ton von unmißverständlicher Frechheit. Er war in keiner der Abteilungen, die er täglich besuchte, gern gesehen. Beschwerden über ihn häuften sich. Einige Mitarbeiter begannen sich zu weigern sein Verhalten noch länger hinzunehmen. Um das Vorankommen des Firmenziels nicht durch Jobs Einmischungen und Umgangsformen zu gefährden, sah sich die Firmenleitung gezwungen, Jobs von laufenden Projekten fernzuhalten und ihn aus leitenden Positionen zu entfernen.

Steve Jobs endete in einem abgelegenen Büro als Verwaltungsratmitglied, allein mit repräsentativen Aufgaben betraut. Er begann sich schnell zu langweilen. Die Geschäftsleitung nahm es beruhigt zur Kenntnis, als er sich einer kleinen Entwicklungsprojekt, dem Macintosh Team, zuwandte. Man hoffte seinen „Verrücktheiten“ so eine Nische gegeben zu haben.

Steve Jobs Persönlichkeit gab vielerlei Anlaß zu psychologisierenden Spekulationen. Innerbetrieblich war in bezug auf ihn von einem „reality distortion field“ die Rede. Robert X. Cringely charakterisiert dieses Phänomen folgendermaßen:

„Jobs war so von sich eingenommen, dass er anfing, an seine eigene PR zu glauben und Anekdoten über sich in Umlauf brachte, die nur erfunden worden waren, um den Absatz von Apple-Computern zu steigern. Eines Tages platzte einem Marketing-Typen namens Dan Lewin der Kragen: Steve, wir haben dieses Zeug über dich geschrieben. Wir haben es erfunden.”[76]

oder:

„Man munkelte, dass Jobs von einem „realitäts-verzerrenden Feld“ umgeben war. Egal was er sagte, seine Jünger in der Macintosh-Abteilung lagen ihm zu Füßen. ‘Mit Strichnin versetzten Apfelsaft trinken? Klar, machen wir, gute Idee.‘”[77]

Andere behaupteten, sein extrovertiertes Verhalten sei Ausdruck einer unbewußten Suche nach seinen wahren Eltern, da Steve Jobs von Adoptiveltern aufgezogen worden war. Oder er wolle mit seinem Weltverbessererambitionen die Defizite seiner eigenen Persönlichkeit ausgleichen. Viele waren überzeugt er leide unter einer manischen Neurose. Steve Jobs Persönlichkeit, besonders deren Ambivalenzen, waren jedoch auch eine Voraussetzung für die starke Personenbindung Jobs an das Unternehmen. Er entsprach keinesfalls dem gängigen Klischee des erfolgreichen Geschäftsmannes, damit paßte er zu einem Unternehmen, daß auch wenig den angestammten Mustern eines Unternehmens der „Fortune 500“ entsprach.

Es dauerte nicht lange bis er die Führung des Macintosh Teams übernahm. Jeff Raskin, der 1979 den ersten Macintosh Prototyp gebaut hatte, verließ die Firma unter dem Druck Jobs. Jobs vergrößerte das Team und begann in offene Konkurrenz zum „LISA“ zu treten. Er ging so weit, während der Einführungspräsentation des „LISA“, statt des „LISA“ selbst den Macintosh zu bewerben, der bald auf dem Markt erscheinen sollte. Er pries ihn als dem „LISA“ ähnlich, jedoch als um ein Fünftel preiswerter als dieser. Damit überzeugte er potentielle „LISA“-Konsumenten, auf den günstigen Macintosh zu warten, anstatt den teuren neuen „LISA“-Computer zu kaufen. Derartige provokative Alleingänge waren typisch für Steve Jobs und führten letztlich dazu die Führung Apples von Jobs Untragbarkeit für die Firma zu überzeugen.

Eine andere Seite seines Wirkens innerhalb der Firma war die Tatsache, daß es ihm gelang, den Ostküsten Topmanager von PepsiCo, John Sculley, für Apple abzuwerben. Hier zeigt sich seine charmante Seite sowie seine Hartnäckigkeit und Überzeugungskraft:

„Sculley und Jobs verband eine enge Freundschaft, und nur Jobs visionärer Überzeugungskraft war es zu verdanken, daß der eher bodenständige und einer konservativen Wirtschaftsauffassung verhaftete PepsiCo-Manager zu einem Firmenwechsel zu bewegen war.“[78]

Auch zeigte er immer wieder ein sicheres Gespür für die Bedürfnisse des Marktes. Er war früh von der Durchschlagskraft des Personalcomputers überzeugt. Er glaubte an die Attraktivität des kleinen tragbaren Gerätes „für jedermann“. Der Erfolg bestätigte ihn. Und die Tatsache, daß der finanzielle Gewinn nicht das Hauptinteresse für Jobs bedeutete, sondern er vor allem beabsichtigte, der Menschheit ein revolutionäres neues Werkzeug bereitzustellen, hat ihn zu einem Pionier und Helden der Computerwelt gemacht, auch wenn er gleichzeitig ebensoviel Gründe lieferte als „enfant terrible“ dazustehen.

In der Folge der zahlreichen Geschichten über ihn in Verbindung mit seinem gigantischen Erfolg, haben sich in den Diskurs über seine Person immer Titel oder Vergleiche aus dem Mythischen eingemischt. So ist er der Held des Alltagsmythos über Apple Computer geworden? Alan Deutschman teilt ihn in in seiner vor kurzem erschienen Biografie in einen „guten und einen bösen Steve“[79]. So wird Steve Jobs erneut mit einer mythischen Figur bedacht, der alten Dichotomie in Gut und Böse. Der Diskurs scheint die Mystifizierung Jobs geradezu nahezulegen. Andererseits existiert eine Fülle von Informationen über ihn. Zwar geben die Widersprüchlichkeiten, die die zahlreichen Presse- und Buchveröffentlichungen über ihn enthalten, immer neu Anlaß zu Spekulationen, dennoch haben sie ein Bild der öffentlichen Person Steve Jobs gezeichnet. So kann kein Mythos an ihm haften bleiben, sondern fällt mit der nächsten neuen Information über ihn. Auch hat sein zwischenzeitliches Scheitern Jobs in gewisser Weise vermenschlicht. Steve Jobs ist kein Mythos geworden, aber das Mythische wird ihm gerne beigegeben.

Die Rückkehr von Steve Jobs

In den achtziger Jahren war die Gestaltung des aufziehenden Informationszeitalters Programm. Keine Idee schien unausführbar und kein Gedanke zu kühn, um ihn nicht wahr werden zu lassen. Ein klares Feindbild, Microsoft und IBM, dienten der Trennung zwischen Gut und Böse und das Ziel war vorgegeben: Einen Computer “for the rest of us” zu entwickeln und die Welt zu verbessern.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Computern im Alltag konnte diese Mission nicht mehr aufrechterhalten werden. Die Benutzerfreundlichkeit, die das wesentliche Kriterium für die Kaufentscheidung eines Macintosh war, ist seit der Einführung von Windows 95 und der Adaption von USB auch im PC Bereich kein ausschlaggebendes Argument mehr.

Der König ist tot – es lebe der König

Der Untergang von Steve Jobs

Die Fertigstellung des „Mac“ hatte den Technikern die letzten Kräfte geraubt. Sie hatten wochenlang rund um die Uhr gearbeitet. Hauptsächlich waren sie beschäftigt mit der Software. Bis knapp vor Auslieferung des Macintosh stürzten Anwendungen ab. Randy Wigginton, leitender Entwickler des „MacWrite“, beschreibt die Situation:

„We`ve been working on this for so long that it`s a dream (to be almost finished) but in some ways it`s a nightmare. I`m really terrified. If I really had my way, the word processor wouldn`t go out for six months. But it has to be done now. Sometimes at night I wake up in cold sweat - thousands and thousands of people are going to be using this. To a large extend, I`m responsible for a billion-dollar company.“[63]

Letztlich konnte das Auslieferungsdatum eingehalten werden. Aber, nachdem der anfänglich euphorische Kaufrausch abebbte, traten die Mängel des Macintosh hervor. Er verfügte über zu wenig Speicherkapazität, was den „Mac“ unglaublich langsam operieren ließ. Es war nicht möglich, Dateien mit mehr als acht Seiten Umfang zu erstellen. Das Kopieren einer Diskette erforderte übermenschliche Geduld. Zahlreiche „Bugs“ spickten die Anwendungen. Das Macintosh Image erlitt Kratzer. Er wurde zunehmend eher als Spielzeug denn als seriöses Werkzeug eingestuft.

Die gerade aufgestockten Lagerbestände begannen einzustauben. Händler forderten die Rücknahme ihrer Bestellungen. Apple verzeichnete erstmals in seiner Firmengeschichte einen Quartalsverlust. Bis Ende 1985 wurden nicht die geplanten 2 Millionen Geräte, sondern lediglich 500.000 Stück verkauft. Apple befand sich auf Talfahrt. Die Suche nach dem Verantwortlichen für das beginnende Fiasko begann.

Der Machtkampf sollte zwischen Steve Jobs und John Sculley ausgetragen werden. Noch im Herbst 1985 waren die beiden auf der Titelseite von „Business Week“ zu sehen gewesen. „The Dynamic Duo“ war nahezu in den Rang von Halbgöttern erhoben worden. Erste Fehler wurden noch von den beiden gemeinsam gemacht. Auf der jährlichen Aktionärsversammlung im Januar 1985 feierten sie den Macintosh. Der Apple II fand nur am Rande Erwähnung. Der anwesende Steve Wozniak war verärgert, ebenso die Mitarbeiter der Apple II-Abteilung. Schließlich waren es immer noch die Produkte der Apple II-Linie, die 70% der Einnahmen ausmachten. Zu lange hatten sie Schmähungen über sich ergehen lassen müssen. Jetzt kam das Faß zum Überlaufen. Sie fühlten sich nicht mehr ausreichend akzeptiert und damit außerstande der Firma weiterhin ihre Loyalität zu zeigen. Wozniak drehte Apple den Rücken und auch weitere Angestellte verließen Apple. Zusätzlichen Zündstoff bot ein Werbespot mit dem Titel „Die Lemminge“. Auch er war während eines Superbowl-Spiels ausgestrahlt worden. Der Spot beleidigte auf arrogante Weise das Management US-Amerikas, das IBM-Computer nutzte. Die Ausstrahlung wurde zum gigantischen Mißerfolg. Apple mußte etwas unternehmen.

Die kritischen Stimmen begannen sich zunehmend auf Steve Jobs zu richten, der wiederum die Schuld an den sinkenden Umsätzen überall, nur nicht bei sich selbst suchte. Er begann sich in die Arbeit der verschiedenen Abteilungen einzumischen und schikanierte die Angestellten. Der „wild gewordene“ Steve geriet in Steit mit allem und jedem, auch mit John Sculley. Die beiden lieferten sich heftigste Auseinandersetzungen. Apple drohte außer Kontrolle zu geraten. Sculley entschied sich, Jobs von seinem Posten des Generalmanagers der Macintosh-LISA-Abteilung zu entbinden. Jobs war außer sich. Am 10. April 1985 stellte Sculley den Verwaltungsrat vor die Wahl: er oder Jobs. Man entschied sich für Sculley. Jobs sollte nunmehr in einem Büro außerhalb des Apple Geländes als Chairman fungieren und sich von den Tagesgeschäften fernhalten. Indessen versuchte Jobs gegen Sculley zu integrieren, mit dem Ziel sich Sculleys zu entledigen. Dieser Angriffsversuch erreichte Sculley, der sofort Jobs in Anwesenheit der Geschäftsleitung zur Rede stellte:

„Es ist mir zu Ohren gekommen, dass du mich aus dem Unternehmen werfen willst, und ich möchte dich fragen, ob das wahr ist.“[64]

Erneut wurde die Geschäftsleitung vor die Wahl gestellt. Erneut fiel die Entscheidung gegen Steve Jobs. Er mußte Apple verlassen.

Anmerkungen

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