Die beiden Jungunternehmer standen vorerst vor einem finanziellen
Problem. Bau- und Vertrieb des Apple I mußten vorfinanziert werden.
Gemeinsam konnten die beiden jedoch gerade $1.300 aufbringen. Dann
zeichnete sich unerwartet der erste Erfolg ab. Paul Terrel, der Inhaber
der „Byte Shops“, mit die ersten Computerläden in den U.S.A., orderte
100 Apple I zu einem Stückpreis von $500. Steve Jobs gelang es
schließlich, nachdem er zahlreiche Absagen erhalten hatte, Kredit in
Form von Materiallieferungen auszuhandeln. Im Haus von Jobs Eltern
bauten sie innerhalb von zehn Tagen die ersten zehn Apple I zusammen und
lieferten sie Terrel aus. Terrel schlug ergänzend ein Gehäuse und ein
Kassetten-Interface vor. Wozniak konstruierte beides. Ab Mai 1976 stand
der Apple I für $666,66 in den „Byte Shops“ zum Verkauf. Die
Verkaufsanzeige warb mit „Byte into an Apple“ für „das erste preiswerte
Mikrocomputersystem mit Bildschirmanschluß und 8 Kilobyte RAM auf einer
einzigen PC-Karte“.
Der Verkauf von einigen hundert Apple I gelang. Für Ron Wayne jedoch
überwog die Sorge über das mit höherem Umsatz verbundene Risiko. Er
verkaufte seine Beteiligung an „Woz“ und Jobs und verließ Apple. Die
beiden waren wieder unter sich. Wozniak arbeitete indessen unbeirrt
weiter an einer verbesserten Version des Apple I, dem Apple II:
„Der Apple II war der erste Personalcomputer nach heutigem
Verständnis. Es war das erste Mal, dass eine Programmiersprache
mitgeliefert wurde. Das war ein großer Schritt vorwärts. Der Apple
II war der erste, der in einem Plastikgehäuse geliefert wurde,
seitdem hat jeder Personalcomputer ein Plastikgehäuse. Der Computer
verfügte vom Kauf an über eine hochauflösende Grafik sowie über eine
Farb-Option. Es war der erste Computer, bei dem auch eine
Sound-Ausgabe möglich war und der mit einem 48Kbyte großen Speicher
ausgeliefert wurde.“[48]
Der Apple I hatte für eine gewisse Bekanntheit gesorgt. Der Apple II
war das erste seriöse, marktrelevante Produkt. Mit diesem Produkt war es
für Apple Zeit sich über Finanzierung, Organisation und Vertrieb
ernsthaftere Gedanken zu machen. Woz arbeitete noch bei Hewlett und
Packard, während Jobs seine Zeit mit dem Versuch den Apple II zu
verkaufen zubrachte. Der jungen Firma fehlte es an unternehmerischer
Professionalität.
Mike Markkula sollte diesen Mangel beheben. Als Marketing Manager und
Aktionär bei Intel war er bereits zum Multimillionär geworden. Markkula
sah sich den Apple II an und verliebte sich. Er wurde mit einem Drittel
an der Firma beteiligt. Im Gegenzug erhielt Apple $91.000 Kapital und
seine Bürgschaft auf einen $250.000 Kredit. Zudem bewegte Markkula „Woz“
seinen Job bei Hewlett und Packard endgültig aufzugeben und bestand auf
ein professionelles Management. Mike Scott wurde als Geschäftsführer
eingestellt:
„From the beginning, then, Apple was a partnership between two
breeds of people: obsessed kids like Wozniak and Jobs, and older
semiconductor professionals like Markkula and Scotts. The hobbyists,
long-haired dropouts whose main tether to society was a passion for
electronics, provided the dream; semiconductor guys, more mature and
experienced, provided the skills, the drive, and the daring to make
it real.“[49]
Apples Weg aus der Garage war geebnet.
1977 auf einer der ersten Computermessen im „Silicon Valley“ wurde
der Apple II der Öffentlichkeit vorgestellt und erstmals, zu einem Preis
von $1298, zum Verkauf angeboten. Die Messe war von Mitgliedern des
Homebrew Computerclubs konzipiert und organisiert worden. Apple erhielt
dadurch einen exponierten Platz auf dem Austellungsgelände. Markkula
sorgte für professionellste Präsentation. Drei Exemplare des Apple II
wurden für die Messe fertiggestellt. Die Vorführung wurde zu einem
riesigen Erfolg. Zahlreiche Bestellungen, schon während der Messe,
gingen ein. Das Geschäft begann zu boomen. Regis McKenna und seine
Werbeagentur leisteten einen maßgeblichen Beitrag zum Erfolg.
Sie entwarfen das bis heute gültige Logo Apples, den bunten
angebissenen Apfel. Und sie entschieden kurzerhand, den Apple II im
Playboy Magazin zu bewerben. Bis dahin waren Anzeigen außerhalb von
Computerfachzeitschriften völlig unüblich gewesen. Das Ergebnis war
spektakulär. Apple gewann hohe Popularität. Die Bestellzahlen erhöhten
sich drastisch.
1977 sollte Apple über 4000 Computer verkaufen. Im folgenden Jahr
verdoppelte sich die Anzahl der verkauften Geräte. 1979, obwohl man
schon meinte 1978 den maximalmöglichen Absatz erreicht zu haben,
verkauften sich weit über 35.000 Exemplare. Der Umsatz belief sich 1979
bereits auf $49 Millionen. Zuvor war er von $770.000 im Jahr 1977 auf
$7,9 Millionen im Jahr 1978 emporgeklettert. Zu Beginn des Jahres 1978
stellte Apple zudem sein von Wozniak neu entwickeltes Diskettenlaufwerk
vor. Der Apple II hat so noch einmal an Attraktivität gewonnen. 1980
eröffnete Apple eine Niederlassung in Cork/Irland und begann mit der
Produktion für den europäischen Markt. Im selben Jahr wurde die
100-Millionen-Dollar- Umsatzgrenze überschritten. Im Dezember des Jahres
ging Apple an die Börse.
1978 hatte das Unternehmen bereits 60 Angestellte. Jeder Angestellte
erhielt eine Nummer, die sich auf das Einstellungsdatum bezog. Steve
Wozniak war die Nummer 1. Jobs erhielt auf sein Drängen hin die Nummer
0. Zwei Jahre später beschäftigte Apple über 1000 Mitarbeiter und
zweistellige Angestelltennummern wurden wie Auszeichnungen getragen.
Apple hatte 1978 die Garage von Jobs Eltern verlassen und war in ein
neues Firmengebäude in Cupertino, Californien gezogen. Zwei Jahrzehnte
zuvor waren in dem Tal nur Pflaumenbäume zu finden gewesen. Inzwischen
hatten sich dort hunderte von Technologiefirmen angesiedelt. Apple
verteilte sich auf zwölf einfache ein- und zweistöckige Gebäude. Über
jedem Eingang befanden sich Holzschilder mit dem Apple Logo darauf:
„Ich war ziehmlich fassungslos, als ich entdecken mußte, dass
Jobs und Markkula auch nur in einem - wenn auch zweistöckigen -
Holzhaus mit Schindeldach residierten. Es hätte für die Zweigstelle
einer Versicherungsgesellschaft gepaßt, aber doch nicht für das
Hauptbüro eines so schnell wachsenden Unternehmens.“[50]
Im Inneren der Gebäude waren entlang der Gänge kojenartige offene
Büros aufgereiht. Jedes Büro war mit einem Computer ausgestattet. In den
engen Gängen wimmelte es von umhereilender Belegschaft. Vor manchen
Räumen bildeten sich Schlangen. Eine Kleiderordnung gab es nicht:
„Ich war verblüfft und etwas peinlich berührt, dass die
Mitarbeiter bei Apple lässiger gekleidet waren als sogar die
Monteure bei Pepsi.“[51]
Apple war Ende der siebziger Jahre ein junges chaotisches
Unternehmen. Es erweckte mehr den Eindruck eines Unicampusses, als den
einer 50 Millionen Dollar Firma. Nur die hohe Dichte von Mercedes und
Porsche auf dem Parkplatz Apples wies darauf hin.
Obwohl die Verkaufszahlen des Apple II stetig anstiegen, war dem
Management bewußt, dass es Folgeprodukte brauchte, um die Firma auch für
die Zukunft abzusichern. Die Software für den Apple II wurde verbessert
und erweitert. 1979 verfügte Apple über ein Textverarbeitungsprogramm
namens „Apple Writer“. „Visicalc“, ein von Dan Fylstra entworfenes,
völlig neuartiges Tabellenkalkulationsprogramm, war speziell auf den
Apple II zugeschnitten. Zudem kam 1979 der erste Apple Drucker, der
„Silent Writer“, auf den Markt. Diese und andere Faktoren erhöhten zwar
die Attraktivität des Produktes, konnten aber nicht über die Nachteile
des Apple II nicht hinwegtäuschen, insbesondere für den weniger
erschlossenen Office Markt. Dem Apple II fehlte es an Speicherkapazität
sowie an ausreichender Zeichenanzahl pro Zeile. Für den Officebereich
war er die falsche Hardware.
Bei Apple entschied man sich eine erweiterte Apple II Version zu
entwickeln, die speziell den Business Markt ansprechen sollte. Der Apple
III wurde 1980 vorgestellt. Steve Jobs hatte auf ein kleines Gehäuse
bestanden. Das enge Gehäuse machte eine Platinenverbindung notwendig,
die sich als mangelhaft erwies. Der Apple III scheiterte auf dem Markt.
Jobs selber entwickelte 1979 die Grundidee für LISA (large integrated
software architecture). LISA sollte eine neue Generation von
Personalcomputern repräsentieren. Das Projekt wurde zusätzlich durch
Jobs Besuch des „Palo Alto Research Centers“, kurz PARC, inspiriert. Das
PARC war das Computerentwicklungszentrum der Firma Xerox. Es besaß, was
innovative Technologieentwicklung betraf, einen ausgezeichneten Ruf.
Apple war an Xerox herangetreten und hatte der Firma eine Beteiligung an
Apple angeboten. Xerox willigte ein, sich mit 1 Millionen Dollar
einzubringen und erhielten im Gegenzug ein Aktienpaket von 100.000
Aktien. Außerdem erlaubten sie Apple den Zugang zum PARC. Jobs war vom
Anblick dessen, was er im PARC sah, auf Anhieb faziniert. Man hatte dort
eine sogenannte Maus entwickelt, mit deren Hilfe man auf dem Bildschirm
Symbole anklicken konnte und dadurch steuerte. Die Bildschirmoberfläche
war grafisch als symbolischer Schreibtisch eingerichtet. Es gab einen
„desktop“, Ordner und Papier. Jobs findet hier eine praktische Umsetzung
seiner Vision: den bedienungsfreundlichen Computer, einen Computer für
alle. Er möchte diese Elemente für den LISA übernehmen. Unter der
Leitung von John Couch wird die LISA-Abteilung gegründet. LISA war dazu
vorgesehen den Büromarkt zu erobern. Ein exclusives Werkzeug für höchste
Ansprüche.
Während das Management auf die Zukunft blickt, boomt die Gegenwart.
Am 12.12.1980 werden an der Börse innerhalb einer Stunde 4,6 Millionen
Apple- Aktien verkauft. Der Kurs einer Aktie klettert an diesem Tag von
$22 auf $29 und machte mehr als vierzig Mitarbeitern Apples zu
Millionären und Multimillonären. Das „Silicon Valley“ und seine Startups
hatten schon einige Besitzer und Angestellte zu Millionären gemacht,
jedoch überlebten 80 Prozent dieser Erfolgsgründungen nur kurz. Bis
hierhin hatte Apple es geschafft. Nun galt es diesen Erfolg im neuen
Jahrzehnt zu halten.
Die achtziger Jahre brachten für den Konzern einige einschneidende
Veränderungen mit sich. Mitarbeiter Nummer 1, Steve Wozniak, verließ
Apple. Markkula und Scott setzten auf das Projekt LISA. Ihre Bedenken
richteten sich allein gegen Steve Jobs. Jobs Exzentrik sowie seine
Unreife, er war zu jener Zeit 25 Jahre alt, ließen sie zu der
Entscheidung kommen, Jobs keinerlei leitende Positionen mehr zu
übertragen und vor allem, ihn vom Projekt LISA fernzuhalten. Sie
überredeten ihn, den Verwaltungsratsvorsitz zu übernehmen und nunmehr
nur repräsentative Aufgaben zu bekleiden. Jobs sollte als Werbeträger
Apple in der Öffentlichkeit personifizieren. Letztlich akzeptierte Jobs.
1981 erhielt der sich weiterhin gut verkaufende Apple II die erste
ernstzunehmende Konkurrenz. IBM, „the Big Blue“, stellte seinen
Personalcomputer vor, den IBM PC. Als Marktführer sah Apple im IBM PC
eine Ergänzung des Angebots, jedoch keine Konkurrenz. Der Mitbewerber
wurde in großformatigen Anzeigen souverän mit „Welcome IBM. Seriously.“
begrüßt. Jedoch sollte das Scheitern des Apple III dem IBM PC bei der
Eroberung des Office Markts den Weg ebnen. Schon 1982 hatte sich das für
IBM entwickelte Betriebssystem MS DOS (Microsoft Disk Operating System)
von Microsoft zur Standardsoftware im Bürobereich gemausert. „The Big
Blue“ hatte den Sprung in das Personalcomputergeschäft geschafft. Apples
Marktanteile sanken. Das Unternehmen sah sich gezwungen über seine
Perspektiven nachzudenken. Apple war in Schwierigkeiten.
Mike Scott hielt daher weitere Umstrukturierungen, angesichts des
schnellen Wachstums des Unternehmens wie auch angesichts des Mißerfolgs
mit dem Apple III, für notwendig. Im Herbst 1980 unterteilte er Apple in
Divisionen entlang der Produktlinien. Auch für Zubehör, Herstellung und
Verkauf richtete er separate Abteilungen ein. Das Unternehmen ging einen
Schritt weg vom Chaos, hin zur Struktur.